Das sind die Gründe Warum Detlef M. Plaisier seinen Verlag „Edition Kronzeugen“ eingestellt hat
Nach rund sieben Jahren hat Detlef M. Plaisier seinen Verlag „Edition Kronzeugen“ eingestellt. Das sind seine Gründe. Außerdem blickt er mit uns auf die Geschichte des Verlages zurück.
Westrhauderfehn - Das war es nun nach rund sieben Jahren. Der Fehntjer Autor und Verleger Detlef M. Plaisier hat zum 1. April seinen Verlag „Edition Kronzeugen“ eingestellt. Was ihn antrieb, einen Verlag zu gründen und warum er ihn nun wieder eingestellt hat? „Die Entscheidung ist mir schwergefallen“, sagt Plaisier. Einige Wochen lang habe er sich mit dem Thema beschäftigt – und nun hat er einen Schlussstrich gezogen. Auch wenn noch drei weitere Werke von ihm erscheinen sollen. Die will er dieses Jahr noch fertigstellen.
Die Anfänge
Alles begann mit einem Fundstück: die Biografie seines Vaters. Mit ihm habe er nie über dessen Jugend in der Zeit der NS-Diktatur sprechen können, sagt Plaisier. Er wollte das nicht. Doch nach dessen Tod fand Plaisier in dem Nachlass eine von seinem Vater verfasste Biografie. 140 Seiten Fließtext, wie der Rhauderfehntjer berichtet. Angefangen mit der Ansprache: „Liebe Leser.“ Das habe er als Auftrag verstanden, das Buch herauszubringen. Den Text bereitete er auf. Das Werk erschien im Acabus Verlag. Bei Lesungen lernte er mehrere ältere Menschen kennen, die ebenfalls eine Geschichte zu erzählen hatten. Lebensgeschichten, die aufbewahrt werden müssten. Deshalb gründete er zum 1. Juli 2017 den Verlag „Edition Kronzeugen“.
Die Gründung
Es sei schwer Bücher mit kleinen Auflagen auf den Markt zu bringen, sagt Plaisier. Mit der Gründung des Verlages sei das einfacher gewesen, quasi das Mittel zum Zweck. So habe er entscheiden können, welche Werke in seinem Verlag erscheinen. Geld lasse sich mit so einem kleinen Unternehmen nicht verdienten, sagt Plaisier: „Für mich war das Berufung.“ Es sei immer das Ziel gewesen, mit einem Buch das nächste zu finanzieren.
Das Verlagsprogramm
Ursprünglich haben Biografien im Fokus des kleinen Verlages aus Rhauderfehn gestanden. Doch das hat sich schnell geändert. In Leipzig habe er den Autoren Nils Müller kennengelernt. „Das ist ein großes Talent. Ich denke, aus dem wird noch etwas“, sagt Plaisier. Zwei Werke hat Plaisier veröffentlicht. Ein weiteres eher untypisches Werk ist die Autobiografie des Architekten Philipp Mohr. Der habe einen Lektor im Internet gesucht, dadurch sei die Zusammenarbeit zustande kommen.
Die Auflagen
In der Regel sind zwischen 200 und 500 Exemplare pro Auflage erschienen, sagt Plaisier. Würde er weniger bestellen, sei der Stückpreis zu hoch gewesen. Geliefert wurden sie in seine Wohnungen. Dann standen schon mal mehrere Pakete mit den Werken in seinem Wohnzimmer, sagt Plaisier. Von einigen Büchern habe er noch zahlreiche Exemplare in seinem Büro. Die könnten noch verkauft werden. Von manchen sind im Laufe der knapp sieben Jahre weitere Auflagen erschienen.
Sonderfall Corona
70 Beiträge über das Leben in der Corona-Zeit hat Plaisier in dem Buch „Wir werden einander viel zu vergeben haben“ gesammelt. Einen großen finanziellen Erfolg habe er sich davon nicht versprochen. Aber es sei wichtig, die Erinnerungen für spätere Generationen zu konservieren.
Das Ende
Ein wesentlicher Grund für das Ende des Verlages seien seine zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Kürzlich ist er in den Rat der Kirchengemeinde Westrhauderfehn gewählt worden. „Was mich dort erwartet, weiß ich noch gar nicht genau.“ Außerdem betreut er mehrere öffentliche Bücherregale. Dafür soll demnächst ein Verein gegründet werden. Dazu kommen noch mehrere Auflagen vom Seniorenquiz und dem Bücherbasar für den guten Zweck.
Was noch geplant war
Drei Neuauflagen von Werken, die sich mit der Geschichte von Fehntjern befassen, wurden auf der Webseite des Verlages angekündigt. Dabei ging es um den Arbeitsdienst in Klostermoor, das Leben von „Dr. Conrad“ sowie das Leben von Kapitän Renke Schoon. Dazu waren Werke über die letzten Kriegstage 1945 in Westrhauderfehn, Rajen und Collinghorst sowie das Leben von Johann Poppen aus Ostrhauderfehn in der deutschen Kolonie Kamerun und eine Biografie von Johann Kloster aus Westrhauderfehn geplant. „Die erscheinen jetzt nicht mehr“, so Plaisier.
Das Herzensprojekt
Vor einiger Zeit habe er das Tagebuch eines deutschen, jüdischen Soldaten gekauft, sagt Plaisier. Während er an der Front war, hätten die Nazis seine Familie in einem Konzentrationslager ermordet. Er habe vorgehabt, diese Geschichte aufzuarbeiten. „Dafür ist aber viel Recherche notwendig“, sagt er. Das werde er nun nicht mehr schaffen können. Was mit dem Tagebuch geschehe, wisse er noch nicht.
Was noch kommt
Drei seiner Projekte seien nahezu fertig, sagt Plaisier. Die werden noch im Laufe des Jahres erscheinen. Aber nicht mehr in seinem eigenen Verlag. Außer zwei Auftragsproduktionen arbeite er noch an einem Buch über die Geschichte und die Restauration einer Torfmutte.
Hintertürchen
War es das dann wirklich? Ja, sagt Plaisier. Ein Hintertürchen lasse er sich aber noch offen. Wenn die richtige Geschichte – ein Herzensprojekt – komme, würde er sie doch noch schreiben. Jetzt stünden aber seine weiteren ehrenamtlichen Projekte im Vordergrund.