Kolumne „Bi Karkens“  „Was tragen Sie eigentlich unterm Talar?“

Ina Jäckel
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Eine Kolumne von Ina Jäckel
| 08.03.2024 06:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ina Jäckel
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Der Talar ist für Pastorinnen und Pastoren die Dienstkleidung. Aber was tragen sie darunter? Diese Frage scheint überraschend viele Menschen zu interessieren. Unsere Kolumnistin gibt Antworten.

„Sagen Sie, was tragen Sie eigentlich da drunter?“, fragt die Dame, als sie mir nach der Beisetzung auf dem Friedhof die Hand zur Verabschiedung reicht. Sie zeigt mit dem Finger auf meinen Talar. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Frage höre. Mein Mann reagiert immer erstaunt, wenn ich ihm davon erzähle. Ihm wurde diese Frage noch nie gestellt, mir hingegen schon so oft. Finde ich interessant.

Ich denke an diesen einen Tag im Sommer: Die Sonne knallte vom Himmel, und bei gefühlten 40 Grad stand ich im Talar auf dem Friedhof. „Dass Sie hier in Schwarz stehen müssen“, meinte ein Mann. „Was haben Sie denn drunter? Einen Badeanzug?“ – Nein, keinen Badeanzug, noch nie. Oder ich denke an diesen einen Tag im Winter: Minus drei Grad, und während andere sich in ihren Daunenparka hüllten, stand ich im Talar am Grab. „Dass Sie das so aushalten!“, sagte eine Dame. „Was haben Sie denn drunter? Skiunterwäsche?“ – an dem Tag nicht. Aber: Ja, hatte ich schon drunter. Und bisweilen ziehe ich den Talar nach dem Gottesdienst in der Kirche aus und höre verblüfft: „Oh, Sie haben ja einen Rock an! Das geht?“ – Natürlich! Tatsächlich kann ich unterm Talar alles anziehen. Unterm Talar bin ich doch ICH. „Aber gut, es müsste ja nicht so ein Rock sein. Etwas mehr Respekt kann man doch erwarten!“

Zur Person

Ina Jäckel (39) arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann als Pastorin in der Ev.-luth. Kirchen- gemeinde Loga. Das Paar hat vier Kinder. Als @dingens.von.kirchen ist Jäckel auch auf Instagram unterwegs.

Ein Talar ist Dienstkleidung. Und Dienstkleidung macht aus Privatmenschen eben Menschen, die dann und wann nicht privat sind, sondern ihren Dienst tun. Ich schlüpfe in meinem Talar und werde damit von der Privatperson zur Pfarrperson. Der Talar ist mein Schutzmantel. Und dafür liebe ich ihn sehr. Ich bräuchte ihn nicht immer. Bei Taufen oder im Sonntagsgottesdienst trage ich gern etwas anderes. Auf dem Friedhof – da brauche ich den Talar dringend! Da lässt er mich spüren, dass ich gerade mehr zu geben und zu sagen habe als meine eigene Betroffenheit. Die auch, aber eben noch mehr: mehr von Gott. Und das mit dem Respekt... Nun ja, mir erschließt es sich gar nicht, dass Respekt sich über die Kleidung ausdrückt. Haben wir dafür nicht Worte und Taten?

Kontakt: kolumne@zgo.de

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