Fußball-Landesliga Ära endet – Friesoythes Trainer Hammad El-Arab tritt zurück
Der Trainer des Fußball-Landesligisten Hansa Friesoythe war fast elf Jahre lang im Amt. Wieso Hammad El-Arab nun vor dem Derby l sein Amt niederlegte und wie es nun weitergeht.
Friesoythe - Auf der Tribüne der Sportanlage von Hansa Friesoythe wurde es am Montagabend erst sehr still und dann sehr emotional. Trainer Hammad El-Arab hatte seine Landesliga-Fußballer nach der Trainingseinheit zu einem Gespräch gebeten und ihnen mitgeteilt, dass er sein Amt mit sofortiger Wirkung zurücklegt – nach fast elf Jahren als Coach der Grün-Weißen. „Es sind einige Tränen geflossen“, so der Sportliche Leiter Tobias Millhahn gegenüber OM-Online, „ auch bei mir. Wir hätten mit Hammad gerne bis zum Saisonende weitergemacht, müssen seine Entscheidung aber natürlich akzeptieren.“
Die Friesoyther belegen aktuell den letzten Tabellenplatz und haben bei 15 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsrang kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt. In den verbleibenden 13 Saisonpartien – beginnend mit dem CLP-Duell am heutigen Mittwochabend beim SV Bevern (Anstoß: 19.30 Uhr) – werden die beiden Co-Trainer Gerrit Thomes, der auch Spieler ist, und Nicolas Hofmann ein Trainerduo bilden.
El-Arab hätte im Sommer ohnehin aufgehört
Hammad El-Arab, der zum Saisonende ohnehin aufgehört hätte, war nach der ebenso blutleeren wie verdienten 0:2-Derbyniederlage am Sonntag gegen den BV Garrel in sich gegangen und dabei zu seinem Entschluss gekommen. „Nach dem 0:3 in Firrel im September vergangenen Jahres war das ein zweiter absoluter Tiefpunkt. Ich hatte mir gewünscht, dass wir es bis zum Schluss gemeinsam durchziehen, habe aber das Gefühl, dass ich der Mannschaft mit meiner Art nicht mehr helfen kann.“
Was er damit genau meint? „Wenn ich weitergemacht hätte, hätte ich in personeller Hinsicht einige harte Entscheidungen treffen müssen. Davon wären auch Spieler betroffen gewesen, die für nächste Saison zugesagt haben. Ich bin dann aber kein Trainer mehr und wollte den Verein nicht in Schwierigkeiten bringen.“ Zudem könne er sich vorstellen, dass dem Team ein weniger detailversessener und fordernder Stil in der verbleibenden Spielzeit guttun werde. „Ich hoffe, dass die Jungs durch meinen Schritt die Köpfe freibekommen, und denke, dass Gerrit Thomes und Nicolas Hofmann genau das bewirken können.“ Er selbst könne für die Spieler kein Animateur sein, der lockere Sprüche klopft. „Das ist nicht meine Art. Das kann man als Trainer vielleicht drei Spiele lang durchziehen, aber nicht 13. Man muss sich schon treu bleiben“, so El-Arab.
El-Arab der „erfolgreichste Coach der Klubgeschichte“
Aufgrund der Tabellensituation sei der 41-Jährige der Meinung, dass er durch seinen Rücktritt keine Ziele gefährde und Mannschaft sowie Klub nicht im Stich lasse. „Es wäre ein Wunder, wenn Hansa noch den Klassenerhalt schafft – ob mit mir oder ohne mich. Da muss man realistisch sein.“ Seiner Meinung nach gehe es nun vor allem darum, dass man sich vernünftig aus der Landesliga verabschiede. „Ich drücke der Mannschaft auf jeden Fall die Daumen, dass sie zumindest noch das eine oder andere Team in der Tabelle überholt. Sie hat nichts mehr zu verlieren.“
Hansas Sportlicher Leiter Tobias Millhahn bedauert El-Arabs Entscheidung derweil. „Wir alle im Verein sind sehr dankbar für die gemeinsame Zeit. Wir verlieren eine echte Hansa-Legende. Mit Hammad geht der wohl erfolgreichste Coach der Klubgeschichte.“ Unter der Trainer-Regie des früheren Friesoyther Mittelfeldspielers und Kapitäns hatte Hansa acht Jahre lang in der Landesliga gespielt, war 2022 nur knapp am Aufstieg in die Oberliga gescheitert und hatte sich ein Jahr später bis ins Bezirkspokal-Finale vorgespielt.
Friesoythes Klassenerhalt erscheint „utopisch“
Nach jener 1:2-Heimniederlage Ende Mai 2023 drehte sich bei den Grün-Weißen allerdings der Wind – und blies ihnen direkt ins Gesicht. Hansa verlor im Sommer enorm wichtige Spieler wie Janek Siderkiewicz und Keven Oltmer, hat in 19 Saisonpartien erst zwei Siege eingefahren und lediglich 16 Tore erzielt. „Wir hatten uns vorgenommen, dass wir nach der Winterpause noch einmal angreifen, auch dank der Neuzugänge Nico Gill und Maximilian Werner“, so Tobias Millhahn.
Doch daraus wurde nichts. Nach nur einem Punkt aus fünf Partien in diesem Jahr taumelt Hansa immer mehr der Bezirksliga entgegen. Daher sieht es Millhahn wie Hammad El-Arab: „Dass wir noch den Klassenerhalt schaffen, erscheint mir utopisch, wir wollen die Saison jetzt vernünftig zu Ende spielen.“ Friesoythes Sportlicher Leiter sieht nun das Team in der Pflicht. „Wir hoffen jetzt auf die Spieler, die keine Ausreden mehr haben.“
Für die Hansa-Kicker und das Trainerduo Thomes/Hofmann geht es nach dem El-Arab-Abschied direkt in die Vollen. Innerhalb von acht Tagen trifft Friesoythe zweimal auf den CLP-Rivalen SV Bevern (Mittwoch/Mittwoch) und ist zwischendurch in Papenburg (Sonntag) zu Gast.