Osnabrück Cleverer als gedacht? Manche Hunde kennen über 100 Begriffe
In einer Studie zu den sprachlichen Leistungsfähigkeiten von Hunden wurde untersucht, ob Hunde in der Lage sind, sich die Namen ihrer Spielzeuge zu merken. Die Ergebnisse zeigen: Einige können über 100 Begriffe erkennen – und andere nicht einmal einen.
Rico war ein Phänomen. Der Border Collie kannte die Namen von über 200 Gegenständen. Er brillierte damit bei „Wetten, dass…?“, und deutsche Forscher setzten ihm 2004 mit einem Artikel in Science auch ein Denkmal in der Wissenschaft. Doch eine ungarische Studie bestätigt nun: Unter den Hunden steht Rico mit seinem Wortverständnis nicht alleine da.
Das Forscherteam um Shany Dror von der Eötvös Loránd University in Budapest rekrutierte über einen internationalen Wettbewerb („Genius Dog Challenge“) 41 Hunde, die laut Angaben ihrer Halter mindestens fünf Gegenstände namentlich identifizieren konnten.
In einem anschließenden – online, per Videoschalte durchgeführten – Test kamen sie sogar auf durchschnittlich 29 Spielzeuge, die sie anhand der Namensnennung erkannten. Sie apportierten also beispielweise bei der Aufforderung „Hol‘ den Kaktus“ nicht etwa die Plastik-Sonnenblume, sondern tatsächlich die Spielzeugpflanze mit den Stacheln.
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Die wortgewandten Tiere kamen aus neun verschiedenen Ländern: 17 lebten in den USA, neun in England und fünf in Brasilien. Bei 23 handelte es sich – wie seinerzeit Rico – um Border Collies, doch es gab auch Labradore und Zwergspitze sowie Toypudel, Pekinesen und diverse Mischlinge unter den Sprachtalenten. Rüden waren mit 23 Exemplaren gegenüber den Weibchen geringfügig in der Überzahl.
Nach dieser ersten Erhebung gingen die Hundehalter daran, den Wortschatz ihrer Zöglinge zu erweitern. Ohne Vorgaben zur Methode und Intensität des Trainings. „Die Hunde entwickelten dabei eine erstaunliche Lerngeschwindigkeit“, berichtet Dror. Die Hälfte von ihnen brauchte nicht einmal fünf Minuten, in denen man ihnen ein neues Spielzeug samt Namen präsentierte – und sie hatten sich diese ihnen vorher unbekannte Kombination eingeprägt. Wobei das für ältere Tiere gleichermaßen galt wie für jüngere. Zwei Jahre nach der ersten Wortschatz-Erhebung waren 16 Hunde bei über 100 Spielzeugen, denen sie einen Namen zuordnen konnten.
Die ungarischen Forscher machten sich nun mit einem Fragebogen daran, mehr Details über die Umgebung und den Charakter der sprachbegabten Vierbeiner herauszufinden. Das Ergebnis: Gerade mal drei von ihnen hatten ein Herrchen oder Frauchen mit einem professionellen Background als Hundeausbilder, und deren Zöglinge stachen mit ihrem Wortschatz auch nicht heraus. „Dies deutet darauf hin, dass die Trainingsfähigkeiten der Besitzer wohl nicht der Hauptgrund für die Fähigkeiten dieser Hunde sind“, betont Dror, die selbst nicht nur als Verhaltensforscherin, sondern auch als Hundetrainerin arbeitet.
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Als weitaus bedeutsamerer Faktor hat sich hingegen die Spielleidenschaft der Hunde herausgestellt – und die Bereitschaft ihrer Halter, sich darauf einzulassen. „74 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie ihren Hunden nicht absichtlich beigebracht haben, die Namen von Spielzeug zu lernen.“ Dieser Effekt habe sich eher beiläufig, beim Spielen mit den Tieren, ergeben. Und das spielerische Interagieren passiert offenbar sehr häufig: Nämlich bei 80 Prozent der Hundehalter jeden Tag, und die übrigen 20 Prozent nannten immerhin zwei bis vier Spieleinheiten pro Woche.
Dies erklärt auch, warum Border Collies unter den Sprach-Genies der Hundewelt deutlich überrepräsentiert sind. Denn diese Rasse ist schon lange ein beliebter Hüte- und Familienhund, der gerne spielt und apportiert. Trotzdem gibt es auch hier viele, die gerne mit dem Menschen spielen – und dabei kaum ein Wort lernen. Wie überhaupt die Fähigkeit dazu den meisten Hunden abgeht, was auch Dror in ihrer Arbeit leidvoll feststellen musste.
Für eine andere Studie versuchte sie, 34 Hunden aus normalen Haushalten, die weder bei Hundetrainern lebten noch eine Vorauswahl durchlaufen hatten, ein paar Vokabeln beizubringen. Der Versuch scheiterte geradezu kläglich: „Trotz aller intensiver Bemühungen hatten sie nach drei Monaten nicht einmal die Namen von zwei Spielzeugen erlernt.“
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