Osnabrück Rendite-Vergleich: Das können Männer von Frauen bei der Geldanlage lernen
Frauen sind in puncto Aktien risikoscheuer als Männer und greifen lieber zu nachhaltigen Finanzprodukten? Welche Klischees wirklich zutreffen und warum Frauen langfristig die besseren Investoren sind.
Aktien sind reine Männersache? Frauen investieren sowieso nicht? Geschlechterklischees halten sich in vielen Bereichen des Lebens hartnäckig – hier die zurückhaltende und vernunftbegabte Frau, da der draufgängerische Mann mit Hang zum Risiko. Doch haben stereotype Rollenbilder zum Teil fatale Folgen – gerade für die Altersvorsorge von Frauen.
Die Krux an den genannten Vorurteilen: Sie scheinen sich zumindest hinsichtlich des Anlageverhaltens zu bestätigen. „Das Risikobewusstsein ist bei Frauen ausbaufähig“, kritisiert Renate Fritz, die sich auf die Finanzberatung von Frauen spezialisiert hat. Männer müsse sie selten von einem Investment an der Börse, das neben der gesetzlichen Rente den Lebensstandard im Alter sichern soll, überzeugen. „Frauen sind risikoscheuer“, so Fritz.
Über die Gründe für die Unterschiede lässt sich spekulieren, eines ist aber gewiss: Wer weniger Geld zur Verfügung hat, Stichwort: Lohnlücke, geht auch vorsichtiger damit um. Frauen seien laut der Beraterin zudem auch deswegen zaghafter beim Gang aufs Börsenparkett, weil sie befürchten, das Geld womöglich schnell wieder zu benötigen. Auch die Sorge vor einem Verlust schwingt mit.
Doch: „Wer nicht langfristig anlegt, hat weniger Renditemöglichkeiten“, warnt Fritz. „Wenn man ausführlich erklärt, dass über eine längere Anlagezeit das Risiko, sprich die Kurs-Schwankungen, abnehmen, kann man Frauen auch für eine höhere Aktienquote gewinnen.“ Wenn sich Frauen einmal für ein Investment entschieden hätten, blieben sie ihrer Entscheidung treu. Männer hingegen seien eher verführbar für neue Geldanlagetrends – mit entsprechendem Verlustrisiko.
Die Erfahrungen der Finanzberaterin decken sich mit wissenschaftlichen Beobachtungen: „Männer investieren häufiger am Kapitalmarkt, um zu spielen. Sie setzen öfter auf Einzeltitel, suchen die Spannung, sind sehr überzeugt von sich und wollen den großen Gewinn einfahren“, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi, die an der Uni Mannheim geschlechtsspezifischen Unterschieden an Finanzmärkten forscht.
Frauen gehe es demnach stärker um den langfristigen Vermögensaufbau. „Wenn Frauen am Kapitalmarkt aktiv sind, dann handeln sie wesentlich weniger mit Aktien und legen ihr Geld breiter diversifiziert in Fonds an.“ Die Motive für ein Investment unterscheiden sich, so die Wissenschaftlerin.
Welche Investment-Strategie erfolgreicher ist, zeigt sich mit einem Blick auf die Rendite, die Frauen und Männer jeweils einfahren: Frauen seien, so Niessen-Ruenzi, „eher durchschnittlich erfolgreich“. Ihre sogenannte Performance, also der Gewinn aus Fonds oder Aktien, bewege sich im Mittelfeld. Männer hingegen schnitten öfter „extrem gut oder extrem schlecht“ ab. Dadurch gibt es letztlich im Schnitt zwar keinen Unterschied im Endergebnis.
„Aber eine beständige Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr genügt völlig aus, um das Geld vor der Inflation zu schützen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Und die fahren eben Frauen mit ihrer eher vorsichtigeren und auf Dauer angelegten Investmentstrategie ein: „Das ist im Sinne eines langfristigen Vermögensaufbaus im Rahmen der privaten Altersvorsorge.“ Finanzberaterin Fritz sieht das ähnlich: „Hin und her, macht Taschen leer. Frauen brauchen vielleicht länger, um den Schritt an die Börse zu wagen. Aber das machen sie hinterher wieder gut.“
Häufig heißt es, Frauen wollen ihr Geld ganz besonders nachhaltig anlegen. Auch Finanzberaterin Fritz sagt: „Frauen haben oft einen höheren ethischen Anspruch. Es ist ihnen wichtig, worin sie investieren.“ Und tatsächlich geben, laut der Investment-Forscherin, Frauen in Umfragen häufiger als Männer an, bei der Geldanlage auf Nachhaltigkeitskriterien Wert zu legen. „Schaut man in die Portfolios weiblicher und männlicher Investoren, sieht man bisher jedoch keine ausprägten Unterschiede, was die Nachhaltigkeit der Finanzprodukte betrifft“, so Niessen-Ruenzi.
Ein Grund dafür könne darin bestehen, dass Frauen schlichtweg nicht genau wissen, wie sie nachhaltig investieren können. Das zumindest würden Umfragen nahelegen. So verwunderlich wäre das nicht, schließlich gibt es keine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen. Der Begriff ist nicht geschützt. Mindeststandards? Fehlanzeige. Dieser Umstand ruft auch Vermögensverwalter auf den Plan, die ihre Fonds so etikettieren, dass sich möglichst viele Frauen angesprochen fühlen.
Derlei speziell für Frauen zugeschnittene Produkte brauche es nicht, sagt Finanzberaterin Fritz. „Nur weil man etwas pink anstreicht, ist es nicht besser. Ich finde diese Infantilisierung schwierig, da ist oft eine gute Portion Marketing dabei. Zumal der Fokus darauf, dass Frauen ja so ganz anders seien, nicht ganz zutrifft. Wir bewegen uns alle in einem System. Nur die Zugänge zu bestimmten Themen wie Finanzthemen sind andere.“ Und: Die Regeln der Kapitalmärkte gelten für alle gleichermaßen – völlig unabhängig vom Geschlecht.