Wichtige Verbindung  Hält die alte Ledabrücke bis zur Fertigstellung der neuen Brücke?

| | 20.03.2024 12:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Yasin Kilic, stellvertretender Leiter der Landesbehörde für Straßenbau in Aurich, stellte den Mitgliedern des Rates der Gemeinde die Pläne für den Neubau der Ledabrücke vor. Foto: Ammermann
Yasin Kilic, stellvertretender Leiter der Landesbehörde für Straßenbau in Aurich, stellte den Mitgliedern des Rates der Gemeinde die Pläne für den Neubau der Ledabrücke vor. Foto: Ammermann
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Eine Garantie darauf, dass die alte Ledabrücke so lange hält, bis 2028 die neue Überführung eröffnet werden soll, gibt es nicht. Experte stand Mitgliedern des Westoverledinger Rates Rede und Antwort.

Westoverledingen/Leer/Aurich - Eines steht fest: Trotz der erneuten Gewichtsbeschränkung von 12,5 auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht kann nicht garantiert werden, dass die alte Ledabrücke so lange halten wird, bis im Jahr 2028 die neue Überführung in Betrieb genommen werden kann. Darauf machte Yasin Kilic, stellvertretender Leiter der Landesbehörde für Straßenbau in Aurich, während der jüngsten Sitzung des Rates der Gemeinde Westoverledingen im Ihrhover Rathaus aufmerksam. Er ging auf viele Fragen der Politiker ein.

Die Betonklötze auf dem Rad- und Gehweg sollen unter anderem verhindern, dass schwere Fahrzeuge auf die Brückenkappen auffahren. Das würde zu einer Überbelastung führen, dem Gewicht könnten die Kappen nicht standhalten. Foto: Bothe
Die Betonklötze auf dem Rad- und Gehweg sollen unter anderem verhindern, dass schwere Fahrzeuge auf die Brückenkappen auffahren. Das würde zu einer Überbelastung führen, dem Gewicht könnten die Kappen nicht standhalten. Foto: Bothe

„Hält die Brücke noch?

Diese spannende Frage stellen wir uns jedes halbe Jahr aufs Neue“, sagte Kilic. Das Bauwerk wird jedes halbe Jahr überprüft. Und die Ledabrücke scheint mittlerweile maroder zu sein als gedacht. Von „erheblichen Schäden“, die nach der jüngsten Überprüfung entdeckt worden sind, ist die Rede. Deshalb wurde die Gewichtsbeschränkung jetzt noch einmal nach unten korrigiert - auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen. „Es besteht die Hoffnung, dass die Brücke über die Bauzeit der neuen Brücke hält. Aber versprechen kann ich es nicht“, führte der stellvertretende Behördenleiter aus.

Regelmäßig wird die Ledabrücke auf Schäden und ihre Statik überprüft. Foto: Archiv
Regelmäßig wird die Ledabrücke auf Schäden und ihre Statik überprüft. Foto: Archiv

Kommt es während der Bauzeit zu Sperrungen der alten Brücke?

„Während der Bauzeit soll es eigentlich zu keiner Sperrung kommen. Allerdings wird es in der Phase des Übergangs von der alten zur neuen Brücke zu einer einmonatigen Sperrung kommen - unter anderem für die notwendigen Asphaltierarbeiten der Straßen. Aber eine einmonatige Sperrzeit während einer vierjährigen Bauzeit ist vertretbar“, sagte Kilic.

Welche Arbeiten finden aktuell auf der Fläche zwischen der alten Brücke und Multi-Süd statt?

„Das ist ein sogenanntes Probebelastungsfeld. Dort wird die Baugrundtragfähigkeit erkundet“, führte Kilic aus. Das Feld ist nach Angaben des Experten wichtig für die Gründung der Pfähle. Nach Angaben des stellvertretenden Behördenleiters müssen die Pfähle bis zu 40 Meter tief in den Boden gerammt werden, um überhaupt auf tragfähigen Boden zu stoßen. „Die Planungen sind sehr komplex, sie erfordern sehr viel Abstimmung und auch Erkundungen“, erläuterte Kilic.

So soll die neue Brücke aussehen. Archivbild
So soll die neue Brücke aussehen. Archivbild

Warum dauert die Planung so lange?

Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes wollte - wie auch andere Politiker - wissen, warum die Planung so lange gedauert hat. Douwes wies in der Ratssitzung darauf hin, dass in Gesprächen in den Jahren 2018/2019 die Rede davon war, dass die neue Ledabrücke 2022/2023 fertig sein könnte. „Jetzt sprechen wir von 2028.“ Nach Angaben von Kilic hängt das damit zusammen, dass es „Unstimmigkeiten bei den Plänen des Einschubes der neuen Ledabrücke gab. Bei den Plänen, die neue Brücke über die Leda zu ziehen, war zunächst nur das Ledasperrwerk für notwendige Genehmigungen berücksichtigt worden. Es habe sich laut Kilic aber herausgestellt, dass das so nicht funktioniere. Deshalb kam das Emsperrwerk ins Spiel. „Es war notwendig, für den geplanten Einschub der Ledabrücke die Flut in der Ems gefangen zu halten. So ist gewährleistet, dass auf beiden Seiten des Ledasperrwerks der gleiche Wasserstand herrscht“, so der stellvertretende Behördenleiter. „Die Berücksichtigung des Emssperrwerks bei der neuen Planung hat sehr viel Zeit gebraucht.“

Warum gibt es eine neue Gewichtsbeschränkung, gleichzeitig stehen dort aber tonnenschwere Betonklötze auf dem Rad- und Fußweg?

Nach Angaben von Kilic verträgt die in die Jahre gekommene Ledabrücke keine schweren dynamischen Lasten wie Lastwagen oder Trecker mit schweren Anhängern. „Das hängt unter anderem mit den Schwingungen zusammen“, sagte der Experte. „Die Betonklötze sind statisch, sie dienen dem Schutz der Brücke.“ Sie sollen unter anderem verhindern, dass schwere Fahrzeuge auf die Brückenkappen auffahren. Das würde zu einer Überbelastung führen, dem Gewicht könnten die Kappen nicht standhalten.

Landwirte, die ihre Ländereien auf der anderen Seite der Ledabrücke liegen haben, können das Bauwerk aufgrund der Beschränkung auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht nicht mehr befahren. Gibt es für die Umwege, die gefahren werden müssen, eine Entschädigung?

„Die Landesbehörde zahlt keine Entschädigung. Die Erreichbarkeit ist mit der Brücke hergestellt“, führte Kilic aus.

Wie wird die Gewichtsbeschränkungen eigentlich kontrolliert?

Bislang sei es nicht so leicht gewesen, einen Verstoß nachweisen zu können. „Die Fahrzeuge, bei denen man gemeint hätte, dass sie das Gewicht von 12,5 Tonnen überschritten hätten, hätten rausgezogen und gewogen werden müssen, sagte der Experte. Dafür hätte man in der Nähe der Brücke eine Fläche haben müssen. Dort hätte eine spezielle Fahrzeugwaage aufgebaut werden müssen. „Jetzt, mit dem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen, kann das Gewicht anhand der Fahrzeugpapiere problemlos festgestellt werden“, so Kilic.

Wie sieht es mit den Kosten für die Brücke aus?

Der stellvertretenden Behördenleiter machte deutlich, dass es eine ältere Kostenkalkulation gibt. Danach liegen die Gesamtkosten für die neue Ledabrücke bei 41,6 Millionen Euro. Bei dieser Kalkulation seien die verschiedenen Kostensteigerungen in der jüngsten Vergangenheit wie zum Beispiel bei Materialien oder dem Transport noch nicht berücksichtigt. „Ich persönlich glaube nicht, dass die Zahl so bleiben wird“, deutete Kilic schon eine Kostensteigerung an.

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