Trauerbegleiterin aus Flachsmeer Über den Umgang mit dem Tod, Trauernden und der Sehnsucht
Petra Geerds aus Westoverledingen arbeitet als Trauerbegleiterin. Sie hat jetzt das Buch „Zeit für Dich - Ich bin hier“ herausgebracht. Die 54-Jährige plant in Rhauderfehn ein neues Projekt.
Westoverledingen/Rhauderfehn - Mehr als 25 Jahre lang hat sich die 54 Jahre alte Petra Geerds aus Westoverledingen um Pflegekinder gekümmert. Die Mutter einer erwachsenen Tochter ist ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospiz „Helpful“ in Papenburg als Sterbebegleiterin tätig. Zudem hat sich Geerds auch noch zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Nach einer anderthalbjährigen Ausbildung in Bremen kann die Westoverledingerin jetzt betroffene Familien, Jugendliche und Kinder begleiten.
Trauerbegleiter sind Menschen, die Betroffene in schwierigen Zeiten professionell unterstützen. „Dabei sind Pietät und Empathie im Umgang mit Trauernden gefragt. Der Aufbau von Vertrauen ist dabei sehr wichtig“, sagte Geerds. Sie hat zum Beispiel nach eigenen Angaben zwei Kinder begleitet, dessen Bruder plötzlich gestorben ist. Oder auch eine Mutter, deren Kind sehr früh gestorben ist. „Bei den Personen, die ich begleite, gibt es immer wieder ein Auf und Ab, sie haben gute, aber auch schlechte Tage“, erzählt die Westoverledingerin.
Gemeinsam Särge bemalen
Geerds ist als Trauerbegleiterin selbstverständlich für Kinder und Jugendliche gerade auch in der „akuten“ Zeit da. „Es können Särge bemalt werden, ich gestalte die Trauerfeier zusammen mit Kindern und deren Familien, ich entwickle Rituale für die Betroffenen, gehe mit den Angehörigen in die Leichenhalle und in Trauergottesdienste. In dieser Zeit bin ich praktisch rund um die Uhr für die Familie erreichbar“, führt die Westoverledingerin aus.
Geerds möchte nach eigenen Angaben die „verkrustete Trauerkultur aufbrechen“. „Ich möchte zum Beispiel nicht, dass andere entscheiden, wie man trauert und wie lange man trauert. Es gibt Personen, die wollen nicht in schwarzer Kleidung zur Beerdigung“, so Geerds. „Warum darf ein Grab nicht bunt sein?“, fragt die Westoverledingerin. Sie wünscht sich in diesem Zusammenhang von Kirchengemeinden einen anderen Umgang mit der Beerdigungskultur. „Es ist einfach an der Zeit, Neues auszuprobieren.“ Aber nicht nur bei einem Todesfall wird die 54-Jährige als Trauerbegleiterin aktiv. „Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, warum Menschen trauern. Trauer kann beispielsweise durch die Scheidung der Eltern ausgelöst werden, oder weil die beste Freundin weggezogen ist, weil die Freundin Schluss gemacht hat oder weil der treue Familienhund plötzlich weggelaufen ist“, so Geerds.
Trost in schwierigen Lebensphasen
Im Rückblick hätte sich Petra Geerds vor etwa 34 Jahren auch die Unterstützung durch einen Trauerbegleiter gewünscht. Damals war ihr 50 Jahre alter Vater plötzlich gestorben. Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade 20 Jahre alt. „Enge Verbindungen und lebendige, vielfältige Erinnerungen schenken Trost in schwierigen Lebensphasen“, sagte Geerds. Diese Erfahrungen hat sie auch während ihrer Ausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht. Und bei der Erstellung ihrer Abschlussarbeit sei ihr die Idee zu einem Buch gekommen. Diese Idee hat sie mittlerweile umgesetzt - ihr gedrucktes Werk heißt „Zeit für Dich - Ich bin hier“. „Mit dem Buch möchte ich dazu anregen, dass Menschen etwas Persönliches und Bleibendes als Verbindung zu einem anderen Menschen schaffen. Eine Großmutter kann zum Beispiel Notizen in dem Buch für ihren Enkel hinterlassen“, führt die Westoverledingerin aus.
Das Buch
Das Buch „Zeit für Dich - Ich bin hier“ können Interessierte direkt bei Petra Geerds zum Preis von 24,90 Euro erwerben. Infos gibt es unter Telefon 04955/972947. Auch bei Buch und Büro Fokken in Ihrhove und bei der Buchhandlung Fehnbuch am Untenende in Rhauderfehn gibt es das Buch.
In dem Buch finden sich viele Bilder zu bestimmten Themen wieder. Auf anderen Seiten kann die Personen zu bestimmten Themen etwas in das Buch schreiben - oder auch zeichnen. Zum Thema „Verlust“ kann die betroffene Person zum Beispiel die Fragen „Trauern würde ich am schlimmsten um“ oder „Das würde mir helfen“ beantworten. Oder zum Thema „Werte“ findet sich die Frage „Das würde mir in meinem Leben am meisten fehlen“ wieder. „Alles ist erlaubt. Man kann Geheimnisse oder Erinnerungen aufschreiben. Oder darauf eingehen, was gerade los gewesen ist zu der Zeit - wie zum Beispiel die Corona-Pandemie“, sagte Geerds. „Vielen Menschen fällt es oft leichter, etwas aufzuschreiben als es anderen Personen persönlich zu sagen.“
Neue Trauergruppe geplant
Aktuell ist Petra Geerds dabei, ein neues Projekt umzusetzen. Sie wird in einem Büro am Untenende in Rhauderfehn zusammen mit Veronica Greipel eine neue Trauergruppe für Kinder und Jugendliche unter dem Namen „Brückenbauer:innen“ anbieten.