Was halten die Gemeinden davon? DNA-Tests gegen Hundekot-Problematik im Oberledingerland?
Seit Jahresanfang gibt es in Südtirol ein Gesetz für Gentests bei Hunden. Damit sollen Verursacher zurückgelassener Haufen überführt werden. Wäre das auch etwas für das Oberledingerland?
Oberledingerland - Es klingt wie Satire – zumindest auf den ersten Blick. In der Provinz Südtirol in Italien will man mit DNA-Tests im Labor den Schuldigen auf die Spur kommen. Dabei geht es nicht um irgendwelche Verbrechen, sondern um die Verursacher von Hundekot. Dort ist Anfang des Jahres ein Gesetz in Kraft getreten, 40.000 Hunde mittels DNA-Untersuchung zu registrieren. Anschließend können über den Hundekot die Halter der dazugehörigen Tiere ermittelt werden. Darüber hatten in den vergangenen Wochen mehrere Medien berichtet. Doch wie ist das im Oberledingerland?
Wo liegt das Problem?
In Bozen, einer Stadt mit knapp über 100.000 Einwohnern in Südtirol, kamen laut Berichten der Tagesschau im vergangenen Jahr allein 400 Meldungen über Hunde-Hinterlassenschaften zusammen. Mitarbeiter des Hygieneamts konnten die dazugehörigen Tiere so gut wie nie ermitteln. Zukünftig soll dort ein Blick in die DNA-Datenbank weiterhelfen.
Die Kosten von 65 Euro für den dazu notwendigen Gentest übernimmt der Hundebesitzer. Den Steuerzahler kostet das Gesetz laut den Verantwortlichen in Südtirol keinen Cent.
Neu ist die Idee in Europa nicht. Malaga in Spanien hat den genetischen Pfotenabdruck schon vor mehr als zehn Jahren durchgesetzt, andere haben nachgezogen. In der französischen Stadt Béziers schreibt man den Hundehaltern den Gentest seit Juli vergangenen Jahres vor. Dort hat man laut Bürgermeister Robert Ménard im Stadtzentrum jeden Monat über 1000 Haufen eingesammelt. Sein Büro gab an, die Beseitigung von Hundekot koste die 75.000-Einwohner-Gemeinde jährlich rund 80.000 Euro.
Was tut sich in Deutschland beim genetischen Pfotenabdruck?
Auch wenn die Verantwortlichen im Norden der Republik nicht glauben, dass der genetische Pfotenabdruck dort einmal notwendig sein wird: Es gibt Gemeinden und Städte in Deutschland, die das Thema bereits auf der Agenda haben – oder zumindest hatten. Ganz vorne dabei war die Gemeinde Rödelsee im unterfränkischen Landkreis Kitzingen mit rund 1700 Einwohnern. Eigentlich wollte ihr Bürgermeister Burkhard Klein sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Es gab viel Spott aus der Presse, als die Rödelseer ihr Konzept im Januar 2019 durch den Rat gebracht hatten, aber schließlich am Landesdatenschutzbeauftragten von Bayern scheiterten. Es fehle die Rechtsgrundlage für den Plan der Rödelseer, sagte der.
Dann fängt Klein doch an zu erzählen, denn viele in der Gemeinde haben die Nase voll. Wohin man schaue, Hundehaufen. Besonders auf Spielplätzen sei das ärgerlich. Auch Klein hat einen Hund, deshalb ärgert er sich besonders. Denn die Hinterlassenschaften der anderen Hundehalter fallen auch auf ihn zurück. Rödelsee hatte ein Bonussystem für vorbildliche Hundehalter geplant: Wer den DNA-Code seines Vierbeiners freiwillig in einer Datenbank erfassen lässt, dem würde die Hälfte der Hundesteuer erlassen. Doch daraus wurde nichts, nicht nur wegen des Datenschutzes. Das Bonussystem sei eine verdeckte Bestrafung aller, die sich nicht registrieren lassen, hieß es dazu.
Wie geht es weiter?
In Rödelsee wartet Burkhard Klein jetzt drauf, dass endlich eine Kommune in Deutschland den Durchbruch schafft, dann wird man auch dort das Konzept wieder aus der Schublade ziehen. Es war nämlich bereits alles durchdacht und geplant: Die Proben würden Bauhof-Mitarbeiter sammeln, die diese Haufen ohnehin entsorgen müssen. Die Datenbank samt der Auswertung der Proben, inklusive Versorgung mit Probenröhrchen, hätte ein Unternehmen übernommen. Die Kosten für die Auswertung in Höhe von etwa 80 Euro lägen beim Hundehalter. In Südtirol denkt man derweil noch weiter, denn mit der Hilfe der Gendatenbank soll es künftig auch leichter sein, die verantwortlichen Halter zu ermitteln, wenn Hunde Menschen beißen oder Nutzvieh reißen.
Wie ist die Lage im Oberledingerland?
Im Oberledingerland sind exakt 6114 Hunde in den drei Rathäusern registriert. Die Verteilung ist ähnlich, wie bei der menschlichen Bevölkerung: In Westoverledingen leben mit 2697 Tieren die meisten Hunde, gefolgt von Rhauderfehn (2001) und Ostrhauderfehn (1416). Probleme mit den Hinterlassenschaften von Hunden gibt es – im überschaubaren Rahmen – auch hier. Auf die Frage: „Gibt es in der Gemeinde Probleme mit Hinterlassenschaften von Hunden?“ schreibt etwa Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller: „Ja, dabei weniger auf befestigten Flächen aber schon im Straßenseitenraum – wobei feststellbar ist, dass die Zahl der Hundehalter, die Hundekotbeutel verwenden ,gefühlt‘ mehr werden.“ Gerta Waden, Sprecherin der Gemeinde Ostrhauderfehn, erklärt, dass sich das Problem zwar in Grenzen halte, aber: „Hin und wieder beschweren sich Bürgerinnen und Bürger.“ Ähnlich ist es auch in der Gemeinde Westoverledingen, wie Sprecherin Kirsten Beening antwortet. Sie ergänzt: „Leider sieht die Verwaltung keine verlässliche Möglichkeit, dieses Problem zu bekämpfen.“
Ist das von Erfolg gekrönt?
Kirsten Beening, Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen, schreibt: „Es werden unregelmäßig Beschwerden über Hinterlassenschaften auf Wegen und in Straßenseitenräumen vorgebracht. Hier werden aber in den seltensten Fällen auch Täter benannt. Bei Nennung von Verursachern handelt es sich meist nur um Vermutungen, sodass es keine belastbaren Beweise für ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gibt.“
In Ostrhauderfehn ist die Situation ähnlich. Gerta Waden schreibt: „Es wurden keine Anzeigen aufgenommen. Meldungen werden eher anonym abgegeben. Im letzten Jahr waren dies aber weniger als zehn.“ Ein Problem sei dabei auch, dass die Melder nicht als Zeugen zur Verfügung stehen wollen. Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller verweist auf die Abfallbehörde des Landkreises Leer. Darauf weisst auch Waden hin: „Letztlich fällt es in den Bereich ,illegale‘ Abfallentsorgung. Dafür ist der Landkreis Leer zuständig.“
Was unternehmen die Gemeinden?
Unter anderem gibt es in den Gemeinden Spender für Hundkotbeutel. Allein acht stehen am Idasee, wie Gerta Waden mitteilt. Ein weiterer steht am Wohnmobilstellplatz am Ostrhauderfehner Rathaus. Die meisten Spender stehen in der Gemeinde Westoverledingen: Insgesamt 16 Stück, wie Kirsten Beening mitteilt. Das sind folgende Standorte: Friesenweg, Spiekeroog Straße, Offenbachstraße, Lüdeweg, Papenburger Straße, Harm Janshen Fehn, Kleines Gehölz, Alter Herrweg, Lindenstraße, Otterstraße, Zu den Plätzen, Gerberstraße, Krummspät, Völlen Badesee, Fehnstraße und der Ulenhoff Anlage. In Rhauderfehn gibt es derzeit keine dieser Stationen, wie Bürgermeister Müller schreibt. Das könnte sich aber bald ändern: „Der Ortsrat Westrhauderfehn wird überlegen, ob er entsprechende Stationen beim Hahnentanger See als Pilotprojekt umsetzen will.“
Wie läuft das in Barßel?
In dem Hafenort gebe es keine größeren Probleme, wie Bürgermeister Nils Anhuth schreibt: „Im Großen und Ganzen halten sich die Hundebesitzer daran den Hundekot nicht liegen zu lassen.“ Dort sind 1374 Hunde registriert, es gibt acht Kotbeutelspender.
Was halten die Gemeinden von den Gen-Tests?
Die Meinung zu den DNA-Methoden aus Südtirol ist im Oberledingerland einstimmig. Sie wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Kirsten Beening aus dem Rathaus in Ihrhove schreibt etwa: „Die Einführung einer DNA-Datenbank wurde bereits in anderen Kommunen in Deutschland geprüft und aufgrund von verschiedenen Rechtsvorschriften wieder verworfen. Nach aktueller Rechtslage ist die Anlegung einer solchen Datenbank kaum umsetzbar.“
Einer, der sich schon mehr mit dem Thema befasst hat, ist Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller. Dabei ging es aber nicht um Hunde. Müller ist Hobby-Taubenzüchter: „Für mich ist so etwas nicht vorstellbar. Ich nehme regelmäßig Kotproben bei meinen Tauben und frage mich ernsthaft, welcher Bürger denn Kotproben von Hundehaufen machen wird, um diese zum Landkreis Leer zu bringen. Auch glaube ich kaum, dass Landkreismitarbeiter regelmäßig Kotproben von Hundehaufen ziehen werden.“ Auch Anhuth schreibt, dass Barßel solche Tests nicht plane.