Unmut in Westoverledingen  Wenn enge Drängelgitter weiter den Weg versperren

| | 16.02.2024 18:17 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wilma van der Pütten aus Flachsmeer ist auf ihr Dreirad angewiesen. Doch wenn die 80-Jährige mit ihrem elektronisch angetriebenen Dreirad unterwegs ist, kommt sie an einigen Stellen in der Gemeinde wegen zu enger Drängelgitter nicht weiter. Foto: Ammermann
Wilma van der Pütten aus Flachsmeer ist auf ihr Dreirad angewiesen. Doch wenn die 80-Jährige mit ihrem elektronisch angetriebenen Dreirad unterwegs ist, kommt sie an einigen Stellen in der Gemeinde wegen zu enger Drängelgitter nicht weiter. Foto: Ammermann
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Wenn die 80 Jahre alte Wilma van der Pütten mit ihrem elektronisch angetriebenen Dreirad in Westoverledingen unterwegs ist, dann versperren ihr immer wieder Drängelgitter den Weg. Darüber ärgert sie sich.

Flachsmeer/Westoverledingen - Wenn die 80 Jahre alte Wilma van der Pütten aus Flachsmeer mit ihrem großen, elektronisch angetriebenen Dreirad in der Gemeinde Westoverledingen unterwegs ist, dann muss sie schon genau überlegen, wo sie lang fährt. Denn die Flachsmeererin kann mit ihrem Dreirad nicht überall langfahren - immer wieder versperren ihr unter anderem eng gesetzte Drängelgitter den Weg.

Die Drängelgitter zum Glockenheideweg in Flachsmeer stehen weiter auseinander. Foto: Ammermann
Die Drängelgitter zum Glockenheideweg in Flachsmeer stehen weiter auseinander. Foto: Ammermann

Problem ist der Gemeinde bekannt

Ob in der Lindenstraße oder in der Kapellenstraße - immer wieder verhindern enge Umlaufsperren ein Weiterkommen mit dem Dreirad, auf dem die 80-Jährige, die körperliche Einschränkungen hat, angewiesen ist. Vor Jahren hatte sie noch Unterstützung durch ihren Ehemann, der das schwere Dreirad dann herumgezogen oder umgedreht hat. Doch ihr Mann ist mittlerweile verstorben.

Bei dem Thema Umlaufsperren gibt es nach Auskunft von van der Pütten aber auch positive Beispiele. „Die Zuwegung zur neuen Siedlung bei mir in der Nähe, da sind die Drängelgitter so gesetzt worden, dass ich da mit meinem Dreirad durchfahren kann“, sagte Wilma van der Pütten. Sie hofft weiterhin darauf, dass die Gemeinde Westoverledingen reagiert und Drängelgitter weiter auseinander stellt. Denn das Problem mit den Umlaufsperren ist seit Jahren bei der Gemeinde, die für das Aufstellen der Umlaufsperren unter anderem auf Radwegen zuständig ist, die in der Zuständigkeit der Kommune liegen, bekannt. „Umlaufsperren werden grundsätzlich zur Gefahrenabwehr aufgestellt, so dass insbesondere Kinder nicht mit unverminderter Geschwindigkeit auf die Fahrbahn gelangen. Es gibt dabei keine konkreten baulichen Vorgaben.

Nicht alle Drängelgitter entsprechen der Norm

Es gibt aber beispielsweise Empfehlungen des ADFC. Im Gemeindegebiet gibt es Umlaufsperren, die aktuell nicht alle Empfehlungen des ADFC erfüllen. Bei Bedarf werden die Umlaufsperren entsprechend den Empfehlungen angepasst“, teilte Kirsten Beening, Pressesprecherin der Gemeinde, auf Anfrage mit. Und weiter: „Alle zukünftigen Umlaufsperren werden unter Beachtung der neuesten Vorgaben aufgestellt.“

Das ist auch notwendig. Denn gerade mit Blick zum Beispiel auf den Radtourismus ist ausreichend Platz notwendig, damit die Radfahrer mit ihren vollgepackten Seitentaschen durch die Drängelgitter fahren können. Allerdings, darauf weist die Pressesprecherin auch hin, sollen Absperrgitter als Barriere wirken und die Radfahrer zwingen, ihre Geschwindigkeit zum Beispiel vor einer kreuzenden Straße zu reduzieren. „Deshalb ist es wichtig, dass der Abstand zwischen den Gittern nicht zu groß ist“, führte Beening aus.

Umlaufgitter stellen Behinderung dar

Werner Erfeling vom Allgemeinen Fahrradclub (ADFC) Westoverledingen, kennt die Problematik mit den Drängelgittern. „Es gibt Gemeinden, die haben mittlerweile viele dieser Umlaufsperren abgebaut“, sagte Erfeling. Nach seinen Angaben würden auch in Westoverledingen viele der aufgestellten Drängelgitter nicht der Norm entsprechen. Das bedeutet, dass unter anderem der Abstand oder der Winkel nicht richtig sind. Erfeling regt eine Überprüfung an, ob wirklich alle Drängelgitter - gerade die auf den Nebenstraßen - bleiben müssen, oder abgebaut werden können. Denn gerade mit Blick auf Dreiräder, die Lastenräder, die immer beliebter werden, oder auch Rollstühlen und Rollatoren stellen die Umlaufsperren für die Nutzer oft eine Behinderung dar. „Diese Umlaufsperren bringen Vorteile, aber auch viele Nachteile“, sagte Erfeling. Im Bereich von Schulen oder Kindergärten, wo viele Mädchen und Jungen unterwegs seien, würden diese Gitter dafür sorgen, dass die Kinder nicht direkt auf die Straße fahren könnten. „Aber da sollten sie so aufgestellt sein, wie es die Norm vorschreibt.“

Nach Auskunft der Polizeiinspektion Leer/Emden gab es durch den vermehrten Einsatz von Fahrrädern mit Anhängern beziehungsweise Lastenrädern auch in anderen Kommunen Probleme beim Durchfahren oder Durchlaufen der Sperren. Dieses Problem wurde oftmals durch einen etwas größeren Abstand zwischen den versetzt aufgestellten Gittern behoben. Das ist aber Aufgabe der Kommune. Zu möglichen Unfällen im Zusammenhang mit Drängelgittern konnte die Polizei keine Angaben machen. „Wir können diese Unfälle leider nicht auswerten, da der entsprechende Vermerk fehlt. Bei der Sichtung der täglichen Unfall-Lage sind jedoch keine Auffälligkeit bei Ereignissen dieser Art aufgefallen. Da es sich in der Regel um alleinbeteiligte Unfälle“ handelt, ist ein entsprechendes Anzeigeverhalten aber auch nicht zu erwarten“, so eine Pressesprecherin der Polizeiinspektion.

Hinweis auf veränderte Verkehrsführung

Und sie führte weiter aus: „Es gab bereits einige wenige Anfragen hinsichtlich der Entfernung der Umlaufsperren. Aus polizeilicher Sicht sind die optisch gut sichtbaren Einrichtungen an den entsprechenden Stellen ein hervorragendes Sicherheitselement für die Radfahrer. Eine vorfahrtregelnde Beschilderung wird oft übersehen beziehungsweise ignoriert. Gerade für Kinder, Ortsfremde oder Gruppen von Radfahrenden ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine veränderte Verkehrsführung.“

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