Osnabrück Trump und das „Blutbad“ – die Rechnung als Reizfigur geht weiter auf
Donald Trump hat die schillernd doppeldeutige Rhetorik zur Perfektion entwickelt. Politische Gegner und Medien springen verlässlich darauf an. Spielt das dem republikanischen Präsidentschaftsanwärter in die Hände?
Für die Medien war es nicht nur in den USA ein gefundenes Fressen, sondern auch jenseits des Atlantiks in Europa. Donald Trump spricht von „Blutbad“, schürt politische Gewalt, bis zum Bürgerkrieg ist es nicht mehr weit. So weit die veröffentlichte Wahrnehmung. Die alten Reflexe funktionieren noch.
Tatsächlich ist es im Englischen nicht unüblich, im wirtschaftlichen Kontext von „Bloodbath“ zu sprechen. Laut dem Merriam-Webster-Wörterbuch bezeichnet der Begriff „Blutbad“ auch eine „große wirtschaftliche Katastrophe“.
Und genau vor einer solchen will Trump in seiner beanstandeten Rede mit Blick auf die US-Autoindustrie und die knallharte chinesische Konkurrenz gewarnt haben.
Ist Trump also fein raus? So einfach ist es nicht. Selbst wenn er nur die Absicht hatte, die Gefährlichkeit der Lage für die Autobranche zu beschreiben, darf er sich nicht wundern, wenn ihm die Demokraten und ihnen nahestehende Medien unlautere Absichten unterstellen. Das ist Wahlkampf.
Trump selbst ist bekanntlich nicht zimperlich, wenn es darum geht, den politischen Gegner durch den Kakao zu ziehen. Und er weiß um die Wirkung seiner oft doppeldeutigen und provokanten Rhetorik.
Dass seine Fans derlei gern in ihrem Sinn interpretieren, ist seit dem Sturm auf das Kapitol nach Trumps Wahlniederlage kein Geheimnis. Natürlich hat Trump damals nicht expressis verbis zum Staatsstreich aufgerufen. In seinen Appellen an seine Anhängerschaft hat er dergleichen aber insinuiert.
In Trumps Reden dient der Kontext gern als Bemäntelung von etwas, das für sich allein genommen als unsagbar gilt. In der Disziplin, Grenzen des Sagbaren zu testen, hat es der Ex-Präsident zu einiger Perfektion gebracht.
Trump weiß, welche Tasten er drücken muss, um bei den extremen Republikanern zu punkten und gleichzeitig die politische Konkurrenz gegen sich aufzubringen. Damit liefert er den Medien immer wieder Munition – und seiner Anhängerschaft die Argumente gegen die von ihnen so gehassten „fake news media“.