Zwiebelhack ausgelegt Rhaudermoorerin vermutet Giftköder-Attacke auf Hunde
Beim Hinrich-Stuart-Weg in Rhaudermoor wurden wiederholt zerkleinerte Zwiebeln ausgelegt. Anwohner glauben, dass damit Hunde vergiftet werden sollen. Das sagt die Polizei zu diesen Vermutungen.
Rhaudermoor - Unter den Anwohnerinnen und Anwohnern des Wohngebiets rund um den Hinrich-Stuart-Weg in Rhauderfehn herrscht derzeit angespannte Unruhe. Das betrifft vor allem Familien mit Hunden und Katzen. Auf der Grünfläche Johann-Heydecke-Weg/Ecke Hinrich-Stuart-Weg wurden kürzlich wiederholt gehackte Zwiebeln in größerer Menge ausgelegt. Ihr Hund habe davon gegessen und im Anschluss als Notfall medizinisch versorgt werden müssen, postete eine betroffene Hundehalterin Anfang März auf Facebook. Die restlichen Zwiebeln habe sie aufgesammelt. Birgit Groeneveld (49) aus Rhauderfehn fand wenige Tage später erneut Zwiebelhack auf derselben Grünfläche und entsorgte sie. Nun befürchten die Anwohnerinnen und Anwohner, jemand habe die Zwiebeln als Giftköder bewusst auslegt, um Tieren zu schaden. Wer hinter dieser Tat stecke, wisse man nicht. Man habe jedoch eine Vermutung.
„Beim ersten Mal denkt man, es waren Küchenabfälle. Beim zweiten Mal nicht mehr. Die Nachbarn untereinander haben das dann weitergegeben, dass da was liegt. Es gab auch einen Eintrag bei Facebook“, berichtet Birgit Groeneveld (49). Sie wohnt wenige Gehminuten vom Platz entfernt, auf dem wiederholt Zwiebelhack ausgelegt wurde. Die Fläche ist Gemeindeeigentum und mit mehreren Bäumen bepflanzt. Sie diene als Ausgleich für die Neubauten, sagt Groeneveld.
Bislang keine Giftköder in der Siedlung
Die Stelle liegt auf ihrer Runde, die sie mit ihrem Hund Joke (5) gerne geht. Mit ihrer Familie lebt sie seit 2000 in der Siedlung. Dass Giftköder in ihrer unmittelbaren Umgebung auftauchen, sei bisher noch nicht vorgekommen. „Am Wanderweg war da immer mal ein Giftköder, hier in der Siedlung nicht. Die meisten, die am Wanderweg leben, haben Hunde“, berichtet die Hundehalterin. Persönlich kenne sie zwölf Familien in ihrem direkten Umkreis, die Hunde halten. Die Angst sei groß, dass der eigene Hund Opfer eines Giftköders wird. Auch wenn der Mischlingsrüde stets an der Leine ist, könne die Gefahr nicht ausgeschlossen werden. „Wir haben aber auch eine Rollleine, die zehn Meter lang ist. Das geht so schnell. Man ist einen kleinen Moment abgelenkt, wenn man zum Beispiel jemanden trifft oder aufs Handy schaut. Die Hunde fressen ja auch alles. Von Katzenscheiße bis hin zu weggeworfenen Broten von Schulkindern“, beschreibt Groeneveld die Situation. Auf einer ihrer Runden entdeckte sie den Zwiebelhaufen. „Vom Volumen her war das ein zu dreiviertel gefüllter Drei-Liter-Beutel, etwa ein Netz Zwiebeln. So eine Menge beim Kochen übrig zu haben, ist arger Zufall. Wäre die Zwiebel schlecht gewesen, hätte man sie im Ganzen entsorgt“, vermutet die Rhauderfehnerin. Das sei als Giftköder gedacht.
Bereits vor dem Vorfall habe sie mit ihrem Mischlingsrüden Stunden bei einer privaten Hundetrainerin genommen. Dort habe Joke gelernt, seinen Fressimpuls zu kontrollieren. „Es wurden Teller mit Leckerlis aufgestellt, wo ich mit Joke dran vorbeilaufen musste. Er lernte, dass er nur auf Kommando ´ran gehen darf“, schildert die Hundebesitzerin. Joke ist ihr zweiter Hund. Bisher sei noch nichts mit Giftködern passiert. Innerhalb der Nachbarschaft informiere man sich, wenn Fälle von Giftködern bekannt würden. Die Nachricht verbreite sich auch schnell übers Handy.
„Leine relativ kurz haben“
„Viele sind an dem Zwiebelhaufen vorbeigelaufen. Alle haben es liegen lassen. Generell macht es Sinn, es einzusammeln und zu entsorgen. Als Hundehalter hat man eigentlich immer einen Beutel dabei“, rät Groeneveld und ergänzt: „Man sollte den Hund im Blick behalten und die Leine relativ kurz haben. Dann Impulskontrolle und das Kommando ‚Aus‘ üben, so dass der Hund vom Giftköder ablässt.“
Wer die Zwiebeln ausgelegt habe, wisse man nicht. Aber es bestehe ein Verdacht in der Nachbarschaft. Man vermute, diese Person sei auf dem Gemeindeplatz in Hundekot getreten und habe sich darüber geärgert. In Folge habe die Person an die Bäume der Grünfläche Plakate als Warnhinweise aufgehängt. „Es war nicht nur ein einfaches Verbotsschild, wie zum Beispiel ‚Hier kein Hundeklo‘. Es war ein ziemlich langer Text auf den Plakaten. Dass es zur Anzeige gebracht wird, wenn man den Hundekot auf öffentlichem Grund und Boden nicht entfernt. Dass es eine Straftat ist“, erinnert sich Jokes Frauchen. Die Plakate sind längst verschwunden. Dafür seien nun die Zwiebelschnitzel aufgetaucht. Dass man die verdächtigte Person mit der Vermutung konfrontiert, sie wolle Tiere vergiften, sei bis dato nicht geplant. Was bleibt, ist ein Verdachtsfall.
Zwiebeln können für Hunde tödlich sein
„Bei den aufgefundenen Zwiebeln können wir aus der Ferne die Sachlage überhaupt nicht bewerten und können daher nicht von einem Giftanschlag ausgehen. Es ist bekannt, dass Zwiebeln aufgrund ihres Schwefelgehaltes auch in kleinen Mengen für Hunde und Katzen tödlich sein können. Aber diese Situation des Auffindens und wie die Zwiebeln dorthin gekommen sind, können wir so überhaupt nicht bewerten“, erläutert Svenia Temmen, Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden.
Wenn Giftköder gemeldet werden, stellten sie einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. Das Thema sei insgesamt sehr schwierig in der Beweisführung und sehr sensibel zu betrachten, betont Temmen. Als Giftköderart sei es schon vorgekommen, dass Wurststücke mit einer Substanz oder auch mit Rasierklingen gespickt worden sind.
Viele Fälle werden nicht bei Polizei gemeldet
Allerdings habe es auch Fälle gegeben, in denen Tiere in fremden Gärten Substanzen, die zum Beispiel zur Schädlingsbekämpfung ausgelegt wurden, aufgenommen und danach gesundheitliche Probleme gehabt hätten. Auch seien schon angebliche Giftauslagen gemeldet worden, die sich dann als Rasendünger oder anderes herausgestellt hätten.
Zudem würden viele angebliche Giftköderfunde wohl in den Sozialen Medien kommuniziert, aber oftmals nicht verwertbar bei der Polizei gemeldet. Die Sozialen Medien würden allerdings in vereinzelten Fällen auch dazu genutzt, unnötig Panik unter Tierbesitzern mit Meldung angeblicher Funde zu verbreiten. Als vorbeugende Maßnahme rät die Polizeihauptkommissarin zu Hundetraining: Nichts Fremdes vom Boden oder aus fremder Hand aufnehmen und keine fremden Grundstücke betreten, da ansonsten Stoffe aufgenommen werden könnten, die ihnen nicht gut tun. Bei Freigängerkatzen sei die Vorbeugung entschieden schwieriger.