Reaktionen auf Baustelle  Nach Irrfahrten und Fake-Briefen – so ist die Stimmung in Hesel

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 15.04.2024 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die halbseitige Sperrung wollten einige nicht akzeptieren. Foto: Heinig/Archiv
Die halbseitige Sperrung wollten einige nicht akzeptieren. Foto: Heinig/Archiv
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Jemand hat Briefe der Gemeinde Hesel gefälscht und versprach Geld für Spritkosten, manche fuhren durch Wohngebiete auf der Suche nach Abkürzungen. So ist die Stimmung nun.

Hesel - Baustellen und Sperrungen sind gerade für Autofahrer ein Hindernis. Bei manchen geht es aber über etwas Frust hinaus. Auf der Suche nach Abkürzungen hatte es kürzlich jede Menge Autofahrer in die Wohngebiete von Hesel verschlagen. Außerdem hatte jemand in Hesel gefälschte Briefe, angeblich von der Gemeinde in Umlauf gebracht.

Sogar die Unterschrift des Gemeindedirektors Joachim Duin war gefälscht worden: Es ging dabei um die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt von Hesel. Von Leer nach Aurich muss man derzeit eine Umleitung in Kauf nehmen. In dem falschen Schreiben wurde versprochen, man bekomme eine Spritkostenpauschale von 100 Euro im Monat. Wie viele Bürgerinnen und Bürger genau durch die Fälschung hinters Licht geführt worden sind, „lässt sich schwer beziffern, da einige auch einfach nur angerufen haben beziehungsweise im Rathaus am Empfang den Hinweis auf die Fälschung erhalten haben“, sagt Duin. Er würde es auf eine niedrige zweistellige Anzahl an Menschen schätzen, „die sich bei uns persönlich gemeldet hat. Aufgrund der Berichterstattung werden sich viele nicht mehr gemeldet haben.“

So sieht das falsche Schreiben aus. Foto: privat
So sieht das falsche Schreiben aus. Foto: privat

Stimmung fängt sich wieder

Dem Täter sei es es darum gegangen, die Stimmung zu vergiften und die Verwaltung der Gemeinde Hesel zu verunglimpfen, hatte Hesels Bürgermeister Gerd Dählmann gesagt, kurz nachdem die gefälschten Briefe aufgetaucht waren. So manchen treffe die Umleitung natürlich finanziell und wenn man ihnen dann noch mitteilen müsse, dass der Brief eine Fälschung sei, sei der Frust noch größer, erklärte Duin.

An der Baustelle selbst laufe es deutlich besser. „Vieles spielt sich mit der Zeit ein. Die Mehrzahl der Menschen hält sich auch an die Verkehrsregeln. Leider gibt es immer ein paar Personen die die Ausnahme bilden und meinen für sie gelten Sonderregeln“, sagt Duin.

Weniger herumkurvende Autofahrer

Anfang April, als die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt gerade erst begonnen hatten, führte die Sperrung in Richtung Aurich zu eigenartigen Szenen. Offenbar wollten zahlreiche Auto- und Lastwagenfahrer die Einschränkungen nicht hinnehmen und suchten stattdessen nach einer Abkürzung durch Wohngebiete. „Es gab zahlreiche Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung über Pkw und Lkw die durch die Siedlung irrten“, heißt es in einer Information der Samtgemeinde.

Die B72 wird derzeit umgebaut. Foto: Archiv
Die B72 wird derzeit umgebaut. Foto: Archiv

Demnach versuchen diese Leute, von der Bundesstraße 72 (Filsumer Straße) aus an Combi vorbei durch die Mühlenstraße und die Straße Am Timmersberge zur Oldenburger Straße zu kommen. Aber das geht nicht. Es gibt keine Verbindung zur Oldenburger Straße. Von der Schleichweg-Suche war aber nicht nur die Siedlung zwischen Oldenburger Straße und Filsumer Straße betroffen, es kurvten sogar Lastwagen von Uplengen kommend durch die Friedewaldstraße und die Rathausstraße. Diese Problematik habe sich nun gelegt: „Durch unsere Reaktion mit den Sperrungen und Beschilderungen konnten wir nach meinem Eindruck insbesondere die Wohngebiete entlasten“, sagt Duin.

Das hatte die Gemeinde gegen Irrfahrten unternommen

Um den Straßenkörper, aber vor allem Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrer zu schützen, hatte die Verwaltung gehandelt. An der Einmündung der Mühlenstraße am Kreisverkehr Im Brink wurde nicht nur ein Sackgassenschild aufgestellt, sondern auch eine Gewichtsbegrenzung auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 5,5 Tonnen. Damit sind Lastwagen dort ebenso ausgeschlossen wie in der Friedewaldstraße und der Rathausstraße, die jetzt ebenfalls auf 5,5 Tonnen beschränkt sind – Linienbusverkehr ausgenommen. Der Fußweg Karls Padd musste wegen durchfahrenden Motorradfahrern gesperrt werden.

Für die Anwohner in den Wohngebieten und insbesondere die Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrenden konnte die Situation so entschärft werden, teilen die Verantwortlichen mit. „Entlang der Ausweichstrecken – wie beispielsweise der Gemeindeverbindungsstraßen und Kreisstraßen – hat natürlich auch außerhalb der offiziellen Umleitung die Verkehrsbelastung zugenommen“, sagt Duin. Die Umleitung in Richtung Aurich verläuft weiträumig über Lammertsfehn, Schwerinsdorf, Großoldendorf, Neufirrel und Strackholt nach Bagband.

Sperrung ohne Arbeit: Kritik unbegründet

Zu Beginn der Arbeiten hatte es nicht nur herumkurvende Autofahrer gegeben. Außerdem machten viele Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft und schrieben, dass zwar gesperrt, aber nicht gearbeitet worden sei.

Das stimme so nicht, erklärt Duin. „Die Baustelleneinrichtung ist in der 11. Kalenderwoche erfolgt.“ Also vom 11. März 2024 bis 17. März. Gesperrt worden sei dann am 18. März. „An diesem Tag wurden auch die Bauarbeiten im Bauabschnitt eins – im Bereich der neuen Bushaltestelle an der Straße Knippelkamp und im Bereich vor der Villa Popken – aufgenommen“, so Duin. Anders als immer wieder in den sozialen Netzwerken behauptet, gab es „keine Pause während der Osterferien. Bedingt durch das schlechte Wetter hatten wir letzte Woche zwei Ausfalltage.“

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