Berlin  Betrugsmasche bei der Suche nach Liebe: So schützen Sie sich beim Online-Dating

Karolin Nemitz
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Von Karolin Nemitz
| 12.04.2024 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das „Love Scamming“ ist eine Betrugsmasche, bei der die Täter über Online-Partnerbörsen Menschen ihre Liebe vorgaukeln, um an Geld zu kommen. Foto: dpa/Sina Schuldt
Das „Love Scamming“ ist eine Betrugsmasche, bei der die Täter über Online-Partnerbörsen Menschen ihre Liebe vorgaukeln, um an Geld zu kommen. Foto: dpa/Sina Schuldt
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Über Online-Dating versuchen, die große Liebe zu finden, wird immer beliebter. Wenn man dann viele kleine Nachrichten mit Komplimenten bekommt, freut man sich. Doch Vorsicht: Auch Betrüger wissen, wie man gut ankommt.

Bei der Betrugsmasche „Love Scamming“ handelt es sich um eine Form des Internetbetrugs. Kriminelle erstellen gefälschte Profile, um auf Online-Partnerbörsen wie Tinder oder Lovoo, aber auch in sozialen Netzwerken Personen zu finden, die die große Liebe suchen. Die Täter spielen die große Liebe vor, um an das Geld der Opfer zu kommen.

Betrüger veröffentlichen häufig viele Bilder, um vertrauenswürdig zu erscheinen. Laut der Polizeiberatung nutzen Betrügerinnen meist freizügigere geklaute Fotos, während Betrüger Bilder von Männern in Uniform missbrauchen. Während die Frauen oft Berufe wie Krankenschwester, Mitarbeiterin im Waisenhaus oder Lehrerin angeben, um Emotionen bei den Opfern auszulösen, geben die Männer überwiegend an, einen Job zu haben, bei dem sie oft ins Ausland reisen müssen.

Die Love Scammer schreiben meist in sehr gutem Englisch und überhäufen das Opfer schon nach kurzer Zeit mit Komplimenten und Liebeserklärungen. Wenn es zum Austausch über das Leben kommt, berichten die Betrüger über eine schlimme Kindheit oder einen Schicksalsschlag, um Mitleid zu erregen.

Eine Statista-Grafik zeigt, dass jeder zweite Mensch online nach einer ernsthaften Beziehung sucht. Diesen Wunsch können Betrüger nutzen.

Außerdem erkennen Sie Liebesbetrüger daran, dass Sie darum gebeten werden, ein gemeinsames Konto für die Zukunft zu eröffnen und dort jeden Monat eine feste Summe einzahlen sollen. Dafür fordern Betrüger auch die Kopie von Ihren Ausweisen, die für Fälschungen von Pässen genutzt werden.

Um an das Geld ihrer Opfer heranzukommen, geben die Betrüger an, plötzlich familiäre Probleme oder andere Schwierigkeiten zu haben, bei denen sie Ihre Hilfe benötigen. Sie seien die Person, dem der Täter am meisten vertraue.

Die einfachste Herangehensweise ist, dass der Betrüger angibt, Sie besuchen zu wollen. Dafür fehlt aber das Geld für das Ticket. Außerdem bittet der Täter um eine Gebühr an die Regierung, die noch vor Abflug bezahlt werden muss, damit das Opfer schnell überweist. Die Verbraucherzentrale warnt vor den angeblichen Gebühren „PTA“ und „BTA“, die es offiziell nicht gibt.

Wenn Ihr Chatpartner angibt, aus dem gleichen Land zu kommen wie Sie, gibt er vor, dass er kurz vor einem Treffen ins Ausland auf eine Geschäftsreise müsse, wo er aufgrund einer gestohlenen Kreditkarte in Geldnot geraten sei. Um die Zeit zu einer neuen Karte zu überbrücken, fragt er Sie, ob Sie ihm Geld leihen können.

Einen emotionaleren Weg gehen die Betrüger, indem Sie auf dem Weg zu Ihnen einen Autounfall vortäuschen und nun Geld für die Reparatur und die Mietwagenkosten benötigen.

Auch ein teurer Krankenhausaufenthalt mit einer lebensnotwendigen Operation ist eine Masche, um an Ihr Geld zu gelangen. Dafür schreiben angebliche Ärzte, Polizisten oder Angehörige an das Opfer eine Nachricht, um den Vorfall glaubwürdiger erscheinen zu lassen.

Besonders perfide: Manche Love Scammer geben sogar an, selbst Opfer von Betrügern geworden zu sein, wodurch sie viel Geld verloren haben.

Sollten Sie sich unsicher sein, ob es eine Person wirklich gibt, empfiehlt die Verbraucherzentrale den angeblichen Namen des Chatpartners mit dem Wort „Scammer“ im Internet zu suchen. Es kommt vor, dass andere Personen schon auf den Betrüger hereingefallen sind und vor der Kontaktaufnahme warnen. Ansonsten können Sie auch die Telefonnummer oder Mailadresse googeln.

Weiterhin können Sie die Bilder aus dem Profil in die rückläufige Google-Bildersuche schicken, um herauszufinden, ob das Foto von einem anderen Account gestohlen wurde.

Wenn Sie eine Zeit lang geschrieben haben, sollten Sie auf einen Video-Chat bestehen, um zu sehen, ob die Person, für die sie sich ausgibt, wirklich existiert. Es wird davor gewarnt, diesen Kommunikationsweg als einzige Bestätigung zu nehmen, denn auch wenn das Aussehen der Person stimmt, heißt das noch nicht, dass sie auch in Geldnot ist.

Die Polizei empfiehlt für die Online-Partnerbörsen eine eigene E-Mail-Adresse zu erstellen, damit bei einem Betrugsfall nicht Ihr hauptsächlich genutztes Konto betroffen ist.

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Allgemein sollten Sie niemals Geld an Flirtpartner überweisen. Auch Pakete, die von einer dritten Person zu dem Opfer gebracht werden, um sie an den Betrüger weiterzusenden, sollten Sie niemals verschicken. Meist sind diese mit einer gestohlenen Kreditkarte bezahlt, was das Aufbewahren oder Weiterversenden illegal macht.

Wenn Sie auf die Liebesversprechen hereingefallen sind und Geld überwiesen haben, sollten Sie den Kontakt zu dem Trickbetrüger abbrechen und über alle Kontaktwege blockieren. Die Chatverläufe sollten Sie extern für die Polizei sichern und anschließend eine Strafanzeige stellen.

Auch wenn die Chance gering ist, den Betrüger im Ausland zu finden, ist die Strafanzeige wichtig, da Sie so auch Banken zeigen, dass Sie kein Mittäter der Betrugsmasche sind.

Ratsam ist es, die anderen Kontakte auf Ihrem Handy zu warnen, da der Betrüger möglicherweise ein Virus mit den Nachrichten geschickt hat.

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