„Erschüttert und traurig“ Rentner-Paar aus Remels erzählt, wie es fast auf Betrüger reinfiel
Erich und Peta Groothoff aus Remels haben sich eigentlich für aufgeklärt gehalten. Trotzdem sind die beiden fast Betrügern auf den Leim gegangen. So entging das Senioren-Ehepaar einer neuen Masche.
Uplengen - Eigentlich sind Erich Groothoff und seine Ehefrau Peta sehr aufgeklärt, wenn es um Betrugsmaschen geht, erzählt der Rentner. Das Paar lebt in einer ruhigen Siedlung in Remels, und steht mit den Kindern und Enkeln in regem Kontakt. „Sie warnen uns immer vor Betrügern, die alte Menschen auf verschiedenste Weisen um ihr Geld bringen wollen“, sagt der 87-Jährige. „Wir dachten, wir kennen alle Maschen. Wir wurden schon oft angerufen und sind nie darauf eingegangen.“ Und trotzdem: Vor nicht allzu langer Zeit wären Erich und Peta Groothoff fast auf einen Schwindler hereingefallen. „Diese Masche kannten wir dann doch noch nicht“, sagt er.
Es war später Nachmittag, als gegen halb sechs das Telefon klingelte – der Festnetzanschluss, nicht das Smartphone, erinnert sich die 87-jährige Peta Groothoff. Auf dem Display war eine deutsche Handynummer zu lesen. „Wir kannten die Nummer nicht. Mein Mann ist ans Telefon gegangen“, sagt die Rentnerin. Am anderen Ende der Leitung habe sich ein unbekannter Mann gemeldet, berichtet Erich Groothoff. „Er hat sich sehr gewählt ausgedrückt und sagte in perfektem Deutsch, ein Angehöriger aus den USA wolle uns besuchen. Angeblich hieß er Steven Groothoff“, erzählt der Senior. Er habe direkt abgeblockt. Der Anrufer bat Erich Groothoff, das Telefon an dessen Frau Peta weiterzugeben. Das tat er auch – trotz bereits aufkeimender Skepsis.
Mann wollte nicht schocken, sondern war höflich
Peta Groothoff nahm den Hörer an sich und sprach mit dem Mann. „Obwohl ich es besser hätte wissen müssen, habe ich nicht gleich aufgelegt. Ich habe ihm erst geglaubt“, erzählt sie. Der Mann am Telefon habe auch ihr gesagt, der angebliche Verwandte wolle eine Woche später anreisen und das Paar kennenlernen. „Erichs Vater war mal in den USA. Deshalb habe ich nicht gleich gedacht, dass das ein Betrüger ist“, so die 87-Jährige. Ihr Ehemann dagegen habe die Falle gewittert und ihr mit Gesten zu verstehen gegeben, dass sie auflegen solle.
„Der Mann am Telefon war so unglaublich höflich, wollte mich überzeugen. Ich habe dann stotternd gesagt ,Ich möchte das gar nicht‘, und aufgelegt“, so die Seniorin. Eine Recherche im Internet habe danach ergeben, dass bereits in einigen Foren vor der Handynummer gewarnt wurde. „Ich bin so erschüttert und traurig, dass so etwas möglich ist und es so dreiste Menschen gibt. Die wollen alten Menschen, die oft schon wenig haben, noch ihr letztes Geld nehmen“, findet Peta Groothoff. Nach dem Anruf habe sie sich geärgert, den Anrufer nicht gleich durchschaut zu haben. „Und ich habe wirklich gedacht, wir wären aufgeklärt“, sagt die 87-Jährige.
Telefonterror in der Nacht
Was folgte, sei eine Nacht gewesen, in der das Telefon kaum noch stillstand. „Die Nummer hat noch sechsmal angerufen. Wir trauen uns jetzt kaum noch, bei fremden Nummern ans Telefon zu gehen“, sagt die Rentnerin.
Was passiert wäre, wenn das Ehepaar auf den Kriminellen eingegangen wäre, können die beiden nur mutmaßen. „Vielleicht hätten wir irgendwelche Flugtickets bezahlen sollen. Wir wissen es nicht. Aber weil es so dreist und neu war, möchten wir auf diese Weise ältere Leute warnen“, erklärt Peta Groothoff.
Auch für die Polizei ist es eine neue Masche
Auch für die Polizei ist die Masche eines angeblichen Verwandten aus den USA neu, berichtet Svenia Temmen. Sie ist Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin bei der Polizeiinspektion Leer/Emden. „Es ist natürlich ein völlig anderes Vorgehen der Betrüger, es mal auf die ,nette‘ Art zu versuchen, anstatt die Menschen immer nur zu erschrecken“, sagt sie. Denkbare Folgen, wie das Betteln nach Geld, sei „auf alle Fälle wahrscheinlich“, sagt die Sprecherin. Eines hätten die meisten Betrugsanrufe, die auf Geldüberweisungen abzielen, gemeinsam: Die Täterinnen oder Täter sprechen geschliffen Deutsch, sind rhetorisch trainiert und haben auf alles eine Antwort. „Das zieht den Betroffenen natürlich erstmal in den Bann und man hört zu. Vor allem, wenn jemand nett am Telefon ist, sieht man die Falle nicht gleich kommen“, sagt Temmen. Das wäre auch den Groothoffs beinahe zum Verhängnis geworden.
Grundsätzlich sollte man laut Polizei mit diesen Anrufen umgehen, wie mit anderen Betrugsanrufen auch: Sofort auflegen. „Sollte man doch, vielleicht aus Irritation oder Neugier, weiter telefonieren und es werden im Gespräch Geldforderungen gestellt, dann diese Anfragen konsequent ablehnen. Auch wenn der Täter dann irgendwann die Mitleidskarte zieht und fordert, man müsse doch seinen ,Verwandten‘ helfen – immer ablehnen“, betont Temmen.
Wer einen solchen Anruf erhält, sollte zudem – so wie das Ehepaar aus Remels – im Nachhinein darüber sprechen, rät die Polizeisprecherin. Das sorge für Bewusstsein bei einem selber und im Bekanntenkreis für Aufklärung. „Wer nicht weiter weiß, darf sich gerne an unsere Kriminalprävention wenden, dort gibt es immer einen guten Rat“, sagt die Polizeisprecherin. Das ginge bevorzugt per Mail an praevention@pi-ler.polizei.niedersachsen.de. „Wer geschädigt wurde oder mit der Situation völlig überfordert ist, darf sich natürlich gerne direkt an die Polizeiwache wenden“, versichert Temmen.