Osnabrück Merkels Ex-Berater Vad: Würde Strack-Zimmermann ihre Söhne an die Front schicken?
Erich Vad war Angela Merkels Militärberater. Im Expertentalk wirft der Sicherheitsexperte und Brigadegeneral a.D. Außenministerin Annalena Baerbock und Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine „beispiellose Kriegsrhetorik“ vor – und fragt sich: Würde die FDP-Politikerin auch ihre eigenen Söhne an die Front zu schicken?
Es mangelt Kiew an Munition, Marschflugkörpern und Soldaten: Putins Truppen sind weiter auf dem Vormarsch und die Ukraine droht, den Krieg zu verlieren. Um das Ruder nochmal rumzureißen, brachte der französische Präsident Emmanuel Macron den Einsatz von westlichen Bodentruppen ins Spiel.
Die sind ja schon längst da, entgegnete Merkels Ex-Militärberater Erich Vad im Expertentalk mit Moderator Michael Clasen „Was rettet die Ukraine?“: „Der Bundeskanzler hat selbst gesagt, dass britische und auch französische Spezialkräfte, wahrscheinlich auch noch andere, da schon vor Ort sind.“ Einen großflächigen Bodeneinsatz hält der Brigadegeneral a. D. aber angesichts der schlechten Ausrüstung der deutschen, britischen und französischen Truppen gar nicht für realistisch – und auch nicht für wünschenswert: „Im Ergebnis will keiner eine Beteiligung mit Bodentruppen.“
Der Expertentalk zum Nachschauen:
Prof. Dr. Johannes Varwick hingegen hält Macron in seinem Bodentruppen-Vorstoß für „nicht ganz so isoliert“: Auch Polen, Balten und Finnen hätten sich offen für einen militärischen Einsatz in der Ukraine gezeigt. „Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass einzelne Staaten auf die Idee kommen, wenn tatsächlich die Ukraine vor dem Zusammenbruch steht.“ Auch Vad kann sich vorstellen, dass diese Staaten dann eine „Koalition der Willigen“ bilden, „die dann doch mit Bodentruppen reingehen.“
Einige Befürworter hat der Vorstoß auch in Deutschland. Militärexperte Vad kritisierte solche „Protagonisten, die mit einer Kriegsrhetorik unterwegs sind, die für mich beispiellos ist“. Gemeint sind vor allem FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), „die es besser wissen müssten, die auch die Informationen haben. Die Denkkorridore und das, was sagbar ist, was unsagbar ist, die sind sehr eng geworden in Deutschland.“
Er wünsche sich, „dass unsere Politiker mal an die Front gehen“ . Statt sich über die zutreffende Einschätzung des Papstes aufzuregen, sollte sich Strack-Zimmermann lieber fragen „was ihre Söhne machen würden. Ob sie die wirklich dort in Uniform in den Kampf schickt als deutsche Soldaten und deutsche Bodentruppen?“, wütete Vad. „Also mich persönlich regt das auch auf als Militär.“
Aber wäre ein solcher Einsatz überhaupt sinnvoll? „Russland sieht militärisch stärker aus als vor zwei Jahren“, glaubt Vad, für den deshalb klar ist: „Es gibt keine militärische Lösung. Das muss doch langsam klar sein.“
Krieg in der Ukraine: Die aktuelle Lage im Liveblog
Aber wie kann der blutige Krieg in der Ukraine dann gestoppt werden? „Es reicht doch nicht, wenn eine deutsche Außenministerin nur moderiert, kommentiert und ansonsten den schon bestehenden Konflikt anheizt durch ihre Bemerkungen“, kritisiert Vad. „Sondern sie muss auch alles daran setzen, nach Wegen zu suchen, da rauszukommen!“ Andere, wie der türkische Präsident Erdogan, Chinas Präsident Xi Jinping oder zuletzt auch der Papst würden mit Friedensinitiativen „immerhin was machen“. Aber „aus der Europäischen Union ist keine einzige Friedensinitiative hervorgegangen“, kritisiert Vad.
Aber kann die Ukraine den Krieg überhaupt noch gewinnen? Erich Vad ist skeptisch: „Die konsequente Schlussfolgerung aus der derzeitigen militärischen Lage, die der ehemalige ukrainische Generalstabschef ja auch als Pattsituation bezeichnet hat: Die Lage ist festgefahren, und auch trotz unserer massiven Waffenlieferungen wird es keine militärische Lösung geben!“
Eine vollständige Okkupation ist Russland Vad zufolge aber gar nicht möglich: „Von den militärischen Kräften her ist Russland nicht in der Lage, die gesamte Ukraine zu besetzen. Das steht fest.“
Trotzdem stellt sich die Frage, wie der Krieg dann beendet werden könnte. Militärexperte Vad zufolge „sollte man unsere militärische Unterstützung ergänzen durch Verhandlungen“. Doch Professor Varwick warnt, die müsse man gut vorbereiten: „Man kann nicht Maximalforderungen in Verhandlungen durchsetzen.“ Sein Vorschlag: Ein neutraler Status der Ukraine könne eine gesichtswahrende Lösung für alle Parteien darstellen.