Hamburg  Bauern als Gefahr: Anke Engelke sorgt mit Neufassung von Kinderbuch für Ärger

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 16.02.2024 21:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anke Engelke sorgt mit ihrem neuen Kinderbuch für eine Kontroverse. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Anke Engelke sorgt mit ihrem neuen Kinderbuch für eine Kontroverse. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
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Eigentlich wollte Entertainerin Anke Engelke mit ihrem neuen Buch Kindern nur eine gute Zeit bescheren. Doch nun steht sie im Zentrum eines Shitstorms, weil in ihrer Geschichte Landwirte als Feinde der Protagonisten dargestellt werden. Wie sie darauf reagiert.

Komikerin Anke Engelke muss derzeit wegen ihrer Neuauflage eines Kinderbuch-Klassikers harsche Kritik einstecken. In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch „Die neue Häschenschule – Wie Fuchs und Hase Freunde wurden“ werden Landwirte als großer Feind des Hasen dargestellt – anders als noch in der Originalfassung. Für einige sei das eine verzerrte Darstellung einer wichtigen Branche.

In der Ursprungsgeschichte „Die Häschenschule“ von Albert Sixtus, die vor genau 100 Jahren erschienen ist, war noch der Fuchs die größte Gefahr der kleinen Häschen. Neben Pflanzenkunde, Gartenarbeit und Ostereier bemalen stand auch Tierkunde auf dem Lehrplan, wo hervorgehoben wurde, warum das rote Raubtier so böse ist.

Doch nun wird dieses Bild aufgebrochen, der Fuchs ist plötzlich nett, vegan und wird zum guten Freund der Häschen. In der Buchbeschreibung von Engelkes Neuauflage heißt es:

„Ein Fuchsjunge, der Möhren als Pausensnack auspackt, ist keine Gefahr! Die droht von ganz anderer Seite und Fuchs und Hase können die schwierige Lage nur zusammen meistern...“

Die Gefahr drohe nun vielmehr von Landwirten, die Gift auf ihren Feldern versprühen und mit ihren großen Landmaschinen über die Äcker pflügen.

Viele Landwirte sind angesichts der jüngsten Streichungen der Agrarsubventionen, die zu einigen großen Bauernprotesten führten, sowieso schon gereizt. Da kommt ein Buch wie dieses für die Berufsgruppe wohl zur Unzeit. Erfreut sind sie darüber jedenfalls nicht, wie das „Bayerische landwirtschaftliche Wochenblatt“ vermuten lässt. Es fasst die Neuerungen sarkastisch zusammen: „Bauern vergiften die Umwelt, Jäger schießen süße Tiere tot und Mähdrescher sind gefährliches Teufelszeug.“

Auch der bekannte Lohnunternehmer Markus Wipperfürth hat sich hierzu geäußert, allerdings ziemlich differenziert: „Ich habe etwas gegen Diffamierung von Minderheiten“, sagt er in einem Video und erinnert sich dabei an seine Schulzeit zurück, in der Bauernkinder in keinem guten Licht standen und darunter gelitten hätten. „Und solche Bücher tragen natürlich nicht unbedingt dazu bei, dass sich das ändert“, urteilt er.

Doch er hege keinen Groll gegen die 58-jährige Entertainerin, ganz im Gegenteil: Er sei jahrelanger Fan von ihr, das würde auch das Buch nicht ändern. Drum lädt er sie zu einer Lesung vor Landwirten ein, um mit ihnen anschließend in einen Austausch zu treten.

Auch abseits dessen sorgt das Buch für gemischte Reaktionen. Unter ihrem letzten Facebook-Beitrag vom Dezember gibt es viele kritische und verurteilende Kommentare: „Wie kann man nur so unsäglich dumme Sachen schreiben um Kinder in die Irre zu führen“, heißt es dort etwa.

In den Amazon-Bewertungen geht es dagegen deutlich beschwichtigender zu: „Ich find die Geschichte süß gemacht“, beginnt eine Nutzerin ihre Rezension, und schreibt weiter: „Und nein, ich habe nichts gegen Bauern, die für unser veganes Essen sorgen. Im Gegenteil, ich weiß ihre Arbeit, die oftmals auch nicht einfach ist, sehr zu schätzen! Es ist ja aber auch nicht falsch zu sagen, dass Mähdrescher oder Spritzmittel eine Gefahr für Tiere sein können. Und ich glaube, man kann das Ganze seinen Kindern schon richtig vermitteln, ohne generell alle Bauern zu verteufeln.“

Und wie reagiert Anke Engelke auf die Kritik? Im Interview mit der „Süddeutschen“ klärt sie auf, dass die Idee mit den Landwirten nicht von ihr ausging. „Dem Team vom Verlag war wichtig, dass es auch in der neuen Version einen Konflikt oder eine Gefahr gibt.“ Deshalb seien sie gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, die neue Freundschaft von Hase und Fuchs einer Gefahr auszusetzen.

„Ich möchte den Kindern auch nicht das Bild nehmen, dass es schön wäre, später Bauer zu werden“, stellt sie klar, doch ergänzt: „Aber den Menschen zum Buhmann zu machen, das musste ich für die Geschichte in Kauf nehmen.“

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