Berlin  Cannabis: Kann man vom passiven Konsum high werden?

Karolin Nemitz
|
Von Karolin Nemitz
| 03.04.2024 21:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auch die Menschen, die nicht direkt Cannabis konsumieren, geraten seit der Legalisierung in Kontakt mit dem Suchtmittel. Foto: dpa/ Oliver Berg
Auch die Menschen, die nicht direkt Cannabis konsumieren, geraten seit der Legalisierung in Kontakt mit dem Suchtmittel. Foto: dpa/ Oliver Berg
Artikel teilen:

Die Cannabislegalisierung betrifft nicht nur jene, die konsumieren wollen, sondern auch die Menschen, die den Qualm unfreiwillig einatmen. Ein Experte klärt auf, wie hoch das Risiko ist, als passiver Konsument einen Rausch zu erleben.

Nachdem Cannabis zu weiten Teilen legalisiert wurde, ist das Kiffen auch mit Ausnahmen in der Öffentlichkeit erlaubt. Dadurch kommt es auch zu vielen passiven Konsumenten, die sich sorgen, einen unfreiwilligen Rausch zu bekommen. Diese Sorge müssen sich die Menschen laut dem Drogenforscher Bernd Werse von der Frankfurter Goethe-Universität eher nicht machen.

Das Risiko, durch den passiven Konsum auch in einen Rauschzustand zu kommen, ist laut Werse eher gering. Der Drogenforscher ist sicher, dass es entscheidend sei, in welchem Umfeld wie viel geraucht werde. Ein einzelner in einer Kneipe gerauchte Joint habe auf passive Konsumenten wohl keine Auswirkungen. „Hält man sich allerdings in einem kleinen Raum auf, in dem viele Joints gleichzeitig kursieren, wird man wahrscheinlich auch durch den Passivrauch einen gewissen Rausch abbekommen“, sagte der Drogenexperte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

Frühere Studien hatten nachgewiesen, dass ein berauschender Zustand durch Passivkonsum möglich ist und unter Umständen zu einem hohen THC-Gehalt im Blut und Urin führen kann. Bei dem Experiment wurden fünf Menschen, die nicht kiffen, für 30 Minuten in einen Kleinwagen gesetzt, in dem sich der Rauch von sechs abgebrannten Joints befand. Das Ergebnis: Alle Probanden waren über dem THC-Gehalt, der im deutschen Straßenverkehr erlaubt ist.

Neuere Forschungen kritisieren, dass die früheren Cannabis-Studien keine realistischen Situationen darstellten. Ein Forschungsteam der Universitäten Mainz und Jena wählte 2010 eine eher alltäglichere Vorgehensweise. Acht nicht kiffende Menschen saßen für drei Stunden in einem 84 Quadratmeter großen Raum eines Coffeeshops in den Niederlanden, in dem circa 25 Menschen Cannabis rauchten.

Zu keiner Zeit des Experimentes hatte eine der acht Menschen einen THC-Wert über 1 Nanogramm pro Milliliter im Blut.

Der Drogenforscher Werse hält die Gefahr insgesamt für wenig gravierend. Im Freien bestehe das Risiko „quasi überhaupt nicht“.

Ein Experiment mit Ratten von einem medizinischen Forschungsteam aus San Francisco zeigte, dass bei den Tieren bei passivem Zigaretten- und Cannabisrauch jeweils körperliche Probleme wie Einschränkungen der Arterienfunktion auftraten. Jedoch dauerte es nach dem Kontakt mit dem Cannabisqualm länger, bis die Ratten sich wieder erholten und die körperlichen Auswirkungen nachließen.

„Obwohl dieser Effekt sowohl für Tabak- als auch für Marihuana-Rauch nur temporär ist, können daraus langfristig gesundheitliche Probleme entstehen“, teilt ein Autor in der Studie mit.

Auch interessant: Cannabis und Autofahren: Was gilt nach der Legalisierung für Kiffer?

Ähnliche Artikel