Osnabrück Bruder von Cathy Hummels: So findet man eine Leihmutter – ab 150.000 Dollar
Weil Leihmutterschaften in Deutschland verboten sind, ging Sebastian Fischer mit seinem Kinderwunsch in den USA. Aber wie findet man eigentlich eine Leihmutter? Kann man sich sein Kind dann aus dem Katalog aussuchen? Und was kostet eine Leihmutter überhaupt?
Es sei für ihn immer schon klar gewesen, dass er mal Kinder haben will“, erzählt Sebastian Fischer im Expertentalk „Leihmutterschaft: Gibt es bald Babys auf Bestellung?“ mit Moderator Michael Clasen. Aber „da ich aber schwul bin, ist das auf natürlichem Wege ja nicht möglich.“
Eine Leihmutterschaft, wie sie bald möglicherweise auch in Deutschland bald legal werden könnte, sei aber lange Zeit kein Thema gewesen. Auch, weil Fischer „einfach nicht das notwendige Geld verdient“ hat.
Der Expertentalk zum Nachschauen:
Irgendwann machte Fischer Karriere, ist heute leitender Oberarzt und stellvertretender Chefarzt an einer großen psychiatrischen Klinik in der Nähe von Coburg. Auch sein Ehemann Jakob Beutler habe sich Kinder gewünscht, doch Leihmutterschaften sind in Deutschland bislang verboten.
Die beiden schauen sich deshalb in den USA um, wo das Geschäft mit Leihmutterschaften boomt. „In Amerika ist der Markt sehr groß, es gibt sehr viele Firmen. Es gibt Firmen, die spezialisieren sich auf den chinesischen Markt, andere Firmen arbeiten nur für schwule oder nur für heterosexuelle Paare“, erklärt Fischer. „Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden soll.“
Dann kommt ihm seine Schwester Cathy Hummels zu Hilfe: Die hatte in einer Fernsehsendung ein schwules Paar kennengelernt, das mithilfe einer US-amerikanischen Firma eine Leihmutter gefunden hatte. Hummels stellt den Kontakt her. „Das war ein Volltreffer und so kam die Sache ins Rollen“, erzählt Fischer. Zwei Jahre später hielt er dann seinen Sohn in den Armen.
Eine Regierungskommission prüft derzeit, das auch in Deutschland zu legalisieren. Ethiker debattieren dabei vor allem, ob dann neben einer rein altruistischen Leihmutterschaft auch kommerzielle Angebote erlaubt sein soll.
Leihmutterschaften: Wie Paare und Singles mithilfe Dritter Kinder bekommen
„Ich fand das gut, dass das kommerzialisiert ist“, so Fischer. Seiner Meinung nach sollte die Expertenkommission „einfach mal scharf nach Kalifornien blicken, wie Leihmutterschaft dort geregelt ist, das kopieren und umsetzen.“ Denn bei einer kommerziellen Leihmutterschaft wisse er, dass alles gut organisiert ist und Eizellspenderin und Leihmutter medizinisch und psychisch gecheckt worden seien.
Und: Er und sein Ehemann wussten alle „Kriterien, die uns wichtig sind”. Also „welchen Bildungsstand die haben, wie sie bei den College-Einstufungstests abgeschnitten haben, wie die aussehen. Einige haben gesagt: ‚Der sucht sich das Kind aus dem Katalog aus.’“ Er hingegen finde, „dass Online-Dating heutzutage auch nichts anderes mehr ist.“
Billig ist eine Leihmutterschaft aber nicht. Was genau er bezahlt hat, will Fischer im Expertentalk nicht verraten. Aber soviel: „Die Mindestsumme in den USA sind 150.000 Dollar.“ Das könne aber auch schnell mehr werden: „Frauen, die was auf dem Kasten haben, finden sich seltener in dem Segment. Und ich wollte aber keine Mutter für meinen Sohn, die beruflich nichts erreicht hat oder die keinen Abschluss hat. Wenn Sie solche Ansprüche haben an die Eizellspenderin dann landen Sie auch mal schnell in Bereichen von 250.000 oder 300.000 Dollar. Der Kostentreiber ist dann nicht die Leihmutter, sondern vernünftige Eizellen zu finden.”
Ethiker sind sich uneinig, ob solche kommerzielle Leihmutterschaften in Deutschland erlaubt werden sollten. Während Papst Franziskus Leihmutterschaften am liebsten weltweit verbieten würde, plädiert Ethikerin Dr. Julia Inthorn dafür, genau „zu gucken: Was passt für uns und was passt für uns als Gesellschaft nicht?”
Die Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum, sieht die Legalisierung kritisch: „Was müssen wir als Gesellschaft an Schutz garantieren, insbesondere dem ungeborenen Leben gegenüber? Wie wägen wir die Freiheitsrechte von Schwangeren gegenüber den Lebensschutzargumenten ab?“ Denn Fischer sei zwar ein Beispiel für einen „Glücksfall“, aber „das heißt nicht, dass es dann, wenn wir das einfach freigeben für alle in Deutschland, für alle auch eine glückliche Lösung wird.“
Eizellspende vor der Zulassung: Was spricht dafür und was dagegen?
Man dürfe nicht „von der Logik des Machbaren“ ausgehen und Leihmutterschaften zu erlauben, „weil es medizinisch möglich ist, weil es finanzierbar ist.“ Außerdem „haben wir ein völlig anderes Mutterbild in Deutschland und irgendwie brauchen wir einen Rahmen, in dem dieses Mutterbild gesellschaftlich weiter entwickelt“ werde, aber „gerne auch transformiert. Da habe ich überhaupt nichts dagegen!“
Markus Kupka wies im Expertentalk allerdings darauf hin, dass das, „was die Bundesregierung im Koalitionsvertrag avisiert hat, nicht primär auf die sehr spezielle Situation von Herrn Fischer zugespitzt ist, sondern eher auf die etwas allgemeinere Situation.“ Der Reproduktionsmediziner vom Kinderwunschzentrum Altonaer Straße im Gynaekologicum Hamburg und Professor an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität habe eher mit Fällen zu tun, in denen „die Frau krebskrank ist und vielleicht ihre Gebärmutter verliert oder ein Gesundheitsproblem hat und nicht schwanger werden darf.”
Fischer hingegen sieht keine Probleme mit einer kommerziellen Legalisierung, im Gegenteil: „Ich wäre sehr suspekt gewesen, wenn eine Frau mir gesagt hätte, ich mache das rein aus altruistischen Motiven. Dann hätte ich eher Abstand genommen, weil ich das nicht glaube.“
Übersicht: Wo ist Leihmutterschaft legal?
Er habe der Leihmutter seines Sohnes erzählt, so Fischer, „dass man hier Leihmutterschaft für eine Art modernen Sklavenhandel hält. Das konnte sie gar nicht verstehen. Sie hat nur gelacht und hat gesagt, sie sei eine mündige Frau.“ Mit dem Geld für die Leihmutterschaft finanziere sie ihren Kindern die Collegeausbildung. Fischer findet das „sehr berührend und auch sehr vernünftig. Und damit konnte ich sehr gut leben.“
Dass eine Leihmutterschaft ethisch nicht unumstritten ist, „hat mich schlicht und ergreifend nicht interessiert.“ Auch mit den Behörden habe es „überhaupt keine Probleme“ gegeben, sein Sohn habe unumständlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Fischer kann deshalb die „öffentliche Debatte nicht nachvollziehen“ und glaubt, „dass die Gesellschaft da schon viel weiter ist als vielleicht so manche Ethikkommission.”