Zahlen der Polizei Gewalt an Schulen – so ist die Lage in Ostfriesland
Die Statistiken der Polizei zeigen unterschiedliche Trends. Während Diebstähle an Schulen zurückgehen, gibt es in einer Region eine Zunahme an Delikten wie Körperverletzung.
Ostfriesland - In Emden wurde im vergangenen Jahr ein Zehntklässler von einem Mitschüler in den Rücken gestochen. Niedersachsenweit hat die Gewalt an Schulen sowohl gegen Sachen als auch gegen Menschen zugenommen.
Doch gilt das auch für Ostfriesland? 2022 gab es im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektionen 216 Delikte mit „Schulkontext“. 2023 waren es 199, wobei ein deutlicher Rückgang nur für den Bereich Aurich/Wittmund zu verzeichnen ist. In Emden und Leer stieg die Zahl leicht an.
Die Situation in Aurich und Wittmund
Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund teilt auf Nachfrage mit, dass von den 89 polizeilich bekannt gewordenen Straftaten an Schulen insgesamt 42 „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ waren. Niedersachsenweit gab es hier 2023 mit 2680 Fällen rund 520 Fälle mehr als noch im Vorjahr. In Ostfriesland handelte es sich meist um Körperverletzungen (30 Fälle), aber auch ein Raub kam vor. Straftaten „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ gab es drei.
Gemessen an der Schülerzahl ist die Zahl der Delikte insgesamt relativ gering. Allein im Landkreis Aurich gab es im vergangenen Jahr an allgemeinbildenden Schulen rund 19.800 Schülerinnen und Schüler, weitere rund 4600 besuchten eine Berufsbildende Schule. Nach Körperverletzungen beschäftigten vor allem Diebstähle (21 Fälle), Bedrohungen (elf Fälle) und Beleidigungen (neun Fälle) die Polizei.
Bei jeweils zwei Fällen waren 2022 und 2023 Waffen wie Messer im Spiel. Schwere Körperverletzungen habe es aber nicht gegeben. Diese liegen laut Polizei nur dann vor, wenn es Folgeschäden gibt.
Die Situation in Emden und Leer
Auch für Emden und Leer ist, obwohl in 2022 und 2023 jeweils bei einem Fall eine Waffe im Spiel war, keine schwere Körperverletzung im Schulkontext verzeichnet. Der Emder Fall aus dem vergangenen Jahr zählt als gefährliche Körperverletzung.
Anders als in Aurich und Wittmund ist die Zahl der Delikte bei der Polizeiinspektion Emden/Leer leicht um sieben auf 110 Fälle gestiegen. Davon waren 52 Rohheitsdelikte und „Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ und in fünf Fällen ging es um die sexuelle Selbstbestimmung. Körperverletzungen (35 Fälle) überwiegen vor Bedrohungen und Diebstählen (je 19 Fälle) und Beleidigungen (14 Fälle).
Das Fazit der Polizei
Für Aurich und Wittmund waren die Gewalt- und Straftaten „zuletzt sogar eher rückläufig“, so die Polizei. Gerade die Rohheitsdelikte sanken von 54 auf 42, aber auch bei Diebstählen zeigte sich der Rückgang.
Diebstähle gab es auch in Emden und Leer weniger, gleichzeitig nahmen die Rohheitsdelikte aber zu: 2022 waren es 31 bekannt gewordene Fälle, 52 waren es im vergangenen Jahr. Auch die finanziellen Schäden, beispielsweise durch Diebstähle, halbierten sich in beiden Regionen nahezu.
Darüber, wie viele Lehrkräfte oder Schüler unter den Tätern und Opfern sind, gibt die Statistik keine Auskunft.
Die Maßnahmen gegen Gewalt an Schulen
Um die Zahlen noch weiter zu senken, gebe es „im Rahmen der Jugendprävention verschiedene Konzepte in Zusammenarbeit mit den Schulen“. Solche Präventionsmaßnahmen seien „immer ein geeignetes Mittel, um jungen Menschen die Folgen möglicher Taten aufzuzeigen und Unterstützung dabei zu geben, selber nicht Täter oder Opfer zu werden“.
Während Aurich und Wittmund sich aktuell gegen den niedersachsenweiten Trend zu entwickeln scheinen, bestätigen die Zahlen für Leer und Emden diesen. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) schaut kritisch auf die landesweite Entwicklung. Neben Forderungen nach mehr Schulsozialarbeit gibt es aber auch noch andere Ideen. Der Leeraner Stefan Störmer, Landesvorsitzender der GEW, sagte dazu jüngst gegenüber unserer Redaktion: „Isoliert nur auf die Schulen zu gucken, greift zu kurz.“ Erziehung sei eine Gemeinschaftsaufgabe und somit sollten auch Akteure wie Vereine und Jugendzentren mit an einen Tisch geholt werden.