Nach Einbruch in Goslarer Schule  Chaos bei Politik-Abi – Hälfte der Schüler in Rhauderfehn geht heim

Clarissa Scherzer
|
Von Clarissa Scherzer
| 11.04.2024 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch am Albrecht-Weinberg-Gymnasium war die Politik-Abiprüfung gestört.
Auch am Albrecht-Weinberg-Gymnasium war die Politik-Abiprüfung gestört.
Artikel teilen:

Nach dem Abbruch der Politik-Abiturklausuren am Donnerstag konnten Schüler entweder die Prüfung mit neuen Aufgaben lösen oder die Klausuren am 8. Mai nachschreiben. So ist die Lage in Rhauderfehn.

Rhauderfehn/Goslar - In ganz Niedersachsen kam es bei der Abiturprüfung im Fach Politik am Donnerstag, 11. April 2024, zu Störungen. Die Prüfung musste kurzfristig unterbrochen werden. Auch das Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn war davon betroffen. In der Nacht zu Donnerstag hatte es einen Einbruch in eine Schule in Goslar gegeben, bei dem der Tresor mit den Prüfungsaufgaben geknackt wurde. Die Schülerinnen und Schüler hätten die Aufgaben also vor ihrem schriftlichen Abitur wissen können. Um das auszuschließen, stellte das Kultusministerium an diesem Morgen neue Aufgaben zum Download für alle Schulen bereit. Auch dabei lief nicht alles glatt. „Wir bekamen heute früh die Info vom Ministerium, dass ein neuer Download erfolgen muss, weil es einen Zwischenfall in einer Schule gegeben haben soll“, berichtet Jens Middendorf, Oberstufenkoordinator des Rhauderfehner Gymnasiums, am Donnerstagvormittag. Der Download der neuen Prüfungsaufgaben habe erst mit Verzögerung geklappt, da alle Schulen aus Niedersachsen darauf zugreifen wollten.

Jens Middendorf, Oberstufenkoordinator am Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn, kam am Donnerstag durch die Störung beim Politik-Abi ins Schwitzen. Fotos: Scherzer
Jens Middendorf, Oberstufenkoordinator am Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn, kam am Donnerstag durch die Störung beim Politik-Abi ins Schwitzen. Fotos: Scherzer

Middendorf rief die Störungsstelle vom Kultusministerium an. Schließlich konnten die neuen Aufgaben heruntergeladen werden. Am Rhauderfehner Gymnasium sind insgesamt 30 Abiturientinnen und Abiturienten vom Vorfall betroffen. Die Schule musste reagieren. „Wir haben alle Betroffenen in die Mensa gebeten. Dort sollten sie warten. Wir haben die neuen Prüfungsaufgaben heruntergeladen und kopiert. Letztendlich war alles um kurz vor zehn fertig“, so Middendorf. Ein Neustart sei um 10.15 Uhr möglich gewesen.

Es hat Unsicherheit bei den Schülern geherrscht

Der Sachverhalt wurde den Abi-Prüflingen vermittelt. Es seien Fragen aufgetaucht, was zum Beispiel wäre, wenn man sich krankschreiben ließe und nach Hause ginge. In dieser Situation habe Unsicherheit geherrscht, da man Derartiges an der Schule noch nicht erlebt habe.

„Es ist in dem Moment Stress, wenn man die Info bekommt, bis neun Uhr ist der Download möglich, es geht aber nicht. Das trägt nicht unbedingt zur Beruhigung bei. Es ist einfach ärgerlich für die Schüler“, beschreibt Middendorf die Situation, und fährt fort: „Dann kam Gott sei Dank schnell eine Info vom Ministerium. Es wies darauf hin, dass aufgrund der Verzögerung die Prüflinge individuell entscheiden können, ob man zur Prüfung antritt oder den Nachschreibtermin wählt.“ Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen habe sich für den Nachschreibtermin am 8. Mai entschieden. Sie mussten sofort das Schulgelände verlassen.

Zwischen Ungläubigkeit und Enttäuschung

Die Reaktionen der Abi-Prüflinge sei laut Middendorf sehr unterschiedlich ausgefallen. Sie reichte von Ungläubigkeit, wie das passieren kann, dass da eingebrochen wird, bis hin zu Enttäuschung. Man habe sich ja lange darauf vorbereitet. „Jeder geht da auch anders mit um. Es war eine gemischte Stimmlage, so meine Einschätzung“, fasst der Oberstufenkoordinator zusammen.

Auch an den anderen Schulen in der Region war der Abi-Abbruch das bestimmende Thema am Donnerstag. Der Kreisschülersprecher im Landkreis Leer, Bennet Mattheo Hoffenbach, teilte dazu mit: „Es ist niemandem ein Vorwurf für die Verzögerung aufgrund eines Einbruches zu machen. Dass es dann allerdings fast 120 Minuten dauert, bis ein Download der neuen Klausuren überhaupt möglich ist, ist nicht vertretbar. Im Jahr 2024 sollte man besser auf solche Fälle vorbereitet sein, und über den Stand der Digitalisierung im Land sagt dieser Fall auch einiges aus, wenn der Download mehrmals verschoben werden muss aufgrund technischer Schwierigkeiten. Die Leidtragenden sind leider am Ende die Schülerinnen und Schüler, welche im Abitur schon sowieso unter enorm hohem Druck stehen.“

Ähnliche Artikel