VW Emden Autoindustrie droht Ampel mit Abwanderung
Ostfrieslands Wirtschaft ist auf der Zinne. Vor allem die hohen Strompreise drücken auf die Stimmung – auch bei VW in Emden. Nun gibt es Schützenhilfe aus Berlin.
Ostfriesland - Ostfrieslands Wirtschaft macht derzeit mächtig Druck auf die Politik und hat sich dazu in dieser Woche Unterstützung von außerhalb geholt. Ein wesentlicher Grund: zu hohe Strompreise, die es der Wirtschaft – insbesondere natürlich dem VW-Werk in Emden – erschweren, Waren unter international wettbewerbsfähigen Kosten zu produzieren. Ziemlich unverhohlen droht die Auto-Lobby jetzt sogar mit Abwanderung.
„Die Automobilindustrie tut alles, um die Werke in Deutschland zu halten“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), am Dienstagabend in Emden. „Aber das hat auch Grenzen.“ Bei einer Versammlung des ostfriesischen Arbeitgeberverbands forderte sie von der Bundesregierung unter anderem niedrigere Energiekosten. In China und den USA werde die Autoindustrie in einem ganz anderen Umfang unterstützt.
Wann kommt der Brückenstrompreis?
Seit längerer Zeit schon wirbt Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) für einen sogenannten Brückenstrompreis, der die Energiekosten für einige Jahre reduzieren soll. Die IG Metall hat er dabei auf seiner Seite. Nur Kanzler Olaf Scholz (ebenfalls SPD) zögert noch. Wie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kürzlich unserer Zeitung verriet, wartet der Kanzler noch auf „ein eindeutiges Signal aus der Wirtschaft“.
VW baut seine Elektro-Limousine ID.7 für den riesigen chinesischen Markt längst in China. Das Werk in Emden, das den ID.7 für den europäischen und den nordamerikanischen Markt montiert, ist hingegen nicht zu 100 Prozent ausgelastet. In dieser Woche steht die Produktion still, in den nächsten zwei Wochen wird in einer Schicht produziert, danach den Plänen zufolge in zwei Schichten – 600 bis 700 E-Autos täglich. Möglich wären drei Schichten. Doch daran denkt unter den gut 8000 VW-Mitarbeitern derzeit eigentlich niemand mehr.
Hat der Ministerpräsident Neuigkeiten im Gepäck?
Das treibt auch die ostfriesische Industrie- und Handelskammer (IHK) um, die ebenfalls am Dienstagabend eingeladen hatte. Mit Blick auf die Streichung von 5,5 Milliarden Euro, die der Bund eigentlich den Übertragungsnetzbetreibern hatte zahlen wollen, sagte IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons: „Damit werden einige Unternehmen trotz Stromsteuersenkung stärker belastet. Wir sprechen hier von Steigerungen von bis zu 20 Prozent beim Strompreis. Das ist existenzgefährdend.“
An diesem Freitag ist Ministerpräsident Weil zu Gast in Ostfriesland. Womöglich bringt er nach dem Gespräch mit dem Kanzler von Mittwochabend neue Botschaften in Sachen Energiepreise mit.