Hamburg  Wladimir Klitschko kritisiert Scholz – auch britische Regierung widerspricht dem Kanzler

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 28.02.2024 13:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wladimir Klitschko fordert mehr Munition und Waffen für die Ukraine. Foto: dpa | Rolf Vennenbernd
Wladimir Klitschko fordert mehr Munition und Waffen für die Ukraine. Foto: dpa | Rolf Vennenbernd
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In einem Auftritt in der ARD-Sendung „Maischberger“ übt der ehemalige Boxweltmeister Wladimir Klitschko deutliche Kritik an Kanzler Scholz. Auch aus Großbritannien erntet Scholz Widerspruch bezüglich der Blockade von „Taurus“-Lieferungen.

In der Talksendung von Sandra Maischberger äußerte sich der frühere Boxweltmeister und Bruder von Kiews Bürgermeister, Wladimir Klitschko, sich kritisch über die ausbleibende „Taurus“-Lieferung der Bundesregierung. Den Vorschlag von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden, hält Klitschko für eine „Ablenkung“.

Neben der Kritik des Ex-Profisportlers widerspricht indes auch die britische Regierung der Darstellung von Kanzler Olaf Scholz und seiner Begründung, keine „Taurus“-Marschflugkörper liefern zu wollen. Erst am vergangenen Montag begründete der Kanzler seine Ablehnung gegenüber der Lieferung von den weitreichenden Waffen.

Angesprochen auf die wiederholten Weigerungen des Kanzlers, die Ukraine mit „Taurus“-Marschflugkörper zu unterstützen, erklärte Klitschko: „Sehr enttäuschend. Sehr enttäuschend während des Krieges. Sehr enttäuschend nachdem, was in Awdijiwka passiert ist. Wir brauchen Munition, um uns zu wehren brauchen wir Waffen.“

Die Erklärungen von Scholz, deutsche Soldaten müssten die „Taurus“-Raketen programmieren, hält Klitschko für falsch. Dieselbe Debatte habe es demnach bei den Leopard-Panzern aus Deutschland gegeben, bei denen zunächst angenommen wurde, sie seien zu schwer zu bedienen. „Wenn es um Leben und Tod geht, lernt man Dinge, die man sonst in einem Jahr lernt, in vier Wochen“, erklärt der Ex-Boxer. Dasselbe gelte auch für die Programmierung der„Taurus“-Marschflugkörper.

Der Abschuss und die Zielauswahl solcher Waffen sei auch in der Vergangenheit immer in Abstimmung mit den internationalen Partnern erfolgt, führt Klitschko weiter aus. Die Ukraine verstehe, dass wenn sie solche Waffen falsch einsetzen, werde es keine zukünftige Unterstützung aus dem Westen mehr geben. Daher sei die Sorge darum unbegründet.

Der französische Präsident Emmanuel Macron sorgte jüngst mit Aussagen für Aufsehen, laut denen man die Stationierung von Bodentruppen in der Ukraine aus anderen Ländern nicht ausschließen dürfe. Diesen Vorschlag tut Klitschko als „Ablenkung“ ab. „Wir brauchen Munition, wir brauchen Waffen. Wir brauchen keine Soldaten, wir haben Soldaten.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zur Forderung des französischen Präsidenten:

Der Bundeskanzler erfährt derweil nicht nur von Wladimir Klitschko Kritik für seine Begründung, warum Deutschland keine „Taurus“-Marschflugkörper an die Ukraine schickt. Scholz erklärte am Montag unter anderem, dass die Briten und Franzosen dem „Taurus“ ähnliche Waffen schicken würden, da diese Länder bei der Zielauswahl für die Waffen Einfluss hätten. „Es ist eine sehr weitreichende Waffe. Und das, was an Zielsteuerung und an Begleitung der Zielsteuerung vonseiten der Briten und Franzosen gemacht wird, kann in Deutschland nicht gemacht werden. Das weiß auch jeder, der sich mit diesem System auseinandergesetzt hat“, sagte der Kanzler am Montag.

Dieser Darstellung widerspricht die britische Regierung. Wie der „Spiegel“ berichtet, erklärte eine britische Regierungssprecherin auf Anfrage: „Der Einsatz von Storm Shadow und der Prozess der Zielauswahl sind Sache der ukrainischen Streitkräfte.“ Großbritannien beteilige sich nicht direkt am Einsatz der Marschflugkörper. Stattdessen betont die britische Regierung, wie einflussreich die Waffen mit hoher Reichweite seien. So habe man das strategische Gesamtbild des Krieges durch diese Waffen verändern können.

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