Kampf gegen Kilos  Statt TV-Show half Steffi Rull der eigene Wille beim Abnehmen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 01.03.2024 17:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kaum noch wiederzuerkennen: Steffi Rull heute und bei den Aufnahmen zu The Biggest Loser. Fast 30 Kilo hat sie seitdem abgenommen. Foto: Ortgies
Kaum noch wiederzuerkennen: Steffi Rull heute und bei den Aufnahmen zu The Biggest Loser. Fast 30 Kilo hat sie seitdem abgenommen. Foto: Ortgies
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Die Moormerländerin wollte bei Biggest Loser an Gewicht verlieren. Doch sie kam nicht in die Auswahl. Erst war sie niedergeschlagen – dann erwachte ihr Ehrgeiz.

Veenhusen - Die Serie The Biggest Loser auf Sat 1 hatte es Steffi Rull schon lange angetan. Die ganze Familie schaute sich die Abnehmshow jedes Jahr an und fieberte mit den Teilnehmern mit. Die Veenhuserin dachte deshalb schon längere Zeit darüber nach, sich dort zu bewerben. Als sie vor gut einem Jahr 126 Kilogramm wog, machte sie damit ernst. Sie schrieb an den Sender und bewarb sich um die Teilnahme.

Den Entschluss hatte sie zwar allein vor dem Fernseher gefasst, als im Abspann der letzten Folge die Adresse eingeblendet wurde. „Aber meine Kinder und mein Mann standen hinter mir“, erzählt sie. Andere hatten im Verlauf der TV-Serie ihr Gewicht verloren – das wollte Steffi Rull genauso. Tatsächlich erhielt sie eine Einladung, voriges Jahr im September ging es los. Die heute 44-Jährige musste sich verabschieden.

Auf Seekrankheit folgte Härtetest

Zum ersten Mal seit langer Zeit war sie ganz auf sich allein gestellt. Sonst hatte sie täglich ihre Familie um sich, kümmerte sich um ihre Mutter. „Letztlich war das aber gut für mein Selbstwertgefühl“, sagt sie heute. Außerdem fand sie unter den Kandidaten für die Sendung gleich Freunde, mit einigen ist sie nach wie vor im Kontakt. Mit dem Flieger ging es nach Griechenland, dann mit einer Fähre zur Insel Naxos. Steffi war seekrank, trotzdem musste sie gleich am nächsten Tag viel leisten.

Beim sogenannten Boot Camp, einer Art Härtetest, gab sie alles. Schwimmen, die Sporteinheiten, durch den Sand robben oder Hindernisse überwinden – den Teilnehmern wurde viel abverlangt. „Wir mussten vom Boot zum Strand schwimmen“, erzählt Steffi. Sie habe schon Angst vorm Sprung ins Wasser gehabt, aber sie machte mit. Das erste Erfolgserlebnis: „Ich war nicht die letzte bei den Frauen, die ankam.“

Über eigene Grenzen gegangen

Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen da schon ihr T-Shirt, das heißt: Sie kamen in eines der beiden Teams, die sich im Verlauf der Serie den Challenges stellen müssen. In jeder Folge scheidet jemand aus. Für Steffi jedoch hieß es schon Abschied nehmen, bevor es richtig losging. Ihre Gesundheit machte ihr zu schaffen. „Die ärztliche Betreuung war wirklich gut“, sagt sie. Überhaupt seien in dem Team alle sehr nett gewesen, vor allem die beiden Coaches, Dr. Christine Theiss und Ramin Abtin.

Diese Kleidergröße braucht sie nicht mehr: Steffi Rull hat kaum noch Kleidungsstücke aus der Zeit vor der Ernährungsumstellung. Die passen nicht mehr. Foto: Ortgies
Diese Kleidergröße braucht sie nicht mehr: Steffi Rull hat kaum noch Kleidungsstücke aus der Zeit vor der Ernährungsumstellung. Die passen nicht mehr. Foto: Ortgies

Doch Steffi bekam kein T-Shirt, mit sieben anderen Bewerbern fuhr sie zurück. Anfangs sei sie danach niedergeschmettert gewesen, traurig, dass sie nicht dabei sein konnte. Doch dann raffte sie sich auf. Denn eines hatten die Strapazen bei der Show ihr gezeigt: Sie war über ihre eigenen Grenzen gegangen und hatte es geschafft. „Das war für mich ein wichtiger Punkt.“ Deshalb wollte sie das, was sie sich von der Sendung versprochen hatte, nun allein schaffen: Kilos verlieren.

Die Kilos kullerten nur so

Die dreifache Mutter stellte ihre Ernährung komplett um. Süßes und Kuchen, die sie vorher gerne mochte, sind gestrichen. Sie isst nur noch zwischen 10 und 18 Uhr. Sie bemüht sich, mehr Bewegung zu bekommen. „Für Besuche bei meiner Mutter nehme ich nicht mehr das Auto, sondern laufe“, sagt Steffi. Der Erfolg kam schnell.

Den Griff zum Maßband muss Steffi Rull nicht mehr fürchten. Foto: Ortgies
Den Griff zum Maßband muss Steffi Rull nicht mehr fürchten. Foto: Ortgies

„Was soll ich sagen: Die Kilos kullerten nur so.“ Sie lächelt strahlend. Aktuell wiegt sie 95 Kilogramm und ist stolz, dieses Gewicht halten zu können. Dabei hilft ihr zwar ein Ernährungsberater, aber wichtig war für sie der Rückhalt durch die Gruppe der Biggest-Loser-Teilnehmer. „Ohne die hätte ich es nicht geschafft.“ Es ist nicht so, dass die 44-Jährige es nicht früher schon versucht hätte, Gewicht zu verlieren.

Ernährungsberater motiviert

Sie habe schon einiges ausprobiert, auch Diäten, die viel Geld kosteten. Das sollte dieses Mal nicht mehr so sein. Die Krankenkasse finanziert den Ernährungsberater, der half bei der Umstellung und motivierte sie. Außerdem trägt sie in einer App ein, was sie isst. Diese zeigt zum Beispiel an, ob sie genügend Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Denn eine Unterversorgung sei schlecht und fördere den Ping-Pong-Effekt, den schon viele erlebt haben, die abnehmen wollten.

Auf etwas komplett verzichten muss Steffi Rull nicht. Ein Stück Kuchen bei einem Geburtstag sei drin, aber dann müsse sie das am Tag darauf ausgleichen. „Damit komme ich zurecht“, sagt sie. Sie ist stolz darauf, es geschafft zu haben und möchte noch ein wenig mehr Kilos loswerden. Wenn sie die Aufnahmen von Biggest Loser mit ihr sieht, muss sie lachen. „Das kann ruhig jeder sehen“, sagt sie, „man erkennt mich ja kaum noch.“

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