Osnabrück In der Bahn belästigt: Von einem fremden Mann angefasst und niemand hat etwas bemerkt
Belästigung im Nahverkehr: Nachdem sie einem Mann in der Straßenbahn einen Sitzplatz angeboten hatte, wurde die junge Frau Opfer eines sexuellen Übergriffs.
Es war Donnerstag, der 7. November. Ein Herbsttag, von dem ich wenig mitbekommen hatte, weil ich von morgens 8 Uhr bis abends 18 Uhr in Vorlesungen und Seminaren an der Universität Bielefeld saß. Ich war nicht die Einzige, die nach dem letzten Seminar des Tages schnurstracks den Weg zur Straßenbahn vor dem Uni-Gebäude suchte.
Die Straßenbahn fuhr ein, ich drängelte mich zwischen den Wartenden nach vorne und ergatterte tatsächlich noch einen freien Zweier-Sitzplatz im hintersten Abteil. Ein seltenes Glück zu dieser Uhrzeit, wusste ich und war froh, dass ich nicht in dem Getümmel stehen musste.
Eine Station später stieg ein älterer und erschöpft aussehender Mann in dicker Winterjacke und Cordhose ein. Ich überlegte nicht lange und bot ihm den Sitz neben mir an. Er sagte zwar nichts, setzte sich aber zu mir.
Ich nahm mein Handy in die Hand, um mir die Zeit zu vertreiben, denn ich hatte noch ein paar Stationen zu fahren. Kaum war die Bahn wieder gestartet, legte er seine Hand auf meinen Oberschenkel. Ich war wie erstarrt – war das Absicht oder ein Versehen? Doch die Hand blieb auch nach ein paar endlos lang wirkenden Sekunden, wo sie war.
Ich weiß nicht warum, aber ich war weder in der Lage etwas zu sagen, noch wollte ich seine Hand anfassen und beiseiteschieben.
Mir fiel nichts Besseres ein, als aufzustehen und zu sagen, dass ich hier raus müsste. Ich drängte mich an ihm vorbei und stieg aus, ohne mich noch einmal umzusehen – Hauptsache raus hier, dachte ich.
Danach stand ich alleine am Bahnsteig und atmete die kalte Luft ein – bis die nächste Bahn kam, waren es noch ein paar Minuten. Meine Gedanken begannen zu kreisen: Warum hatte ich nicht laut geschrien: „Finger weg“ oder „Was soll das“. War das alles nur ein Irrtum? – Nein, denn dafür lag seine Hand viel zu lange auf meinem Oberschenkel. Was hatte er von mir erwartet, mitten in der vollen Straßenbahn?
Dieses Erlebnis hat mich kalt erwischt, weiß ich heute. Nicht, dass ich vorher noch nie in unangenehme Situationen geraten bin, aber so hilflos habe ich mich selten erlebt.