Info-Veranstaltung in Ihrhove Westoverledinger äußern ihre Sorgen zu den Windkraft-Plänen
Mehr als 200 Besucher kamen am Mittwoch ins Rathaus, um sich über die Windkraft-Pläne in Westoverledingen zu informieren. So verlief der Abend – und das sind die größten Bedenken der Einwohner.
Ihrhove - Der Rathaussaal in Ihrhove war an diesem Abend mit mehr als 200 Besuchern voll gewesen wie selten. Das Büro für Regionalplanung Diekmann-Mosebach und Partner aus Rastede war am Mittwoch auf Einladung der Gemeinde Westoverledingen zu einer Informationsveranstaltung gekommen, um aus erster Hand über die Planungen für mögliche neue Standorte für Windkraftanlagen im Gemeindegebiet zu informieren und Fragen zu beantworten.
Zu den vorbereiteten 150 Stühlen mussten mehr als 50 weitere Stühle herbeigeschafft werden, damit für die herbeiströmenden Menschen ausreichend Sitzplätze zur Verfügung standen. Der Abend gliederte sich in zwei Teile. Zunächst gab es den Impulsvortrag von Bürgermeister Theo Douwes und von Sonja Bode und Christina Feldhaus vom Planungsbüro zum rechtlichen und planungstechnischen Stand sowie über eine Standortpotenzialstudie für Windenergie.
Bürgermeister Douwes stellte gleich zu Beginn des Infoabends eine klar: „Es wird eine rein politische Entscheidung werden, ob im Gemeindegebiet weitere Windräder gebaut werden. Es ist noch nichts entschieden und in trockenen Tüchern. Auch nicht, ob und was wir machen. Die Bandbreite ist von ,es geht alles bis es geht gar nichts‘. Wir wollen Ihnen heute Abend die aktuelle Sichtweise darstellen. Dass das Thema viele bewegt, zeigt das große Interesse an der Infoveranstaltung“, so Bürgermeister Douwes.
Kommunen können entscheiden
„Der Landkreis muss nach dem Niedersächsischen Windenergieflächenbedarfsgesetz eine Fläche von mindestens 1325 Hektar beziehungsweise 1,24 Prozent der Landkreisfläche für Windenergie ausweisen. Die Planung, wo die Flächen eingeplant werden, überlässt der Landkreis aber den Kommunen“, erklärte Diplom-Landschaftsökologin Sonja Bode.
Mehrere Bürger stellten sich ans Mikrofon, um nachzufragen. Die Nachfrage von Antina Remy aus Driever, ob der Landkreis das Flächenziel schon erreicht hat, konnte Bode nicht beantworten. „Das weiß ich nicht“. „Das ist doch entscheidend, dann brauchen wir vielleicht ja keine Flächen mehr zur Verfügung stellen und brauchen heute Abend doch nicht weiter diskutieren“, meinte Hans Südhoff aus Driever. „Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir Flächen zur Verfügung stellen, in einigen Monaten vielleicht nicht mehr. Wir stellen heute ja auch nur vier mögliche Potenzialflächen vor, und es wird ja auch nicht in den nächsten Wochen und Monaten entschieden. Es ist ein langer Verfahrensprozess“, so der Bürgermeister.
„Mein Haus verliert an Wert“
„Ich habe große Sorgen, wenn die Projektierer Druck auf die Gemeinde ausüben“, meinte Marike Boekhoff aus Kloster Muhde. „So ist es nicht. Es sind ja nur Suchräume, mehr nicht. Der Rat wird sich vor Ort noch alle Flächen anschauen und dann genau entscheiden. Natürlich sind Projektierer und Landeigentümer auf die Gemeinde zugekommen und wir haben Gespräche geführt und den Verfahrensstand erläutert. Mehr nicht“, so Bürgermeister Douwes.
Viele Fragen an diesem Abend widmeten sich den Themen Landschaftsbild, Artenschutz und dem Wertverlust von Immobilien. „Mein Haus verliert an Wert. Ich möchte eine Entschädigung von der Gemeinde“, betonte Regina Südhoff aus Driever. Ein Besucher stellte die Notwendigkeit von Windparks in Frage. „Es geht hier nur ums Geld. Was soll der Wahnsinn? Hier wird über den Kopf der Bürger entschieden“, so die Einwohnerin. „Gegen diesen Vorwurf wehre ich mich“, so der Bürgermeister. In den Redebeiträgen zeigte sich auch eine gewisse Unzufriedenheit, was den Natur- und Artenschutz betrifft. „Wollen wird die Energiewende oder nicht, dann braucht es Windparks“, so ein Befürworter der Standortpotenzialstudie. „Können wir den Strom auch nutzen“, fragte Bernd Knipper nach. „Sehr schwierig“, die Antwort des Bürgermeisters.
„Wir reden über Millionenbeträge“
„Seitens der Gemeinde streben wir eine finanzielle Beteiligung der Gesellschaft für erneuerbare Energien der Gemeinde Westoverledingen (GEEW) an, die ja gegründet ist“, erklärte Westoverledingens Erster Gemeinderat Rolf Hüser. Die Wertschöpfung soll in Westoverledingen bleiben. Wir reden über Millionenbeträge und nicht über Peanuts. Die Projektierer sollen ja nicht nur ihre eigenen Geldbörsen vollmachen“, so Hüser. Aus finanziellen Gründen könnten sich viele Einwohner an den Windrädern nicht beteiligen. Damit diese aber auch profitieren, steige die GEEW ein. „Wenn die Windenergie in Westoverledingen ausgebaut wird, dann muss vor Ort davon profitieren“, meinte der Erste Gemeinderat unmissverständlich. Den ganzen Abend herrschte eine konzentrierte und ruhige Atmosphäre. Die Besucher sprachen sich lobend über den Informationsabend aus.
Mögliche Projektierer sind: Bereich Breinermoor: Bürgerwindpark Leda-Süd; Bereich Esklum/Driever: Enova Power, Bunde/Hamburg; Bereich Grotegaste: Alterric Oldenburg und Bioconstruct Melle; Bereich Mitling-Mark Nord und Süd: Projektgesellschaft vor Ort sowie Alterric Oldenburg und Biconstruct Melle.