Ausgefuchste Idee Wie Füchse Frassschäden von Wildgänsen verhindern
Für viele Bauern im Rheiderland sind die Wildgänse ein Ärgernis, weil sie das Futter fürs Vieh wegfressen. Mit einer ausgefuchsten Idee, will ein Bingumer Landwirt die ungebetenen Gäste vertreiben.
Rheiderland - Es ist in jedem Frühjahr dasselbe Spiel: Tausende und Abertausende von Wildgänsen landen im Rheiderland, um sich auf dem Grünland Energiereserven für den Weiterflug in ihre arktischen Brutgebiete anzufressen. Sehr zum Ärger der Landwirte. Die wollen nämlich Anfang Mai zum ersten Mal die Flächen mähen, um daraus Silage zu machen. Damit werden außerhalb der Weidesaison die Milchkühe gefüttert. In dem ersten frischen Gras des Jahres steckt am meisten Energie. Das wissen auch die Gänse. Familie Jütting aus Bingum hat sich daher etwas einfallen lassen, um die ungebetenen Gäste von ihren Flächen fernzuhalten.
Was bezwecken die Attrappen?
Viele Autofahrer, die auf der B 436 zwischen Leer und Weener unterwegs sind, blicken verwundert auf die Weide zwischen dem Bingumer Deich und der Emsstraße. Lebensgroße Tierfiguren wechseln dort je nach Wind die Laufrichtung Ist das eine Anti- oder Pro-Wolf-Aktion oder sind das tierische Kunstwerke? „Ob das Wölfe sein sollen, haben sich schon einige gefragt“, erzählt Christian Jütting, der gemeinsam mit seinem Vater Wilfried Jütting einen landwirtschaftlichen Hof mit einem Milchviehbetrieb in Coldam betreibt. Nein, mit Wölfen oder Kunst hat das nichts zu tun. Die drei Figuren sollen Füchse darstellen und die Gänse davon abhalten, das Futter für die Kühe wegzufressen – Vogelscheuchen in Fuchsform.
Erstmals aufgestellt hatte Wilfried Jütting die Attrappen im vergangenen Jahr. Kaufen kann man sie im Internet. Jütting setzte allerdings auf Marke Eigenbau. Der Landwirt besorgte sich eine Schablone, vergrößerte sie auf Fuchslebensgröße und sägte sie aus einer Holzplatte aus. Die Attrappe hat er auf einen Stab montiert, der auf der Weide einfach in den Boden gesteckt werden kann. Der Fuchs funktioniert wie eine Wetterfahne. Bei Wind wechselt er immer wieder die Richtung und ist somit immer in Bewegung. Verstärkt werden soll die abschreckende Wirkung der Fuchsattrappen durch das rot-weiße Absperrband, das an Stäben hängt und seinen Flattergeräuschen die Gänse vertreiben soll.
Haben sich die Attrappen bewährt?
„Die großen Massen wie auf der anderen Seite der Bundesstraße landen hier zumindest nicht mehr“, berichtet Christian Jütting. Allerdings gebe es inzwischen viele Wildgänse, die das ganze Jahr über in Bingum bleiben und auch hier brüten würden. „Die haben sich inzwischen an die Attrappen gewöhnt.“ Dass sich doch ab und an Gänse auf der etwa 14 Hektar großen Fläche aufhalten ist, nicht zu übersehen. An vielen Stellen liegt Gänsekot. „Mit den Attrappen und den Flatterbändern ist es auf jeden Fall besser, als wenn wir hier keine Gänsevergrämung machen würden.“
Auf den übrigen Grünlandflächen auf der anderen Seite der Bundesstraße ist das nicht erlaubt. In dem Schutzgebiet müssen die Landwirte die Wildgänse dulden. Dafür gibt es Ausgleichszahlungen. „Die sind aber mit vielen Auflagen verbunden, die immer wieder verändert werden“, gibt Christian Jütting zu bedenken. Beispielsweise dürften die Flächen nur eingeschränkt bewirtschaftet werden. Das gilt auch fürs Ausbringen von Gülle. „Wenn wir auf den Flächen außerhalb des Schutzgebietes den zweiten Schnitt machen, können wir im Schutzgebiet erst den ersten Schnitt machen.“
Was sagen Naturschützer?
Für Agnes Ratering sind die Fuchsattrappen kein Aufregerthema. Die Vorsitzende des Nabu-Rheiderland hat sogar Verständnis für die Maßnahme der Familie Jütting. „Die Fläche liegt nicht im Schutzgebiet. Daher ist das für mich kein Drama, absolut nachvollziehbar“, sagt Ratering. Sie bietet als Natur-Rangerin im Rheiderland Gänse-Exkursionen für Naturfreunde an und weiß viel über die Besonderheiten und das Verhalten der Tiere. Sie hat so ihre Zweifel, ob der Effekt auf der Weidefläche in Bingum von langer Dauer sein wird.
„Im Rheiderland nutzen die Landwirte verschiedene Maßnahmen, um die Gänse von den Flächen fernzuhalten.“ An Seile gebundene Tonnen, die sich im Wind bewegen und Geräusche machen oder Schrottfahrzeuge, die aufs Land gestellt werden. „Das hilft meist nur für eine gewisse Zeit. Dann haben sich die Gänse daran gewöhnt und lassen sich dadurch nicht mehr vertreiben“, beschreibt sie ihre Beobachtungen.