Osnabrück  Was uns die Pandemie-Protokolle über Corona und das RKI verraten – und über Aliens

Burkhard Ewert
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Von Burkhard Ewert
| 29.03.2024 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Dokumente des Robert-Koch-Instituts zeigen unter anderem, dass FFP2-Masken außerhalb des Arbeitsschutzes bei keinen Mehrwert hatten. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Die Dokumente des Robert-Koch-Instituts zeigen unter anderem, dass FFP2-Masken außerhalb des Arbeitsschutzes bei keinen Mehrwert hatten. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
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Dass das RKI schon früh Zweifel an Lockdowns und Maskenpflicht diskutierte, spricht eher für reflektierte Arbeit als einen Skandal. Einen solchen Umgang mit kontroversen Fragen hätte man sich seinerzeit allerdings auch von Politik und Öffentlichkeit gewünscht, meint Burkhard Ewert.

Man reibt sich verwundert die Augen im Rest der Republik. Vier Jahre nach dem ersten Lockdown und drei Jahre nach der „Osterruhe” mehren sich die Selbstkritik und Forderungen nach einer Corona-Aufarbeitung im politischen Raum und inzwischen auch in vielen Medien. Aktueller Anlass ist, dass das Online-Blog „Multipolar“ vor Gericht die Offenlegung der Gesprächsprotokolle des Robert-Koch-Instituts (RKI) erstritten hat, was die Bundesregierung unterbinden wollte.

Die Dokumente belegen unter anderem, dass die RKI-Experten Dinge hinter verschlossenen Türen früh und durchaus offen diskutiert haben, die in der amtlich-politischen Öffentlichkeit nicht zur Sprache kamen, beziehungsweise wegen derer sich Menschen als Schwurbler bezeichnen lassen mussten, falls sie ähnliche Zweifel hatten.

In den Akten steht unter anderem, wie in den Krisenstabssitzungen festgehalten wurde,

All diese Positionen finden sich in den RKI-Protokollen bereits zu Zeiten, als die Gesundheitsminister Jens Spahn und später Karl Lauterbach, als Angela Merkel als Kanzlerin, Alena Buyx als Ethikrats-Vorsitzende und natürlich „Vorsichts”-Virologen wie Christian Drosten, fragwürdige Modellierer wie Melanie Brinkmann oder gehypte Medienvertreter wie Mai Thi Nguyen-Kim und „Rezo” noch ganz andere Auffassungen als unbezweifelbare Fakten verkaufen wollten.

Ist das ein Skandal? Wie man es nimmt. Dass das RKI diese Dinge diskutierte, belegt eher die reflektierte Arbeit in der Behörde als das Gegenteil. Aber bewerten Sie selbst, wie sich Politik und Öffentlichkeit seinerzeit dazu verhalten haben, und wie man mit moralgetränkten und ausgrenzenden Haltungen in Gegenwart und Zukunft umgehen sollte, die einem als vermeintliche Gewissheit verkauft werden. 

Noch etwas anderes lässt sich aus den „RKI-Files“ und den Reaktionen darauf lernen, was besonders deshalb interessant ist, weil im Zuge der Corona-Pandemie so viel von Verschwörungstheoretikern die Rede war. Denn wie hat Lauterbach auf die Veröffentlichung der Protokolle reagiert? Bei „X“ schrieb er:

Janosch Dahmen, Gesundheitspolitiker der Grünen, sekundierte:

Listen to the Science, möchte man da sagen und gerne einen Forscher hören, der erklärt, was fremde Mächte damit zu tun haben sollen, dass Leute meilenweit daneben lagen, sich umso überlegener fühlten, sich seither gegen demokratische Transparenz wehren und noch heute nicht sehen wollen, in welchem Maße sie das Vertrauen in Staat und Politik beschädigt haben. Dazu brauchte es keine ausländischen Agenten und auch keine Aliens, falls die ihnen als Nächstes einfallen sollten.

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