Zwölf Jahre ohne Fortschritt Noch eine Wende für Rettungswache in Leer?
Die Sanitäter des DRK Leer brauchen dringend mehr Platz. Die Planung kommt aber nicht voran. Die CDU will dem Projekt jetzt Dampf machen.
Leer - Schon drei Standorte waren für eine neue Rettungswache für den Sanitätsdienst des DRK Leer ausgewählt. Seit mehr als zwölf Jahren wird über das Projekt verhandelt. Jahre, in denen sich die Sanitäter mit zu kleinen und veralteten Räumlichkeiten an der Heisfelder Straße arrangieren mussten. Zwölf Jahre, in denen das Projekt kaum einen Schritt vorwärts gekommen ist.
Am kommenden Dienstag, 13. Februar 2024, soll im Ausschuss für Feuerschutz, Rettungswesen und Katastrophenschutz über den neuen Bedarfsplan für den Landkreis Leer gesprochen werden. Dabei wird es „rund gehen“, wie unsere Redaktion gehört hat. Der Hintergrund: Nach einer Kehrtwende im vergangenen Jahr scheint nun in Sachen Rettungswache Leer schon wieder alles offen zu sein.
Neuer Bedarfsplan für Rettungsdienst
Im Juli 2023 wurde überraschend bekannt, dass der Kreisausschuss die Pläne für die Einrichtung der Wache am Klinikum Leer verworfen und stattdessen von der Verwaltung verlangt hatte, dass ein Grundstück für den Neubau gesucht werden soll. Seinerzeit hieß es, dass es Flächen im Besitz des Landkreises gebe, von denen ein Arbeitskreis eine auswählen sollte. Das soll zwar geschehen sein, doch soll die fragliche Fläche sich doch als ungeeignet erwiesen haben.
In einem Gespräch mit unserer Redaktion ließ Landrat Matthias Groote vorige Woche wissen, es werde beim Rettungsdienst „nachgesteuert und umgeplant“. Was damit genau gemeint ist, sagte er nicht. Näheres werde im Zusammenhang mit dem Bedarfsplan für den Rettungsdienst im Feuerschutzausschuss besprochen. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, wo zusätzliche Rettungswagen stationiert werden sollen, weil die Bevölkerung gewachsen ist.
Kritik kommt von der CDU
Eine Aussage, die bei Dieter Baumann (CDU) nicht gut ankommt. Er kritisiert, dass zu viel Zeit verstreicht, ohne dass eine Lösung für die Sanitäter verwirklicht wird. „Das DRK hat eigentlich ein Grundstück, dort könnte gebaut werden“, so der Moormerländer Kreistagspolitiker. Seit Jahrzehnten betreibt das Rote Kreuz den Rettungsdienst im Auftrag des Landkreises Leer. Der Kreisverband hatte 2018 das ehemalige Gebäude der Firma Lichtkraft Nord im Gewerbegebiet Nüttermoor gekauft – vorrangig, um dort die Rettungswache neu einzurichten.
Bis jetzt ist nur der Kreisverband mit seinen Büros vom Gebäude an der Heisfelder Straße nach Nüttermoor umgezogen. Der Umzug der Rettungswache in dieses Haus scheiterte jedoch trotz langer Verhandlungen daran, dass mit den Krankenkassen keine Einigung über die Finanzierung gefunden werden konnte. Vorher hatte das DRK bereits eine Fläche beim Leeraner Schwimmbad Plytje ins Auge gefasst, sich aber dann für das Gebäude in Nüttermoor entschieden.
Dann fiel Ende 2021 beim Landkreis Leer die Entscheidung, die neue Rettungswache in einen Anbau ans Klinikum zu integrieren, das wurde seinerzeit vom Landrat als „idealer Standort“ bezeichnet. Wieder wurden Verhandlungen mit den Krankenkassen geführt, die offenbar zu keinem positiven Ergebnis führten. Dies führte überdies dazu, dass der Neubau am Klinikum, in dem unter anderem eine Tagesklinik vorgesehen ist, sich um anderthalb Jahre verzögert hat.
Verärgerung statt Zuversicht
Als sich abzeichnete, dass die ursprünglich berechneten Baukosten für die Rettungswache auf mehr als das Doppelte steigen würden, stoppte der Kreisausschuss diese Pläne. Diesem Gremium gehören die Spitzen der Kreistagsfraktionen, unter anderem Dieter Baumann, an. Es tagt nichtöffentlich. Baumann hatte sich im vergangenen Jahr optimistisch gezeigt, dass die Pläne für die neue Wache entscheidend beschleunigt werden könnten, und „kein Geld verpulvert“ werde.
Diese Zuversicht ist Verärgerung gewichen. Er werde am Dienstag an der Ausschusssitzung teilnehmen, kündigt Baumann an. Er ist eigentlich kein Mitglied des Ausschusses, will aber für ein Mitglied seiner Fraktion einspringen. In dem Ausschuss soll ein Gutachten vorgestellt werden, mit dem die Einhaltung der Einsatzzeiten für den Rettungsdienst untersucht werden sollen. Dazu will Baumann kritische Fragen stellen.
DRK wurde bisher nicht eingeladen
Eine Zusammenfassung des Bedarfsplans ist seit Dienstag über das Kreistagsinformationssystem einsehbar. Darin heißt es: „In Bezug auf den Rettungswachenstandort Leer empfiehlt der Gutachter, die derzeitige Lage grundsätzlich beizubehalten, um über die Anbindung der B 70 / B 436 die Innenstadt zügig zu umfahren und gleichzeitig eine kurze Eintreffzeit für den Stadtkern zu gewährleisten.“ Näheres zu einem Standort ist dem nicht zu entnehmen.
Der DRK-Kreisverband sieht sich derzeit nicht in der Pflicht, wieder in eine Planung einzusteigen. Bisher hat der Landkreis laut dem DRK-Kreisvorsitzenden, dem früheren Landrat Bernhard Bramlage, keinen möglichen neuen Standort genannt, seit der Landkreis beim Neubau am Klinikum einen Rückzieher gemacht hatte. „Uns wurde mitgeteilt, dass eine Arbeitsgruppe gebildet werden sollte. In dessen Arbeit sollte der Rettungsdienst des DRK einbezogen werden“, so Bramlage.
Eine Einladung zu einem Treffen einer Arbeitsgruppe habe es aber bisher nicht gegeben. Zwar sei der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes zum Teil in die Erstellung des Bedarfsplans einbezogen worden, der Inhalt dieses Gutachtens sei ihm jedoch nicht bekannt, so Bramlage weiter. Die Unterbringung der Rettungswache an der Heisfelder Straße bezeichnete der DRK-Vorsitzende als „weiterhin völlig unzureichend“.