Neue Wasserstoff-Anlage EWE investiert mehr als eine halbe Milliarde Euro in Emden
Gute Nachrichten für die Wirtschaft in Emden: EWE baut hier eine große Anlage zur Produktion von Wasserstoff. Weitere Projekte sind in Planung.
Emden/Oldenburg - Der Nordwesten Deutschlands ist seinem Ziel, eine Wasserstoff-Hochburg zu werden, wieder einen Schritt näher gekommen. Wie der Oldenburger Energiedienstleister EWE am Donnerstag bekannt gab, können nun insgesamt 800 Millionen Euro in der Region investiert werden. Ein Gutteil dieses Geldes geht nach Ostfriesland.
„Mit der beihilferechtlichen EU-Fördergenehmigung und der bereits avisierten nationalen Förderung steht jetzt der Rahmen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft im Nordwesten“, sagte EWE-Chef Stefan Dohler. „Wasserstoff hat das Potenzial, Wohlstand und Klimaschutz für zukünftige Generationen zu ermöglichen.“ Offen ist allerdings noch, wie der Wohlstand, zum Beispiel in Form von neuen Arbeitsplätzen, in der Region geschaffen werden soll.
800 Millionen Euro für Wasserstoff
Zunächst einmal fließt Geld, viel Geld. Die genannten 800 Millionen Euro stammen aus EWE-Mitteln und vermutlich einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag an Fördermitteln. Die EU-Kommission hat diese Förderung des großtechnischen Wasserstoffprojektes „Clean Hydrogen Coastline“ am Donnerstag freigegeben. Es ist die Basis für die Fördermittelausschüttung. Im Mittelpunkt stehen vier Projekte.
Im Teilprojekt 1 „Clean Hydrogen Coastline – Elektrolyse Ostfriesland“ will EWE in Emden eine 320-Megawatt-Elektrolyseanlage bauen. Damit will der Energiedienstleister nach eigenem Bekunden erstmalig ein Projekt im marktrelevanten Maßstab für eine künftige Wasserstoffwertschöpfung realisieren. Je nach Zeitpunkt der Fördermittelübergabe und Investitionsentscheidung durch EWE könnte in Emden bereits in vier Jahren Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Dafür plant EWE mit Investitionen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro, wie die Oldenburger auf Nachfrage mitteilten. Mit wem sie dabei zusammenarbeiten werden, steht offenbar noch nicht fest.
Kleinere Anlage in Bremen
Im Teilprojekt 2 „Clean Hydrogen Coastline – Elektrolyse Bremen“ will EWE in Bremen eine 50-Megawatt-Elektrolyseanlage zur grünen Wasserstofferzeugung bauen. Nutzen will EWE den grünen, in Emden und Bremen produzierten Wasserstoff unter anderem für die klimaneutrale Stahlproduktion. Geplant ist dies beispielsweise am Bremer Standort von ArcelorMittal, bei der Salzgitter AG und in der Georgsmarienhütte.
Im dritten Teilprojekt „Clean Hydrogen Coastline – Speicher Huntorf“ plant EWE die Anbindung der Wasserstoffinfrastruktur an seinen Kavernenspeicher in Huntorf. Ziel ist es, einen von sieben großen, unterirdischen Hohlräumen, die derzeit für die Erdgasspeicherung genutzt werden, umzurüsten und über Tage Anlagen zu errichten, um Wasserstoff zu speichern.
Züge sollen mit Wasserstoff fahren
Teilprojekt 4 „Clean Hydrogen Coastline – H2-Pipeline-Infrastruktur Nordwest“ hat das Ziel, die Gasinfrastruktur für Wasserstoff im Nordwesten zu verbessern. Durch den Bau und die Umstellung von mehreren Pipeline-Abschnitten wollen die Oldenburger den Anschluss an das zukünftige europaweite Wasserstofftransportnetz herstellen.
Mit dem gesamten Vorhaben beabsichtigt EWE, 370 Megawatt Erzeugungskapazität mit entsprechender Speicherung von grünem Wasserstoff in unterirdischen Salzkavernen ins Energiesystem zu integrieren. Der etwa durch Offshore-Strom erzeugte Wasserstoff soll unter anderem für die klimaneutrale Stahlerzeugung, die Chemieindustrie und auch Kraftwerke eingesetzt werden.
Außerdem kann laut EWE auf diese Weise die Grundlage geschaffen werden, um wasserstoffbetriebene Busse, Züge und Nutzfahrzeuge fahren zu lassen. Und die Optimierung der Gasnetze für den Transport von Wasserstoff im Nordwesten würde eine Verbindung für das grüne Gas zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark ermöglichen.