Bernhard Brons hört auf  Warum der IHK-Präsident nicht mehr Präsident sein möchte

| | 05.02.2024 16:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Fotoshooting in Emden: Dr. Bernhard Brons im Treppenhaus der ostfriesischen IHK. Foto: Ortgies
Fotoshooting in Emden: Dr. Bernhard Brons im Treppenhaus der ostfriesischen IHK. Foto: Ortgies
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Schon in wenigen Wochen will Ostfrieslands IHK-Präsident Bernhard Brons sein Amt niederlegen. Hier sind seine Gründe.

Emden - Sieben Jahre ist der Vorstand der AG Ems nun schon Repräsentant der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg. In wenigen Wochen wird Dr. Bernhard Brons die Präsidentschaft niederlegen. Mit unserer Zeitung spricht er über die Gründe.

Herr Dr. Brons, bei der IHK Ostfriesland und Papenburg fällt auf, wie viel Wert Sie auf die regionale Verwurzelung legen. Wie sieht das eigentlich bei Ihnen persönlich aus: Sind Sie wirklich durch und durch ostfriesisch eingestellt?

Dr. Bernhard Brons: Meine Familien kommen aus den nördlichen Niederlanden und haben sich dann in Leer niedergelassen. Und seit gut 200 Jahren sind sie in Emden – aber es hat zum Glück auch immer mal wieder eingeheiratete Fremde gegeben.

Ein Punkt für Sie. Zweite Frage: Haben Sie schon mal eine Kreuzfahrt auf einem Meyer-Schiff mitgemacht?

Hier schenkt der Präsident der Redaktion einen (Tee) ein. Foto: Ortgies
Hier schenkt der Präsident der Redaktion einen (Tee) ein. Foto: Ortgies

Brons: Ich habe ein Mal in meinem Leben eine einwöchige Kreuzfahrt gemacht – mit drei Generationen. Das war sehr schön. Im Urlaub habe ich ansonsten aber andere Vorlieben.

Können Sie sich vorstellen, dass die IHK Ostfriesland eines Tages ihre Eigenständigkeit aufgibt und beispielsweise mit der Oldenburgischen IHK fusioniert?

Brons: Solche Fragen muss man sich dann stellen, wenn die Antwort ein besseres Ergebnis liefern würde als den Ist-Zustand. Ich bin davon überzeugt, dass wir als IHK Ostfriesland mit unserer Identität und der eigenen authentischen Wirtschaftskraft viel mehr für die Region erreichen können als in anderen Gebilden.

Und was für ein Auto fahren Sie?

Brons: Ich fahre jetzt im elften Jahr ein und denselben BMW. Und eine Ente habe ich auch noch.

Das ist aber nicht sehr ostfriesisch.

Brons: Dafür befindet sich mein BMW-Händler fußläufig zwischen meinem Wohnort und meiner Arbeitsstätte. Und wenn ich dort den Wagen abgebe, kann ich noch mit einem richtigen Werkstattmeister sprechen.

Womit wir beim Thema Autoindustrie wären: Was läuft da bei VW eigentlich gerade schief?

Brons: Volkswagen ist ein Kernthema für Ostfriesland. Mit VW spüren wir, dass wir im Fokus des Wandels stehen. Dabei geht es längst nicht nur klimabezogen um neue Antriebstechniken. Ein Konzern wie VW, der sehr staatsbezogen und stark durch die Arbeitnehmerbank geprägt ist, hat es trotz dieses Hintergrunds geschafft, der größte oder zweitgrößte Automobilkonzern dieser Welt zu sein. Das ist nicht selbstverständlich. VW hat mit der grünen Mobilität einen wichtigen Weg eingeschlagen. Nun stehen weitere wichtige Investitionen an. Aber es ist nicht sicher, dass diese Investitionen auch bei uns stattfinden.

Sie sprechen die für Emden erhoffte Batteriezellen-Fabrik an?

Brons: Genau. Die Batteriezell-Fertigung ist ein ganz wichtiger Baustein für Ostfriesland. Wir sind wohl die grünste Region in ganz Deutschland. Bei uns hat Aloys Wobben in einer Garage angefangen zu schrauben. Er hat es mit Enercon in Deutschland zum Marktführer und in Europa zum Technologieführer geschafft. Und VW hat es geschafft, in die erste Liga der Autos zu kommen. Das war ja nicht immer so. Als VW beschlossen hatte, hier in Emden Autos zu bauen, rollte der erste Käfer elf Monate später vom Band. Heute haben wir das Problem, dass uns in dem ganzen Wandlungsprozess die Kernindustrie wieder verloren geht. Das bereitet uns Sorgen. Die Sorge, dass solche Ansiedlungen heutzutage nicht mehr stattfinden können. Heute brauchen wir für die ganzen Genehmigungen viel, viel länger als vor 60 Jahren. Trotz aller Sorgen bin ich aber davon überzeugt, dass die Spitze der Landesregierung dies erkannt hat – ebenso wie die Arbeitnehmervertretungen das verstanden haben. Der Vorstand von VW muss es nun auch noch erkennen: Wir brauchen die Batteriezell-Fertigung hier in Emden. Wir wollen schließlich, dass auch unsere Kinder in der Automobilindustrie noch eine Zukunft haben.

Und wie soll das gehen?

Brons: Wir müssen bei den Genehmigungsprozessen Ballast abwerfen. Sonst verlieren wir den Anschluss; sonst wird Deutschland deindustrialisiert. Wie schief es laufen kann, sieht man doch an der Friesenbrücke. Für den Bau benötigt man anderthalb Jahre, für das ganze Drumherum acht oder neun Jahre. Das geht doch nicht!

Selbst wenn die grünste Region Deutschlands weiter wachsen wollte, würden hier doch Fachkräfte fehlen, oder?

Brons: Richtig. Wir müssen unbedingt qualifizierte Zuwanderung zulassen. Jene, die schon hier sind, sollten viel schneller in den Arbeitsmarkt kommen. Diese Einwanderer sollen auch Deutsch lernen, weil das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig ist. Aber für die Arbeit ist es doch häufig gar nicht mehr erforderlich, Hochdeutsch zu können. Migranten können doch auch parallel zur Arbeit die Sprache erlernen. Es ist wichtig, Prioritäten zu setzen. Und es ist einfach falsch, wie wir mit Geflüchteten und Migranten umgehen.

Wäre es da nicht notwendig, sich auch als IHK an den Kundgebungen gegen rechts zu beteiligen?

Brons: Ich war auf der Demo in Emden. Und wir haben als IHK auch angeboten, die Veranstaltung zu unterstützen. Aber noch wichtiger, als sich in der eigenen Echokammer Solidarität zuzurufen, ist doch, wie wir die Bürger erreichen, die an der Notwendigkeit von Einwanderung zweifeln. Man muss doch diese Menschen davon überzeugen können, dass Zuwanderung wirtschaftlich gut ist – auch um Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen. Für den Wohlstand unserer Kinder ist es gut, wenn wir eine offene Empfangskultur für Migranten haben. Warum ist VW denn nach Emden gekommen? Weil damals Autos für den Exportmarkt in die USA gebraucht wurden. Und der Hafen ist auch dafür da, viel zu importieren. Wir sollten uns also niemals abschotten. Die größte Blütezeit Emdens war doch, als die Hugenotten gekommen sind.

Anderes Thema: Sie werden in diesem Jahr 66 Jahre alt und haben zusätzlich das Amt des Präsidenten der IHK Nord mit insgesamt 13 Industrie- und Handelskammern übernommen. Im vergangenen Jahr war es die Präsidentschaft der IHK Niedersachsen mit sieben Kammern. Im Hauptberuf sind Sie Vorstand der AG Ems. Wird Ihnen das nicht langsam zu viel?

Brons: Bei der IHK Ostfriesland und Papenburg wird das Amt des Präsidenten schon bald in neue Hände wechseln. Bei der nächsten Vollversammlung noch vor Ostern wird ein neuer Präsident gewählt werden. Ich werde aber Teil des Präsidiums bleiben. Ich war dann sieben Jahre Präsident. Das reicht dann auch. Präsident der IHK Nord bleibe ich aber für dieses Jahr. Und auch für die AG Ems werden wir eine gute Nachfolge finden. Damit lasse ich mir aber noch ein Jahr bis anderthalb Jahre Zeit. Wahrscheinlich wird die Verantwortung bei der AG Ems dann auf zwei Köpfen lasten.

Und dann?

Brons: Ich freue mich darauf, dann viel mehr mit meiner Frau unternehmen zu können – ohne dass das alles immer so eng getaktet ist.

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