Hannover Warum Niedersachsens Kultusministerin Schülern zur Nutzung von KI rät
Sind Chat-GPT und Künstliche Intelligenz (KI) für Schulen geeignet? Dürfen Lehrer sich bei der AfD engagieren? Und was halten Sie als Grüne ohne Auto eigentlich von Elterntaxis, Julia Willie Hamburg? Im Interview gibt Niedersachsens Kultusministerin Antworten.
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg unterstützt den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) an Schulen. „Chat-GPT und Künstliche Intelligenz können Schule und Unterricht definitiv bereichern. Solche Programme können Impulse geben und dazu anregen, auch mal um die Ecke zu denken“, sagt die Grünen-Politikerin im Interview.
Außerdem rät sie dazu, beim Schulweg möglichst auf „Eltern-Taxis“ zu verzichten und Kinder die Strecke zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen zu lassen. Sollte es regnen, könnten Eltern „natürlich das Auto, den Bus oder die Bahn nehmen“, betont Hamburg. „Oder sie geben ihren Kindern einen Regenschirm in die Hand. Wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, erklärt die Ministerin, die mit ihrer Familie in Hannover wohnt und selbst kein Auto hat.
Hier das komplette Interview im Wortlaut:
Frage: Frau Hamburg, Hand aufs Herz: Nutzen Sie Künstliche Intelligenz (KI) wie Chat-GPT für Ihre Reden?
Antwort: Nein, ich schreibe meine Reden selbst oder lasse Sie im Ministerium schreiben und spreche auch viel frei. Ich habe aber von Chat-GPT mal spaßeshalber etwas zur Schule der Zukunft schreiben lassen und war erstaunt, wie treffsicher dieses Programm Reden schreiben kann. Ich verstehe durchaus, wenn Leute das als Impulsgeber nutzen.
Frage: Auch Schüler?
Antwort: Warum nicht? Chat-GPT und Künstliche Intelligenz können Schule und Unterricht definitiv bereichern. Solche Programme können Impulse geben und dazu anregen, auch mal um die Ecke zu denken, aber sie sind natürlich kein Ersatz für das eigene Wissen. Am Ende ist es ein Werkzeug wie in Mathematik der Taschenrechner.
Frage: Was aber, wenn jemand die Aufgabenstellung einer größeren Hausarbeit von Chat-GPT bearbeiten lässt?
Antwort: Genau vor dieser Herausforderung stehen die Schulen aktuell. Einerseits muss es darum gehen, sich Aufgabenstellungen zu überlegen, für die sich Chat-GPT nicht eignet. Gleichzeitig ist es wichtig, dort, wo das Programm genutzt werden könnte, aufzuzeigen, wie es eingesetzt werden darf. Der Einsatz muss dann beispielsweise wie bei Quellennachweisen kenntlich gemacht werden.
Frage: Ist KI auch schon was für Grundschüler oder eher für ältere Jahrgänge?
Antwort: An Grundschulen geht es ja vor allem um lesen, schreiben und rechnen. Beim Erlernen dieser Grundkenntnisse würde ein KI-Programm überfordern. Hier würde der Einsatz von KI weglenken davon, was die Kinder eigentlich lernen sollen. KI ist etwas für weiterführende Schulen, etwa ab Klasse sieben.
Frage: Wo wir gerade bei den Grundschulen sind: Steffen Krach, Präsident der Region Hannover, fordert, Demokratie schon ab der ersten Klasse als Pflichtfach einzuführen. Halten Sie das für denkbar?
Antwort: Ich teile die Einschätzung, dass wir sehr früh damit beginnen müssen, Demokratie zu lernen und zu lehren. Wir haben sogar Fortbildungsangebote dazu, wie man Demokratie in einer Kita leben kann. Da können die Kinder dann beispielsweise über Brokkoli oder Möhren zum Mittag abstimmen. Kurzum: Demokratie muss sehr früh vermittelt werden und das passiert bereits. Dafür braucht es kein eigenes Schulfach.
Frage: An den Schulen nimmt nach Beobachtungen des Deutschen Lehrerverbandes der Anteil der Schüler zu, die gesellschaftliche Grundwerte in Deutschland ablehnen. Präsident Stefan Düll sagte unserer Redaktion kürzlich: „Hier ein antisemitischer Spruch, dort offen gezeigte Abneigung gegenüber Homosexuellen: Es ist so, dass ein Teil der Schüler an Deutschlands Schulen nicht auf dem Wertefundament des Grundgesetzes steht.“ Wird Ihnen das aus Schulen in Niedersachsen auch gespiegelt?
Antwort: Wir nehmen durchaus wahr, dass heftige Debatten und Verschwörungstheorien, die im Netz oder in der Gesellschaft kursieren, auch in die Schulen getragen werden. Umfragen legen überdies nah, dass Kinder und Jugendliche durchaus empfänglich sind für Misstrauen in staatliche Institutionen und Demokratieskepsis einerseits, aber andererseits auch bei gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Insofern ist das ein Thema für unsere Schulen, übrigens auch, weil über soziale Netzwerke sehr viele Falschnachrichten in die Klassenräume getragen werden, was für Lehrkräfte eine extreme Herausforderung bedeutet.
Frage: Spricht eigentlich was gegen ein parteipolitisches Engagement von Lehrern?
Antwort: Nein, es ist erlaubt, dass sich Lehrkräfte außerhalb der Schule als Privatperson parteipolitisch engagieren. Es ist aber nicht erlaubt, dass sie im Unterricht Parteipolitik machen, indem sie womöglich von ihren Schülerinnen und Schülern die gleiche Meinung erwarten oder die eigene Meinung als alleinig richtig darstellen. Für die Demokratie zu werben und eine demokratische Haltung einzufordern, hat hingegen nichts mit Parteipolitik zu tun.
Frage: Und wenn Lehrer der AfD angehören?
Antwort: Die AfD ist als Partei nicht verboten und insofern können auch Lehrkräfte Mitglied bei der AfD sein. Hier gilt aber ebenso, dass das keinen parteipolitischen Einfluss auf den Unterricht oder die Haltung der Schülerinnen und Schüler haben darf.
Frage: Die AfD gilt in Teilen als rechtsextrem. Was ist, wenn bei der AfD engagierte Lehrer Sätze wiederholen, wonach Hitler und die Nazis nur ein „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte” gewesen seien und damit den Holocaust relativieren?
Antwort: An der Stelle ist Schluss. Man kann als Lehrkraft in einer zugelassenen Partei sein – auch in der AfD. Man darf aber keine Äußerungen tätigen, die demokratie- und menschenfeindlich sind. Bekommen wir das mit, hat das Konsequenzen, die – je nach Tragweite – über ein mehrstufiges Verfahren beginnend mit einem Personalgespräch bis zum Disziplinarverfahren oder einer Abmahnung bis hin zur Entfernung aus dem Dienst reichen können. Übrigens ist es auch die Pflicht unserer Lehrerinnen und Lehrer, solchen Äußerungen zu widersprechen und sie historisch einzuordnen. An der Stelle hört die Neutralitätspflicht von Lehrerinnen und Lehrern auf und kommt die Pflicht zur Verfassungstreue in einer wehrhaften Demokratie zum Tragen.
Frage: Sie sind Grünen-Politikerin mit Führerschein, aber ohne Auto. Gerade in der kalten Jahreszeit sind vor Schulen vermehrt Eltern zu beobachten, die ihre kleinen Kinder mit großen Autos zur Schule fahren. Was halten Sie von diesen Eltern-Taxis?
Antwort: Seit vielen Jahren wirbt die Landesregierung gemeinsam mit vielen Verbänden dafür, dass Kinder zu Fuß zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Wenn viele Autos vor der Schule herumfahren, steigt das Unfallrisiko, Schulen beklagen viele gefährliche Situationen. Zudem tut die Bewegung an der frischen Luft den Kindern gut, dann kommen sie fitter im Unterricht an.
Frage: Was aber, wenn die Eltern bei schlechtem Wetter Sorgen haben, dass ihre Kinder nass werden?
Antwort: Natürlich können Eltern das Auto, den Bus oder die Bahn nehmen. Oder sie geben ihren Kindern einen Regenschirm in die Hand. Wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
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