Tier läuft durch die Stadt Wolf in Varel unterwegs
Am helllichten Tag war ein Wolf in Varel im Landkreis Friesland unterwegs. Der „Anwalt der Wölfe“ geht davon aus, dass es sich nicht um ein Jungtier aus dem Rudel in Friedeburg handelt.
Varel - Hunde, die herrenlos durch die Straßen laufen, das sieht man ab und an. Jetzt bot sich am Montag, 11. März 2024, in Varel aber ein ganz anderes Bild: Am helllichten Tag war mitten in der Stadt ein Wolf unterwegs. Mehrere Passanten riefen die Polizei und meldeten das Tier.
Sowohl im Vareler Stadtteil Langendamm als auch an der Bundesstraße 72 wurde der Wolf gesichtet. Fotos und vor allem Videoaufnahmen von dem Tier machten schnell die Runde. Eines der Videos zeigt den Wolf, wie er im Bereich des Sportparks Varel über einen Parkplatz läuft. Ein weiteres Video zeigt einen Wolf, wie er die Einfahrt zu einem Haus hochläuft, sich umschaut und dann wieder in die andere Richtung verschwindet.
„Anwalt der Wölfe“ geht von Wolfswelpen aus
Für Christian Berge ist der Fall klar: Beide Videos zeigen den gleichen, jungen Wolf. Berge war früher Anwalt, lebt aber jetzt seit mehreren Jahren mit Wolfshunden zusammen auf einem Waldgrundstück in der Nähe von Hannover. Der 61-Jährige bezeichnet sich selbst als „Anwalt der Wölfe“ und ist wohl einer der bekanntesten Pro-Wolf-Aktivisten in Deutschland.
Berge geht nicht davon aus, dass es sich um einen Welpen aus dem Friedeburger Rudel handelt. Die Jungtiere aus dem Rudel seien gut dokumentiert. „Optisch würde ich nicht sagen, dass es ein Friedeburger ist. Ich glaube, das ist wieder ein Wanderwolf, der dort seine Runde dreht.“ Wahrscheinlich werde der Wolf jetzt Richtung Süden weiterwandern. Berge stützt seine Annahme auch auf die beiden Wolfsrisse, die sich am 1. März in Bensersiel und am 2. März in Werdum ereigneten. In Bensersiel wurde ein totes Schaf gefunden, in Werdum ein totes und ein verletztes. Beide Tiere gehörten zur gleichen Schäferei. „Es ist häufig so, dass Jungtiere ihre Runden drehen“, so Berge. Er nennt das Beispiel eines jungen Wolfs, der vor ein paar Jahren 800 Kilometer in vier Wochen zurücklegte.
Seit Jahresbeginn mehrere Schafe in Ostfriesland vom Wolf gerissen
Auch aufgrund der Videoaufnahmen geht der „Anwalt der Wölfe“ davon aus, dass es sich um ein gestresstes Jungtier handelt, welches sich „verlaufen“ hat. Das für Auskünfte zum Thema Wolf zuständige Niedersächsische Umweltministerium bestätigte auf Nachfrage, dass es sich wohl um einen „Durchzügler“ handelt.
Das Thema Wolf ist vor allem in der landwirtschaftlich und von Deichschafen geprägten Küstenregion stark diskutiert. Jüngst forderte Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die Zurückhaltung bei einem regional differenzierten Bestandsmanagement aufzugeben. „Die EU-Kommission schlägt vor, den Wolf innerhalb der Berner Konvention von streng geschützt auf geschützt herabzustufen“, so Dammann-Tamke. „Aber Steffi Lemke lässt im Moment keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Bundesrepublik diesem Ansinnen nicht Folge leisten wird.“
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Die Jägerschaften entlang der Nordseeküste legten vor recht genau einem Jahr die sogenannte „Auricher Erklärung“ vor, in der ebenfalls unter anderem ein regionales Bestandsmanagement gefordert wurde. Auch in Ostfriesland gab es in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder größere Wolfsrisse. In diesem Jahr gab es bislang bestätigte Nutztierrisse nicht nur in Bensersiel und Werdum, sondern auch in Ostrhauderfehn und Eversmeer. Insgesamt acht Schafe wurden dabei getötet, vier davon in Eversmeer. Weitere Tiere wurden verletzt oder werden laut Schadenstabelle des Wolfsmonitoring Niedersachsen vermisst.