Osnabrück  „Als ich wach wurde, merkte ich, dass ich nicht alleine auf meiner Matratze lag“

NOZ-Autorengemeinschaft
|
Von NOZ-Autorengemeinschaft
| 08.03.2024 09:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bei einem Camping-Wochenende wurde eine junge Frau von einem Mann belästigt, während ihre Freunde neben ihr schliefen. Foto: Benjamin Beutler, Grafik: Sebastian Dannenberg
Bei einem Camping-Wochenende wurde eine junge Frau von einem Mann belästigt, während ihre Freunde neben ihr schliefen. Foto: Benjamin Beutler, Grafik: Sebastian Dannenberg
Artikel teilen:

Im Schlaf überrascht: Eine junge Frau hatte ein einschneidendes Erlebnis auf einem Camping-Wochenende. Während sie und ihre Freunde schliefen, legte sich plötzlich ein junger Mann zu ihr.

Vor ein paar Jahren habe ich an einem Camping-Wochenende teilgenommen. Wir verschanzten uns abgekoppelt von der Außenwelt in einem Haus und Zelten. Ich fühlte mich wohl. Am Abend saßen wir gesellig zusammen an einer Bierzeltgarnitur – quatschten, sangen Lieder und freuten uns auf die Ferien. Die Gruppe war gemischt – ich war allerdings die Jüngste. Der Abend verging wie im Flug, hundemüde legte ich mich auf meine Luftmatratze.

Als ich morgens wach wurde, merkte ich, dass ich nicht alleine auf meiner Matratze lag. Einer der Älteren hatte sich zu mir gelegt.

Ich erinnere mich, dass ich wie eingefroren dagelegen habe und mich nicht getraut habe, mich zu bewegen. Ich tat so, als würde ich wie alle anderen noch schlafen. Ich wollte nicht, dass irgendwer von der Situation mitbekommt. Doch was sollte ich jetzt machen?

Während ich darüber nachgedacht habe, wie ich unauffällig aus dieser Situation komme, merkte ich, wie sich die Hand des jungen Mannes immer weiter nach unten bewegte. Ich wollte einfach nur raus aus der Situation. Also rutschte ich ein bisschen hin und her und presste meine Beine ganz fest zusammen. Die Hand verschwand und ich nutzte den Moment, um so leise wie möglich zur Toilette zu rennen.

Als ich gecheckt hatte, was gerade passiert war, schossen mir Fragen in den Kopf: Warum habe ich nicht gemerkt, dass die Person sich zu mir gelegt hat? Wie hätte ich das verhindern können? War es meine Schuld? Habe ich gestern Abend etwas Falsches gesagt oder getan?

Heute erinnere ich mich zurück: Mir war das Ganze eigentlich nur peinlich. Ich wollte die Situation verdrängen, der Person nicht mehr in die Augen schauen und vor allem nicht drüber reden – mit niemandem. Doch in meinem Gedächtnis hat es sich immer wieder abgespielt.

Erst nach ein paar Jahren habe ich mich getraut, mit meinen Freunden über das Erlebte zu sprechen. Für mich habe ich die Konsequenz gezogen, schneller zu reagieren und laut und deutlich „Nein“ zu sagen. Denn heute weiß ich: Ich habe damals nicht verstanden, dass es nicht meine Schuld war.

Ähnliche Artikel