Familie und Beruf Tagesmutter – als Quereinsteigerin zum Traumberuf
Frisörhandwerk, Gastronomie, Reittherapie – Anja Kuper hat schon in vielen Bereichen gearbeitet. Erst im Alter von 53 Jahren fand die Leeranerin ihren Traumberuf – und das als Quereinsteigerin.
Leer - Die Augen von Anja Kuper strahlen, wenn sie über ihre Arbeit spricht. „Ich möchte hier am liebsten bis zur Rente bleiben“, sagt die 56-Jährige. Vor drei Jahren wagte sie beruflich noch einmal einen Neustart und hat dabei ihren Traumberuf gefunden. Mit 53 Jahren drückte die Leeranerin noch einmal die Schulbank und machte als Quereinsteigerin eine Ausbildung zur Tagesmutter – oder ganz offiziell – Kindertagespflegeperson.
„Ursprünglich wollte ich ja Maskenbildnerin werden“, blickt Anja Kuper auf ihren Start ins Berufsleben zurück. Voraussetzung dafür sei eine Ausbildung zur Frisörin gewesen. „Das habe ich dann auch gemacht.“ Als sie ihren Mann, einen gelernten Koch, kennenlernte, wagten die beiden in der Gastronomie den Weg in die Selbstständigkeit. „Wir haben eine Gaststätte mit Kegelbahn, Clubraum und einem kleinen Saal gehabt“, sagt sie. Das sei ein harter Fulltimejob gewesen. „Die Gaststätte haben wir dann schließlich aufgegeben.“ Ihr Mann sattelte zum Autoverkäufer um und Anja Kuper nutzte ihr Hobby für einen beruflichen Neuanfang.
Mit 53 Jahren die Schulbank gedrückt
Beim Reit- und Fahrverein Tammingaburg hat die passionierte Reiterin zehn Jahre lang therapeutisches Reiten für Kinder mit psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen angeboten. „Damals ist bei mir zum ersten Mal die Begeisterung für die Arbeit mit Kindern aufgeflammt“, blickt Anja Kuper, selbst Mutter zweier inzwischen erwachsener Töchter, zurück. Eine Tagespflegeerlaubnis für die Betreuung eines Kindes hatte sie bereits seit zehn Jahren, als sie 2021 eine Qualifizierung zur Kindertagespflegekraft beim Familienservice Weser-Ems in Leer begann.
„Für mich war das schon eine Herausforderung, mit 53 noch einmal die Schulbank zu drücken und eine mündliche Prüfung abzulegen“, erzählt sie. Auch ein Betreuungskonzept zu schreiben, sei für sie völliges Neuland gewesen. Doch Anja Kuper meisterte die Ausbildung. „Als Tagesmutter bei uns zu Hause Kinder zu betreuen, kam für mich von Anfang an aber nicht infrage. Ich wollte eine strikte Abgrenzung von Privat- und Berufsleben“, berichtet sie. Außerdem habe es sie abgeschreckt, als Tagesmutter den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. „Ich hätte Abrechnungen, Verträge und anderen bürokratischen Papierkram machen müssen.“ Außerdem sei für sie wichtig gewesen, sich mit Kolleginnen austauschen zu können. Daher entschied sie sich, beim Familienservice Weser-Ems im Angestelltenverhältnis als Tagespflegeperson zu arbeiten.
Ersatzmutter kann Trost spenden
„Ich habe hier noch keinen Tag erlebt, an dem ich keine Lust hatte, zur Arbeit zu gehen.“ Gemeinsam mit einer Kollegin betreut Anja Kuper acht Mädchen und Jungen im Krippenalter bis zu drei Jahren in der Großtagespflege Hafennest im Haus der Firma Orgadata. „Meine Kollegin ist 30 Jahre jünger. Sie könnte meine Tochter sein. Aber wir sind ein tolles Team.“ Die Kinder zu ermutigen, Dinge auszuprobieren, bringe ihr Freude. „Wir geben den Kindern auch ein Messer in die Hand, damit sie lernen, ihr Brot selbst zu schmieren“, erzählt Anja Kuper. Die Kinder seien stolz darauf, was sie schon alles können und auch die Eltern würden staunen, weil sie ihren Kindern einiges vielleicht noch gar nicht zugetraut hätten.
Für ein paar Stunden ist Anja Kuper auch so etwas wie eine Ersatzmutter für die Kinder. Den Kleinen Trost spenden zu können, sei wichtig. „Wir haben dafür ein festes Ritual gefunden: Wenn sich ein Kind wehgetan hat, pusten wir das ,Aua’ einfach weg und lassen es zum Fenster herausfliegen“, erzählt sie aus dem Hafennest-Alltag. „Die unterschiedlichen Persönlichkeiten zu erleben und die Entwicklung der Kinder zu beobachten, ist einfach toll. Für mich gibt es keinen schöneren Moment, als wenn sie zum ersten Mal meinen Namen sagen. Dann hüpft mein Herz.“