Weiteres Opfer meldet sich Sexualisierte Gewalt – Pfarrer räumt Fehlverhalten ein
Eine Frau hat einen ehemaligen Pfarrer einer reformierten Gemeinde wegen sexualisierter Gewalt angezeigt. Während der disziplinarischen Ermittlungen meldete sich ein weiteres Opfer.
Leer - Im Fall der Anschuldigung gegen einen ehemaligen Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirche, sexualisierte Gewalt begangen zu haben, hat dieser ein Fehlverhalten eingeräumt. Das teilte Ulf Preuß, Sprecher des Landeskirchenamts mit Sitz in Leer am Freitag mit. Details zur Person nannte er nicht. Zur reformierten Kirche gehören rund 159.000 Mitglieder in 140 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu.
Die Evangelisch-reformierte Kirche hatte laut Preuß einen externen Juristen beauftragt, die Ermittlungen in dem im Juli 2023 eingeleiteten Disziplinarverfahren durchzuführen. Diese Ermittlungen waren demnach nahezu abgeschlossen. Da sich inzwischen aber eine weitere Betroffene gemeldet habe, sei es jetzt notwendig, das Disziplinarverfahren weiterzuführen. Die Ermittlungen leitet weiterhin der externe Jurist.
Staatsanwaltschaft erklärt Fall für verjährt
„Für die Betroffenen ist diese Verlängerung des Verfahrens eine Zumutung. Sie ist jedoch notwendig, um das Verfahren für alle Beteiligten juristisch einwandfrei durchzuführen“, wird Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden zitiert. Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet das Disziplinargericht der Evangelischen Kirche in Deutschland über mögliche Maßnahmen gegen den Beschuldigten, so Preuß.
Die Ermittlungen eingeleitet hatte die Meldung einer Betroffenen bei der 2023 eingerichteten Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt. Sie hatte dort die Vorfälle bei kirchlichen Freizeiten aus den 1980er Jahren angezeigt. Die zuständige Staatsanwaltschaft erklärte den Fall als verjährt. Um von Beginn an die notwendige Unabhängigkeit sicherzustellen, beauftragte die Evangelisch-reformierte Kirche einen Fachanwalt mit den Ermittlungen im Rahmen des Disziplinarverfahrens.
Schutzkonzepte auf allen Ebenen
Die Kirchenpräsidentin betont die Notwendigkeit, sexualisierte Gewalt zu verhindern und in Verdachtsfällen für Aufklärung zu sorgen. Zuständig für Meldungen ist Manuela Feldmann in der Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt oder auch die zentrale Anlaufstelle „help“ von Kirche und Diakonie. Alle Kontaktdaten finden sich hier www.reformiert.de. Feldmann ist zudem für die Prävention von sexualisierter Gewalt zuständig. In etwa 40 Kirchengemeinden hat es laut Mitteilung bislang Schulungen dazu gegeben. Ziel ist es, bis Ende 2024 auf allen kirchlichen Ebenen Schutzkonzepte zu etablieren.