Hamburg Warum dieser syrische Arzt einen Pflegedienst gegründet hat
Eigentlich wollte Alaa Al Ghazawi als Arzt arbeiten. Doch weil es Jahre dauerte, bis sein Abschluss in Deutschland anerkannt wurde, machte er sich selbstständig: mit einem ambulanten Pflegedienst in Nürnberg.
Jeden Tag ganz nah am Patienten sein. Das ist es, was Alaa Al Ghazawi an seinem Job in der ambulanten Pflege besonders liebt. „Vor allem die Behandlung von Wunden macht mir Spaß“, sagt der 34-Jährige. „Außerdem mag ich es, den ganzen Tag unterwegs zu sein.“
Al Ghazawi kommt aus Syrien, ist eigentlich Arzt und hat einen Doktortitel. Nach dem Abitur ging er für sein Studium in die ukrainische Stadt Sumy. „In Syrien wäre das Medizinstudium zu teuer gewesen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Als er seinen Abschluss hat, herrscht in Syrien Krieg. Al Ghazawi flüchtet im Januar 2015 nach Deutschland, lebt zunächst in einem bayerischen Flüchtlingslager und zieht dann in eine eigene Wohnung nach Nürnberg.
„Zehn Monate habe ich auf meinen Aufenthaltstitel gewartet und erstmal Deutsch gelernt.“ Was aber noch viel länger dauert: Al Ghazawis ukrainischer Uni-Abschluss wird jahrelang nicht anerkannt, erst 2022 bekommt er den deutschen Pass und auch sein Studium wird anerkannt. Seitdem darf sich Al Ghazawi Doktor der Medizin nennen und eigentlich auch als Arzt praktizieren.
„Aber darauf habe ich mittlerweile keine Lust mehr“, sagt der 34-Jährige. Einerseits sei er mittlerweile zu lange aus der Praxis raus, andererseits habe ihm die Arbeit im Krankenhaus nie wirklich gefallen. „Es war mir dort oft zu bürokratisch und stressig.“
Also ging Al Ghazawi in die Pflege, doch auch dort lief am Anfang nicht alles rund: „Bei meinen ersten beiden Arbeitgebern habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe sehr wenig Geld verdient und musste tagelang ohne Pause arbeiten.“ Laut Al Ghazawi würden Flüchtlinge nicht selten zu schlechten Konditionen bei ambulanten Pflegediensten angestellt.
Nun will er es besser machen: Im Dezember letzten Jahres gründete er seinen eigenen ambulanten Pflegedienst. Unterstützung erhielt er dabei vom Pflege-Franchise-Unternehmen „Schöner Leben“, dessen Pflegedienst- und Marketingkonzept er übernommen hat. Auch hier galt es, einige Hürden zu nehmen: Sein Beruf als Arzt kann nicht als Pflegeerfahrung anerkannt werden, daher gilt er als ungelernte Pflegekraft. Für seine Firma musste Al Ghazawi daher eine Pflegedienstleitung einstellen. „Mittlerweile habe ich sechs Mitarbeiter und wir versorgen täglich 30 Patienten.“
Zwar habe er seine Tätigkeit als Pfleger ergriffen, weil er in Deutschland lange keine Alternative sah, mittlerweile trauert er seinem Beruf als Arzt aber nicht mehr hinterher. „Es macht mir wirklich sehr viel Spaß.“ In nächster Zeit möchte er sich zur Pflegefachkraft ausbilden lassen und plant weitere Fortbildungen.