Ideen gesammelt  Moormerländer mischen sich beim Radverkehr ein

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 09.02.2024 17:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jeder Gast konnte auf Landkarten seine Ideen einzeichnen und Vorschläge anpinnen. Foto: Lüppen
Jeder Gast konnte auf Landkarten seine Ideen einzeichnen und Vorschläge anpinnen. Foto: Lüppen
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Wie kann das Fahrradfahren in Moormerland verbessert werden? Ein Experte stellte ein Konzept dazu vor, dann konnten sich Bürger beteiligen. Und das taten sie.

Moormerland - Zwischen Ems und Fehn ist es fürs Fahrradfahren eigentlich ideal: Viel Landschaft, gerade Straßen, keine Steigungen – höchstens mal an einer Brücke. Dass es trotzdem einiges zu verbessern gibt, wurde am Donnerstag (8. Februar 2024) bei einer Veranstaltung im Rathaus deutlich. Dort konnten Moormerländer Kritik und Ideen beisteuern – dabei machten viele mit.

Sehr viele Interessierte waren zu der Veranstaltung ins Rathaus gekommen. Foto: Lüppen
Sehr viele Interessierte waren zu der Veranstaltung ins Rathaus gekommen. Foto: Lüppen

Es mussten noch zwei Reihen Stühle zusätzlich in den Ratssaal getragen werden, so viele Interessierte waren erschienen, als Jan Schütter vom Ingenieurbüro Roelcke, Schütter & Schwerdhelm aus Varel zunächst das von der Gemeinde angestoßene Radverkehrskonzept vorstellte. Dies ist momentan vor allem eine Zustandsbeschreibung. Die fällt nicht immer positiv aus.

Konflikte mit Autofahrern

Zwar seien die meisten Straßen gut ausgebaut und mit Radwegen versehen, so Schütter. Doch viele entsprechen nicht mehr den heutigen Standards was Breite und Beschaffenheit betrifft. Die Folge ist, dass manche Radwege gar keine mehr sind, sondern lediglich als Gehweg auch für Radfahrer frei gegeben sind. Das bedeutet, dass dort nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Das wüssten aber längst nicht alle. Konflikte sind somit programmiert.

Jan Schütter vom Ingenieurbüro stellte die bisherigen Erkenntnisse zum Radverkehr in Moormerland vor. Foto: Lüppen
Jan Schütter vom Ingenieurbüro stellte die bisherigen Erkenntnisse zum Radverkehr in Moormerland vor. Foto: Lüppen

Denn wenn Radfahrer – den Regeln entsprechend – auf der Straße fahren, werden sie von Autofahrern angehupt, beschimpft oder gar beleidigt. Schütter schilderte das aus eigener Anschauung, aber viele im Saal nickten zustimmend. „Ich mache alles richtig, aber werde ständig angehupt oder man zeigt den Stinkefinger“, berichtete auch ein Zuhörer. Schütter zeigte ein Foto aus Varel. Dort wurde ein Schild aufgestellt, das für spürbar mehr Ruhe sorge.

Die meisten Unfälle passieren beim Abbiegen

Auf dem Schild steht lediglich, dass Radfahrer die Fahrbahn benutzen dürfen. „Das hat das Hupen um die Hälfte reduziert“, sagt Schütter. Das Schild gehöre nicht zum Katalog der offiziellen Verkehrszeichen, sondern sei von der Gemeinde freiwillig aufgestellt worden. Es könne vielleicht auch in Moormerland helfen.

Experte Jan Schütter diskutierte mit den Teilnehmern. Foto: Lüppen
Experte Jan Schütter diskutierte mit den Teilnehmern. Foto: Lüppen

Die meisten Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, würden beim Einbiegen passieren. Vielfach seien dann die Radfahrer auf der linken Seite unterwegs, also gegen die Fahrtrichtung, „und zwar erlaubt und unerlaubt“, wie Schütter sagte. Unfälle zwischen Radfahrenden und Fußgängern seien hingegen selten, wobei die Dunkelziffer sicherlich hoch sei, weil die Zwischenfälle untereinander geregelt werden, ohne die Polizei einzuschalten.

Ideen werden auf Landkarten gepinnt

Dann waren die Gäste gefragt: Sie durften zu Filzstiften und Kärtchen greifen und ihre Ideen auf Landkarten und Grafiken pinnen, die dafür an Stellwänden hingen. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht und es entwickelten sich viele Diskussionen. Das betraf einerseits die Radwege im Zentrum, aber es gibt auch den Wunsch nach einem Radweg an der Kleinen Westerwieke in Jheringsfehn. Viele Vorschläge zielten auf die geplante Kurbelfähre am Fehntjer Tief ab.

Vor den Stellwänden entwickelten sich viele Diskussionen. Foto: Lüppen
Vor den Stellwänden entwickelten sich viele Diskussionen. Foto: Lüppen

Eine Alternative dazu regte Gesa Buss aus Warsingsfehn an: „Wieso kann man nicht einen Radweg an der Autobahnbrücke anbringen?“ Dann werde die Kurbelfähre nicht mehr benötigt, es gebe eine gute Anbindung über den Leidsweg und der Weg wäre ganzjährig nutzbar. Außerdem wären Reparaturstationen hilfreich, vor allem am Wochenende und in Urlaubszeiten. „Ich hatte mal eine Panne und alle Fahrradläden hatten gleichzeitig Betriebsferien“, erzählt sie.

Alles wird wohlwollend geprüft

Für Dorothea und Gebhard Helmers steht die Rorichmoorer Straße an vorderster Stelle. Dort reiht sich gegenwärtig ein Schlagloch ans andere. Die Gemeinde plant eine Sanierung. Außerdem wünschen die beiden sich, dass der Baumweg in Jheringsfehn so hergerichtet wird, dass er nicht nur für Spaziergänger, sondern auch für Radfahrer benutzbar wird. „Das wäre eine tolle Ausflugsstrecke“, schwärmen die beiden.

Hans-Hermann Joachim von der ADFC-Ortsgruppe Moormerland-Hesel beteiligte sich an den Diskussionen. Foto: Lüppen
Hans-Hermann Joachim von der ADFC-Ortsgruppe Moormerland-Hesel beteiligte sich an den Diskussionen. Foto: Lüppen

Die Vorschläge werden nun gesammelt. „Sie werden alle berücksichtigt“, sagte Schütter. Das heiße aber nicht, dass auch alle umgesetzt werden. „Aber wir prüfen alles wohlwollend“, unterstrich er. Eingangs hatte auch Bürgermeister Hendrik Schulz (SPD) gesagt, dass die Gemeinde ein Interesse daran habe, das Radfahren attraktiver zu machen. Scherzhaft merkte er an, dass es nicht möglich sei, Wieken zuzuschütten, um Platz für Radwege zu schaffen.

So kann man jetzt noch mitmachen

Das Büro werde nun die Arbeit am Konzept fortsetzen, das Ergebnis wird einem Arbeitskreis vorgestellt, dem neben Ratsmitgliedern und Verwaltung die Vertreter von Polizei, dem ADFC und anderen angehören. Danach werde es öffentlich vorgestellt und gehe dann in die Ratsgremien. „Eine Beteiligung wie diese Veranstaltung ist erstmal nicht mehr vorgesehen“, sagt Ines Hinrichs, Leiterin der Tourist-Information.

Es gibt viel Kritik an den Radverbindungen in der Gemeinde Moormerland. Foto: Lüppen
Es gibt viel Kritik an den Radverbindungen in der Gemeinde Moormerland. Foto: Lüppen

Trotzdem gibt es eine Möglichkeit, wie Moormerländer, die am Donnerstag keine Zeit hatten, ihre Ideen noch mitteilen können: Dazu steht auf der Internetseite der Gemeinde ein Online-Fragebogen bereit. Dieser kann noch bis zum 11. März 2024 ausgefüllt werden.

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