Osnabrück Kann das weg? Was war noch einmal Makulatur?
Das Wort gehört zur Welt des Buchdrucks: Makulatur. Klingt irgendwie vertraut. Und doch weiß heute nicht mehr Jeder, was mit dem Wort eigentlich gemeint ist. Dabei ist es gerade heute nützlich.
Makulatur muss man nicht unbedingt drucken, Makulatur kann man auch reden. In diesem Fall erzählt man einfach Unsinn oder blanken Stuss. Das Wort, das diese Vokabeln allesamt abgelöst zu haben scheint, klingt so grob, dass es über seine Bedeutung keine zwei Meinungen geben dürfte: Bullshit.
Dann doch lieber Makulatur. Das Wort klingt heute veraltet. Der Kern seiner Bedeutung müsste heute aber gerade wieder aktuell sein. Makulatur meint alles Schadhafte und Minderwertige, kurz, all das, was einer Qualitätsprüfung nicht standhält.
Makulatur hebt man nicht auf, die wirft man weg – etwa so wie der Literaturkritiker Denis Scheck jene Bücher von der Spiegel-Bestsellerliste in die Tonne wirft, mit deren Lektüre er nicht allzu viel Lebenszeit verbringen möchte.
Ich beneide Scheck um diesen Freibrief, auch wenn ich es einfach barbarisch finde, Bücher wegzuwerfen. Aber der Mut zur klaren Kante, wenn es um Qualität geht, der imponiert mir doch. Nicht lange zögern, sondern sich entscheiden – das steckt in Schecks Geste.
Was ist nun Makulatur? Jeder Fehldruck. Das lateinische maculatura meint schlicht das schadhafte Stück. Im Druckgewerbe gehört das Wort Makulatur zur Berufssprache. Makulatur ist alles, was im Druckvorgang missraten, also fehlerhaft im Ergebnis ist.
Makulatur geht ins Altpapier. Welch ein Glück. Dann bleibt nur übrig, was die Qualitätsprüfung bestanden hat. Schade, dass es dafür kein Äquivalent im Internet gibt. Das digitale Medium hebt alles auf, ohne Unterschied der Niveaus und Qualitäten. Lückenloses Archiv oder schlicht Halde? Jeder mag selbst entscheiden, wie er das digitale Medium in diesem Punkt sehen möchte.
Ich finde es nur schade, dass der Begriff Makulatur selbst so langsam zur Makulatur wird. Das Wort erinnert an den klaren Blick für Qualität. Mangelt es heute nicht gerade daran allzu oft?
Denis Scheck macht es vor. Der sagt, wenn etwas Makulatur ist. Ich beneide ihn bisweilen darum. Was muss ich nicht alles lesen oder anhören, was die Kenntnisnahme eigentlich nicht lohnt. Dann möchte ich auch gern einmal sagen: Weg mit dieser ganzen Makulatur!