Osnabrück  Übergriff als Minderjährige erlebt: „Ich will nicht mehr schweigen“

NOZ-Autorengemeinschaft
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Von NOZ-Autorengemeinschaft
| 08.03.2024 09:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Diese Frau hat den ersten sexuellen Übergriff als Kind erfahren. Lange versuchte sie, das Erlebte zu verdrängen. Foto: Benjamin Beutler, Grafik: Sebastian Dannenberg
Diese Frau hat den ersten sexuellen Übergriff als Kind erfahren. Lange versuchte sie, das Erlebte zu verdrängen. Foto: Benjamin Beutler, Grafik: Sebastian Dannenberg
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Als 13-Jährige hat diese Frau Missbrauch erfahren. Sie sagt: „Heute hilft es mir zu wissen: Ich bin nicht alleine.“

Ich war 13 und zu einem Geburtstag eingeladen, inklusive Übernachtung. Der Abend war laut und bunt. Ich habe mich wohlgefühlt.

Sehr früh morgens wachte ich auf – nicht mehr alleine auf meiner Matratze. Neben mir lag ein junger Mann, ein Bekannter – mehrere Jahre älter. Seine Hand unter meiner Kleidung.

Ich weiß bis heute nicht, wann er sich heimlich zu mir gelegt hat oder wo er mich überall angefasst hat. Gewehrt habe ich mich nicht. Ich war wie eingefroren und konnte nicht reagieren. Er küsste mich auf die Wange – ich habe noch immer nicht reagiert.

Später machte ich mir viele Vorwürfe. Vor allem gab ich mir selbst die Schuld. Ich hätte mich wehren können, dachte ich. Über Wochen war ich nervös und verstand nicht, warum. Ich konnte meine Gefühle nicht einordnen.

Ich wollte das Erlebte verdrängen, nie wieder darüber nachdenken. Vor allem wollte ich ihn nicht sehen. Doch genau das konnte ich nicht. Überall, wo ich war, tauchte er auf. Ich konnte ihm nicht aus dem Weg gehen.

Ich hatte Schuldgefühle, die mich über Jahre begleiteten. Immer wieder dachte ich: „Anderen Menschen geht es viel schlechter als Dir. Anderen Menschen ist viel Schlimmeres widerfahren, also warum fühlst Du Dich schlecht?“ Erst Jahre später verstand ich: Was er getan hat, war nicht okay. Und ich lernte, dass es anderen ging wie mir. Viele Freundinnen hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. Keine von uns traute sich, etwas zu sagen.

Heute weiß ich, dass meine Reaktion einzufrieren, eine Angststarre, ein Schutzmechanismus ist und die Situation nicht meine Schuld war. Es war nicht die letzte solcher Erfahrungen, aber die erste und ein einschneidendes Erlebnis.

Heute hilft es mir zu wissen: Ich bin nicht alleine. Deswegen will ich nicht mehr schweigen. Meine Gefühle sind und waren valide. 

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