Berlin Nachfahren von NS-Widerstandskämpfern: „Demonstrationen allein reichen nicht aus“
In einem Appell fordern mehr als 280 Nachkommen von NS-Widerstandskämpfern dazu auf, die Demokratie vor der Neuen Rechten zu schützen. Im Hinblick auf die anstehende Europawahl setzen sie klare Ziele.
Mehr als 280 Nachfahren von Widerstandskämpfern im Nationalsozialismus appellieren in einem kürzlich veröffentlichten Brief an die Bevölkerung, „der Neuen Rechten in unserem Land und europaweit die Stirn zu bieten“. In vielen Ländern hätten „Populisten und Feinde der Demokratie“ in den vergangenen Monaten an Zustimmung gewonnen. Deutschland habe bereits einmal gezeigt, wohin das führen könne.
Zu den Unterzeichnern gehören neben den Nachkommen von Dietrich Bonhoeffer und Claus Schenk Graf von Stauffenberg auch die Nachfahren von Carl Friedrich Goerdeler sowie Freya und Helmuth James von Moltke.
Der Appell trägt den Titel „Aus der Geschichte lernen, die Demokratie stärken!“. Die Verfasser loben, dass die meisten Menschen aus dem Nationalsozialismus gelernt hätten. Aber:
Insbesondere in den aktuellen Krisenseiten seien Menschen besonders „empfänglich“ für rechtes Gedankengut, das Ängste, Misstrauen und Hass schüre.
Weiter üben die Unterzeichner des Appells nicht nur Kritik an der Neuen Rechten, sondern auch an den demokratischen Parteien: „Wenn selbst Bundestagsabgeordnete von millionenfacher „Remigration“ sprechen, wenn rechtsextreme Parteien in mehreren Bundesländern die Umfragen anführen und demokratische Parteien hilflos zwischen Anbiederung, abgrenzender Arroganz und Verbotsfantasien schwanken, dann müssen bei allen Anhängern der offenen Gesellschaft die Alarmglocken schrillen.“
Demokratische Strukturen und Institutionen seien abhängig von der Unterstützung der Bürger. Deshalb brauche es ein „stärkeres Engagement der Demokratinnen und Demokraten“.
Die Massenproteste der vergangenen Woche gegen rechte Ideologien und die AfD nennen die Nachkommen in diesem Zuge ein „ermutigendes Zeichen“. Dennoch müsse das Engagement weitergehen:
So bestehe die Gefahr, dass bei der Europawahl insbesondere rechte Parteien gewinnen würden. Weiter seien auch die Landtagswahlen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen von besonderer Bedeutung. Die Nachfahren der NS-Widerstandskämpfer sind überzeugt: „Da ist unsere Stimme als Demokraten gefragt, aber auch die politische Debatte mit Freunden, Bekannten, Kollegen und in den Medien.“
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