Wiesbaden  Bis dass der Tod euch scheidet: So entwickeln sich Ehescheidungen in Deutschland

Lara Schmidt
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Von Lara Schmidt
| 09.02.2024 19:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Während Eheschließungen wieder zunehmen, ist die Zahl der Ehescheidungen weiterhin rückläufig. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
Während Eheschließungen wieder zunehmen, ist die Zahl der Ehescheidungen weiterhin rückläufig. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie
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Jedes Jahr gehen Hunderttausende Menschen den Bund fürs Leben ein. Doch nicht für alle ist das Eheglück von Dauer. Ein Überblick über die Entwicklung von Ehescheidungen in Deutschland.

Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist Ende 2022 verheiratet gewesen oder hat in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt. Doch nicht für alle Verheirateten ist es Glück bis ans Lebensende. So ist die Zahl der Ehescheidungen zwar im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent gesunken – aber dennoch ließen sich 2022 rund 137.400 Paare scheiden, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.

Besonders das sechste Jahr nach der Heirat scheint Paare auf den Prüfstand zu stellen: In diesem Zeitraum verzeichnet das Statistische Bundesamt die meisten geschiedenen Ehen. In den Jahren danach nimmt die Zahl der Ehescheidungen kontinuierlich ab, wie die nachfolgende Statista-Grafik veranschaulicht:

In der Regel liegt die Ehedauer aber deutlich über sechs Jahren. So bleiben Paare durchschnittlich 15,1 Jahre verheiratet.

Außerdem enden die meisten Ehen nicht vor Gericht, sondern durch den Tod des Ehepartners. Während Ehelösungen durch Todesfälle zwischen 1970 und den 2000ern eher rückläufig waren, nimmt die Zahl seit der Jahrtausendwende wieder zu. Mit Ehescheidungen vor Gericht hingegen zeigt sich ein gegenwärtiger Trend. Nachfolgende Statista-Grafik gibt einen Überblick über die Entwicklungen:

Für das Jahr 2022 wurden folglich mehr als dreimal so viele Ehelösungen durch den Tod eines Ehepartners wie durch die richterliche Scheidung verzeichnet.

Lesen Sie auch: Nach Tod des Ehepartners wieder heiraten: Was passiert mit der Witwenrente?

Hinter diesen Entwicklungen stecken vielfältige soziale wie gesellschaftspolitische Gründe. Mitunter wird die Rückkehr konservativer Familienwerte genannt, nach denen die Ehe einen Rückzugsort in Krisenzeiten bietet. Auch von einem Ehewandel ist die Rede. Gegenüber „ZDF heute“ sagt Soziologie Michael Wutzler: „Es gibt nicht mehr wie damals diese Verpflichtung zur Ehe, sondern es gibt inzwischen sehr viele individuelle Gründe zu heiraten oder eben auch nicht zu heiraten.“

Er plädiere dafür, nicht von einem „Bedeutungsverlust der Ehe“ zu sprechen, „sondern von einem Bedeutungswandel“. Genau wissen aber auch Experten nicht, warum sich die Zahlen zu Eheschließungen und -scheidungen entsprechend entwickeln.

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