Osnabrück Hätte, hätte, Fahrradkette: Der coole Spruch der Besserwisser
Peer Steinbrück machte den Spruch einst populär: Hätte, hätte, Fahrradkette – das war der Slogan der Oberschlauen und Besserwisser. Aber woher kommt die Redewendung eigentlich?
Wer erinnert sich noch an Peer Steinbrück? Sicher, all diejenigen Wähler der SPD, denen der gegenwärtige Bundeskanzler Olaf Scholz einfach zu wenig charismatisch erscheint. Steinbrück war Ministerpräsident, Bundesminister – und verlor 2013 als Herausforderer von Angela Merkel. Bundeskanzler ist Steinbrück nie geworden. Dafür hat er den Sprachschatz des Deutschen eindrucksvoll erweitert: Hätte, hätte, Fahrradkette.
Das ist verlorene Liebesmüh: So klingt womöglich eleganter, was Steinbrück mit seinem Hamburger Tonfall in die Mikrofone schnarrte. Hätte, hätte Fahrradkette: Sei´s drum, lass es sein, bringt ohnehin nichts – keine dieser Redewendungen kommt an Steinbrücks Diktum heran.
Sicher können die Detektive unter den Beobachtern der Entwicklung deutscher Alltagssprache einwenden, dass schon einige Jahre vor dem Politiker Christoph Maria Herbst als Stromberg in der gleichnamigen Fernsehserie vergeblichem Einsatz für eine Sache auf solch schnoddrige Weise eine Absage zu erteilen pflegte.
Aber erst Steinbrück brachte den Neologismus, pardon, die Wortneubildung, so richtig auf die Kette. Hätte, hätte, Fahrradkette: Das war einmal der Spruch des Jahrzehnts, eine vielfach einsetzbare Redewendung, die ihren Verwender als richtigen Schlaumeier auswies.
Doch die Zeiten sind längst nicht mehr nach solch nassforscher Redensart. Inzwischen verketten sich unglückliche Umstände der Weltgeschichte so unauflöslich, dass es kaum noch möglich scheint, mit der Steinbrück-Formel einfach verbal abzuwinken und den eigenen Ausstieg aus vergeblicher Anstrengung zu signalisieren.
Hätte, hätte, Fahrradkette: Mit so einem Spruch fährt man anderen ziemlich über den Mund, schneidet manches womöglich kluge Wort ab. Steinbrück war durchaus geschickt darin. Ob er deshalb in dieser Redensart seine rhetorische Lieblingsformel gefunden hatte?
Heute geht es eher darum, etwas auf die Kette zu kriegen, als sich mit kessen Sprüchen aus der Affäre zu ziehen. Die Zeiten der Blitzmerker scheint ohnehin vorerst vorbei zu sein. Hätte, hätte, Fahrradkette. Bevor ich das noch einmal sage, gebe ich lieber Kette und schaue, dass ich weiterkomme.