Kolumne „Bi Karkens“  Der nötige Ruck

Quinton Ceasar
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Eine Kolumne von Quinton Ceasar
| 16.02.2024 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Quinton Ceasar
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Fünf Worte können nach Ansicht unseres Kolumnisten zu einer Plattform für echte Veränderung in Kirche und Gesellschaft werden.

Im Frühjahr 2023 waren meine Tochter, meine Frau und ich in Gedanken versunken, als wir die ersten Sonnenstunden genossen. Als wir dort saßen und über die Themen nachdachten, die unsere Herzen und Gedanken, unseren Glauben beschäftigen, formte sich folgender Satz: „Wir vertrauen eurer Liebe nicht.“ In dem Moment, als diese Worte gesprochen wurden, erfüllten sie die Frühlingsluft mit Trauer, Erleichterung und Hoffnung. Denn in diesen fünf Worten entblößt sich die gelebte Realität von marginalisierten Menschen in unserer Kirche und unserer Gesellschaft in ihrer ganzen Hässlichkeit.

Mir haben immer wieder Menschen von ähnlichen Erfahrungen mit diesen fünf Worten erzählt, denn sie machen die Wahrheit über die Ungerechtigkeiten und Verletzungen hörbar, die von Menschen, Strukturen und Institutionen verursacht werden. Ableismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus, Sexismus und Rassismus gedeihen noch immer in der Gesellschaft. Und ja, auch in der Kirche, wo hartnäckig an der Illusion festgehalten wird, dass „wir die Guten sind“.

Mit der Studie zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland, kommt der nächste Realitätscheck für unser kirchliches Selbstverständnis. Die Studie unterstreicht das furchtbare Unrecht, das betroffene Personen innerhalb unserer Gemeinschaft erlebt haben und immer noch erleben. Nancy Janz, Mitglied im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der EKD, hat selbst Missbrauch erlebt und sagt, dass die Studie das Potenzial hat, „zu einem Ruck zu werden, der die Kirche endlich verändert, wenn sie will. Von hier aus könnte sich die evangelische Kirche entwickeln, zeigen, dass sie Verantwortung übernimmt, und sicherer werden“. Amen. Möge es so sein. „Wir vertrauen eurer Liebe nicht“, fordert uns auf, die schmerzhafte Realität der Ungerechtigkeiten in unserer Kirche und Gesellschaft ehrlich und offen anzuerkennen und zu benennen. Und für diejenigen zu kämpfen und laut zu werden, die abgekämpft sind und keine Worte mehr haben, können diese fünf Worte zu einer Plattform für echte Veränderung in unserer Kirche werden.

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