Osnabrück Himmel und Hölle: Was sagen uns Redewendungen über das Firmament?
Himmelhoch jauchzend? Angesichts der Weltlage fällt man heute eher aus allen Himmeln. Das Firmament ist ein offener Raum für viele Redewendungen. Ein Streifzug.
Ach, du lieber Himmel, was ist denn jetzt schon wieder los? Sagt das noch jemand, um im Alltag sein Erstaunen auszudrücken? Ich habe den Verdacht, dass die Redewendung so langsam aus der Mode kommt. Jüngere sagen das Gleiche nicht nur anders, sondern vor allem viel kürzer. What? Das englische Fragewort, mit Nachdruck betont, richtet es auch.
Grundgütiger! Das möchte ich heute fast im Minutentakt sagen. Schlechte Nachrichten überholen sich angesichts der aktuellen Weltlage im Minutentakt. Viele Menschen reagieren darauf, indem sie Neuigkeiten möglichst gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Nachrichtenvermeidung ist ein neues Phänomen – und die Information darüber selbst wieder eine Nachricht.
Zwischen Himmel und Erde gibt es eben mehr, als man sich bisweilen vorstellen möchte. Da gilt für das Leben ganz allgemein, für alle Ausgeburten des Irrationalen, die sich spätestens seit der Corona-Pandemie so frischer Konjunktur erfreuen – und nicht zuletzt auch für Redewendungen, die das Firmament zum luftigen Anker ihrer Bedeutung machen.
Dessen Räume mögen sich weit aufspannen. Und trotzdem sind alle Redewendungen rund um dieses Wort beileibe nicht vom Himmel gefallen. Im Gegenteil: Sie haben eine höchst solide Verankerung – in der Bibel. Wer etwa alle Himmel offen sieht, der hat womöglich das Johannes-Evangelium, Vers 1, 51, gelesen. Und wer aus allen Himmel fällt, der mag noch einmal bei Jesaja 14, 12 nachschauen.
Warum ist das so? Der Himmel ist der Sitz Gottes, das Wort bisweilen gleichbedeutend mit dem Übersinnlichen, bisweilen auch mit der Schöpfung selbst. Wer Himmel und Hölle in Bewegung setzt, mobilisiert alle Kräfte des Guten und des Bösen zugleich. Mit anderen Worten: Mehr geht einfach nicht.
Ich finde ja, dass man nicht alles gleich in den Himmel heben sollte. Menschen, die ständig nur in Superlativen reden, mag ich nicht anhimmeln. Bei denen wird mir eher himmelangst. Aber gleichviel, man kann nicht immer den Himmel auf Erden haben, oder?
Ich möchte im siebenten Himmel schweben, sagt der Romantiker. Bäume wachsen nicht in den Himmel, warnt der Realist. Weiß der Himmel, wo da die gesunde Mitte sein soll. Wie auch immer, diese Kolumne ist nun aus. Himmel, Kreuz und Donnerwetter.