Hannover Das sind die Konsequenzen aus der Abi-Panne in Niedersachsen
Beim niedersächsischen Abitur in Politik-Wirtschaft kam es vorige Woche zu Pleiten, Pech und Pannen. Das Kultusministerium hat den Fall nun aufgearbeitet – und kommt zu folgenden Schlüssen.
Nach den Turbulenzen und Verzögerungen bei den Abiturprüfungen im Fach Politik-Wirtschaft vergangene Woche zieht das niedersächsische Kultusministerium Konsequenzen. Forderungen aus der Schülerschaft, die Noten aufgrund der Stresssituation pauschal um einen Punkt anzuheben, kommt das Ministerium allerdings nicht nach.
Durch einen Einbruch in eine Schule in Goslar in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag waren die ursprünglichen Klausuren auf dem Schulhof gelandet und durften damit am Donnerstag nicht mehr ausgeteilt und geschrieben werden.
Die Schüler hatten am Prüfungstag die Wahl, ob sie die mit deutlicher Verzögerung ausgeteilte Ersatzklausur schreiben oder auf den Nachschreibetermin am 8. Mai ausweichen. Laut Ministerium haben sich etwa 80 Prozent der rund 8000 betroffenen Schüler für das Schreiben der Ersatzklausur am gleichen Tag und gegen den neuen Anlauf am 8. Mai entschieden.
Diejenigen Schüler, denen ihre Schule diese Wahl nicht wie geplant gelassen hatte, erhalten nun nachträglich die Möglichkeit, die Klausur zu wiederholen. „In diesem Fall wird die Note der Wiederholungsklausur gewertet, die andere Klausur gilt als nicht geschrieben“, machte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) am Dienstag in Hannover deutlich.
Wie viele Schulen den Abiturienten am Prüfungstag keine Wahlmöglichkeiten gelassen hatten, steht laut Kultusministerium noch nicht abschließend fest. Die Ministerin sprach vorsichtig von einer „niedrigen zweistelligen Zahl“ an Schulen.
Ebenso erklärte Hamburg, dass es eine Schule in Niedersachsen gebe, die den Rückzug der ursprünglichen Aufgaben nicht mitbekommen hatte und die Klausur normal schreiben ließ. Es handele sich dabei um die KGS Drochtersen. „Diese Schüler müssen leider in jedem Fall die Klausur mit neuen Aufgaben wiederholen“, sagte die Ministerin.
Da erfahrungsgemäß Prüflinge den Nachschreibtermin am 8. Mai krankheitsbedingt versäumen werden, bedarf es eines zusätzlichen Nachschreibtermins. Dieser wird auf den 5. Juni terminiert.
Dass es keinen zusätzlichen „Bonus-Punkt“ für die Klausur gibt, begründete Hamburg damit, dass dafür wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein müssten. Etwa, dass die Aufgabenstellung zu schwierig oder so umfangreich war, dass sie objektiv in der vorgegebenen Zeit nicht zu bewerkstelligen gewesen ist. „Beides war nicht der Fall. Daher gibt es für uns auch keine Möglichkeit, einen zusätzlichen Punkt einzuräumen“, betonte Hamburg.
Der Landesschülerrat kritisierte das. „Wir sehen das Kultusministerium in der Pflicht, sich weiterhin über einen Nachteilsausgleich Gedanken zu machen und spätestens dann, wenn abzusehen ist, dass es einen schlechteren Notenschnitt gibt, Maßnahmen parat zu haben“, hieß es in einer Mitteilung.
Mit Blick auf die Zukunft kündigte Hamburg an, dass den Schulen Ersatzaufgaben künftig schneller zur Verfügung gestellt werden sollen. Außerdem soll die Kommunikation mit den Schulen verbessert werden. Zusätzlich zum Mailverkehr seien beispielsweise Handy-Benachrichtigungen denkbar. Zudem sei für kommendes Jahr ein „Alarmtag“ geplant, an dem Notfallszenarien durchgespielt werden.
Die Direktorenvereinigung, ein Zusammenschluss von Leitern niedersächsischer Gymnasien, verwahrte sich gegen Schuldzuweisungen. Vorstandsvorsitzende Gabriele Diedrich schrieb in einer Mitteilung, das Kultusministerium dürfe den „Schwarzen Peter“ nicht den Schulen zuschieben.
Die ursächliche kriminelle Tat von Unbekannten stand nach den ersten Erkenntnissen aus der Vorwoche nicht im Zusammenhang mit den Abi-Prüfungen.