Ostrhauderfehner Gruppe „Threnos“  Abschiede mit einer Trauergesangsgruppe

Sophie Hinderks
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Von Sophie Hinderks
| 10.03.2024 08:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Trauergesangsgruppe singen: (hintere Reihe von links): Hannelore Kuhlmann-Meyer (58 Jahre), Elke Diekmann (46 Jahre, Gründerin), Heike Weber (61 Jahre), Hertha Woike (71 Jahre) und (vordere Reihe von li. nach re.): Martina Neubarth (34 Jahre, Pastorin), Ursula Taute (69 Jahre), Marianne Parr (69 Jahre) und Olga Schiller (84 Jahre). Foto: Hinderks
In der Trauergesangsgruppe singen: (hintere Reihe von links): Hannelore Kuhlmann-Meyer (58 Jahre), Elke Diekmann (46 Jahre, Gründerin), Heike Weber (61 Jahre), Hertha Woike (71 Jahre) und (vordere Reihe von li. nach re.): Martina Neubarth (34 Jahre, Pastorin), Ursula Taute (69 Jahre), Marianne Parr (69 Jahre) und Olga Schiller (84 Jahre). Foto: Hinderks
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Seit Dezember 2022 singen sieben Frauen um Gründerin Elke Diekmann zu einem besonderen, eher traurigen Anlass: Trauerfeiern. Was die Frauen antreibt?

Ostrhauderfehn - Seit 2022 unterstützt die Trauergesangsgruppe „Threnos“ Angehörige bei Trauerfeiern mit ihren Stimmen. „Während Corona ist mir aufgefallen, wie wichtig doch der Gesang ist“, erzählt Elke Diekmann. „Und so ist diese Idee dann entstanden.“

Wovon die 49-jährige hier spricht, ist die Gründung einer eigenen, kleinen Gesangsgruppe – jedoch keiner typischen, wie man sie sich gleich vorstellen würde. Seit Dezember 2022 singen sieben Frauen um Gründerin Elke Diekmann nämlich zu einem besonderen, eher traurigen Anlass: Trauerfeiern. Nach einem persönlichen Aufruf via WhatsApp, Facebook und Co. fand sich schnell die jetzige Truppe mit dem Namen „Threnos“ zusammen, um Diekmanns Vorhaben in die Tat umzusetzen.

„Einen würdigen Abschied bereiten“

Die Motivation, Trauerfeiern gesanglich zu begleiten, war dabei von Anfang an bei allen Mitgliedern dieselbe: der verstorbenen Person einen würdigen Abschied bereiten, erklärt Hertha Woike. „Einige Leute trauen sich manchmal nicht auf einer Trauerfeier zu singen, und das ist dann so ein jämmerlicher Gesang“, so die 71-jährige. „Wenn wir dann unterstützen, singen meistens auch mehr mit, und dann ist es so, wie es vorgesehen war.“

Genau diese Unterstützung sei immer häufiger von den Angehörigen erwünscht, gerade im kleinen Kreise: „Der persönliche Gesang trägt viel und unterstützt die Familien besonders“, unterstreicht Diekmann.

Zu finden ist die Trauergesangsgruppe somit mittlerweile regelmäßig hinten links in der Kapelle am Untenende, in der Schifferstraße oder auch in der Holterfehner Kirche. Ob die Frauen mitsingen, entscheiden dabei stets die Familien der Verstorbenen.

Ähnlich ist es mit der Liederauswahl: Wenn sich ein bestimmtes Lied gewünscht wird, versucht die Gesangsgruppe diesem Wunsch möglichst nachzukommen. Wenn es hingegen keine Wünsche gibt, sorgen die acht Frauen aber natürlich dennoch für eine würdige musikalische Begleitung.

Positive Aspekte

Geprobt wird dabei nicht regelmäßig – dies ist zum einen schlecht planbar; außerdem haben alle Mitglieder allgemein großen Spaß am Singen sowie Erfahrung. Schließlich sind einige der Sängerinnen zusätzlich auch im Singkreis tätig, während andere bereits einen ganz persönlichen Bezug zum Trauergesang haben. So auch beispielsweise Mitglied Hannelore Kuhlmann-Meyer – sie tritt sozusagen in die Fußstapfen ihrer Mutter, die 40 Jahre lang fast täglich auf Beerdigungen gesungen hat. „Ich bin einfach damit groß geworden; ich kenne es nicht anders“, erzählt die 58-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. „Dass ich hier also teilnehme, war für mich sonnenklar: Ich singe einfach gern und viel.“

Spaß am Singen: Genau das steht bei der Trauergesangsgruppe im Vordergrund. Zwar mag es zunächst für den einen oder anderen etwas perfide klingen, doch die Bestattungsfeiern empfinden die Mitglieder nicht nur als traurig – oft überwiegt einfach das Positive. „Man kann mit dem Gesang etwas Gutes tun“, erklärt Diekmann. „Zudem trägt man einen Teil der Trauerfeier und ist eine Unterstützung für die Trauergemeinde.“ Außerdem ist nicht jede Bestattungsfeier nur traurig – schließlich werden auch mal schöne oder lustige Anekdoten über den Verstorbenen erzählt.

Neue Mitglieder sind herzlich willkommen

Natürlich gibt es bei den Trauerfeiern aber ebenso Momente, die die Sängerinnen besonders berühren – Raum für eigene Emotionen lassen sich jedoch genau wie die Angehörigen auch die Mitglieder, so Diekmann: „Wenn man weinen muss, dann lässt man seinen Gefühlen einfach freien Lauf.“

Zudem bleibt so manche Bestattungsfeier auch mal länger im Kopf der Frauen und begleitet sie noch einige Zeit danach: „Ab und an denkt man noch länger darüber nach“, erläutert Heike Weber.

Raum für eigene Emotionen lassen

„Manchmal kannte man die Person nicht so gut und erfährt dann bei der Trauerfeier etwas über den Lebenslauf, worüber man dann noch nachdenkt.“ Ein spezielles „Verarbeitungsritual“ hat die Gesangsgruppe dabei nicht – den Gedanken wird einfach freien Lauf gelassen, bis wieder der Alltag einkehrt. Um auch langfristig genauso weitermachen zu können wie bisher, hat die Trauergesangsgruppe einen Wunsch: mehr Mitglieder. Schließlich sei die Nachfrage in der letzten Zeit deutlich gestiegen, erzählt Pastorin Martina Neubarth: „Es nimmt immer mehr zu, dass Angehörige fragen, ob wir einen Chor haben.“

Nachfrage gestiegen

Interessierte sind daher herzlich eingeladen, das Singen in der Trauergesangsgruppe einfach mal auszuprobieren. „Wir nehmen gern immer neue Mitglieder auf“, heißt es seitens der Gesangsgruppe. „Wer sich noch nicht sicher ist, kann sich gern bei Elke Diekmann unter der Telefonnummer 04952/994212 melden und sich bei der nächsten Beerdigung einfach mal reinfühlen.“

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