„Fremantle Highway“  Untersuchungen zu Frachter-Unglück laufen noch

Martin Alberts
|
Von Martin Alberts
| 01.02.2024 15:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Nacht auf den 26. Juli 2023 geriet die „Fremantle Highway“ auf der Nordsee in Brand. Schiffe der Küstenwache und von Bergungsunternehmen begleiteten es in den darauf folgenden Tagen. Foto: Küstenwache der Niederlande/DPA
In der Nacht auf den 26. Juli 2023 geriet die „Fremantle Highway“ auf der Nordsee in Brand. Schiffe der Küstenwache und von Bergungsunternehmen begleiteten es in den darauf folgenden Tagen. Foto: Küstenwache der Niederlande/DPA
Artikel teilen:

Vor einem halben Jahr geriet der Autofrachter „Fremantle Highway“ auf der Nordsee in Brand. Die Behörden ermitteln immer noch zur Ursache des Feuers und ob die Rettungsmission korrekt ablief.

Rotterdam/Den Haag - Auch rund ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand des Autofrachters „Fremantle Highway“ mit einem Todesopfer gibt es noch keine Ergebnisse bei den Untersuchungen zur Ursache des Feuers sowie zur Rettung der Mannschaft. Auf dem Frachter, der zu dem Zeitpunkt rund 3800 Fahrzeuge an Bord hatte, war in der Nacht auf den 26. Juli 2023 ein Feuer ausgebrochen, als das Schiff etwa 30 Kilometer nördlich der niederländischen Insel Ameland in der Nordsee fuhr. Tagelang fürchteten Menschen auch in Ostfriesland, eine Havarie des knapp 200 Meter langen Schiffs könne zu einer Umweltkatastrophe an der Küste führen.

Während der Evakuierung des Schiffs kam eines der 23 Besatzungsmitglieder ums Leben. Am 3. August gelang es Bergungsunternehmen, die „Fremantle Highway“ nach Eemshaven zu schleppen. Dort wurden etwa 1000 Autos, die auf den unteren Decks standen und vom Feuer verschont wurden, von Bord geholt. Im September 2023 ging es für die „Fremantle Highway“ schließlich weiter nach Rotterdam – erneut mit der Hilfe von Schleppern.

Warum brach das Feuer aus?

. Direkt nach dem Brand war die Rede davon, dass eines der Elektroautos an Bord der Brandherd gewesen sein könnte. Diese Annahme rührte daher, dass es in Funksprüchen aus der Unglücksnacht hieß, dass das Feuer bei den E-Autos ausgebrochen sei. In Eemshaven zeigte sich dann jedoch, dass zumindest ein großer Teil der elektrischen Fahrzeuge auf den unteren Decks stand und das Feuer relativ unbeschadet überstanden hatte – was deutliche Zweifel an einem E-Auto als Brandherd aufkommen ließ. Nichtsdestotrotz werden auch Ende Januar 2024 auf der Onlineplattform X von Gegnern der Elektromobilität immer noch Berichte aus dem Sommer 2023 verbreitet – mit dem Vorwurf, die „Mainstream-Medien“ hätten nicht oder kaum über das „Fremantle Highway“-Unglück berichtet.

In der Unglücksnacht breitete sich das Feuer auf dem Frachter „Fremantle Highway“ schnell aus, wie dieses Foto einer Wärmebildkamera zeigt. Foto: Küstenwache der Niederlande/DPA
In der Unglücksnacht breitete sich das Feuer auf dem Frachter „Fremantle Highway“ schnell aus, wie dieses Foto einer Wärmebildkamera zeigt. Foto: Küstenwache der Niederlande/DPA

Ob nun ein E-Auto die Ursache war oder nicht – offiziell ist dies weiterhin ungeklärt. Zuständig dafür ist die Autoridad Marítima De Panamá (AMP), die Schifffahrtsbehörde in Panama – dem Land, unter dessen Flagge der Autofrachter unterwegs war. Direkt nach der Unglücksnacht hatte die AMP angekündigt, bei der Untersuchung der Brandursache mit den niederländischen Behörden zusammenzuarbeiten. Zugleich hieß es, die „Fremantle Highway“ sei vor dem Feuer zuletzt am 12. Juli 2023 im italienischen Livorno inspiziert worden, wobei keine Mängel festgestellt worden seien. Über mögliche Ergebnisse der Untersuchung zur Brandursache hat die AMP bisher jedoch nicht informiert.

Waren die Rettungshubschrauber schnell genug zur Stelle?

Gleiches gilt für die laufende Untersuchung zur Rettung der Crew während des Feuers: Für diese ist der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV, deutsch: Untersuchungsrat für Sicherheit) mit Sitz in Den Haag zuständig, da es um die Arbeit der niederländischen Küstenwache geht. Anfang August 2023 hatte der OVV als unabhängige Behörde angekündigt, den Ablauf der Rettungsmission während der Unglücksnacht unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls eine offizielle Untersuchung einleiten zu wollen.

Zwei Hubschrauber der Küstenwache waren an der Rettungsaktion auf dem Schiff „Fremantle Highway“ beteiligt. Hier stehen sie während der Unglücksnacht auf dem Flughafen Den Haag. Foto: Van Der Caaij/ANP/DPA
Zwei Hubschrauber der Küstenwache waren an der Rettungsaktion auf dem Schiff „Fremantle Highway“ beteiligt. Hier stehen sie während der Unglücksnacht auf dem Flughafen Den Haag. Foto: Van Der Caaij/ANP/DPA

Hierbei dürfte es vor allem um die Frage gehen, ob bei der Alarmierung der zwei Hubschrauber der Küstenwache alles korrekt ablief. Die Helikopter waren zunächst alarmiert worden, um bei der Bekämpfung des Feuers auf der „Fremantle Highway“ zu helfen, und hatten deshalb in Rotterdam speziell ausgebildete Feuerwehrleute an Bord genommen. Während des Flugs zum Schiff änderte sich dann jedoch der Auftrag: Die Hubschrauber sollten nun die Mannschaft des brennenden Frachters in Sicherheit bringen. Dafür mussten sie jedoch umkehren und zur Küste zurückfliegen – die Feuerwehrleute mussten schließlich wieder aussteigen, um Platz für die Crew-Mitglieder zu schaffen. In der Zwischenzeit hatte der Kapitän der „Fremantle Highway“ seiner Mannschaft die Anweisung gegeben, vom Deck des knapp 20 Meter hohen Frachters in die Nordsee zu springen. Schiffe nahmen die teils schwer verletzten Crewmitglieder auf, bis die Küstenwache untersagte, dass weitere Männer von Bord springen. Ein Crew-Mitglied erlitt infolge des Sprungs so schwere Verletzungen, dass der Mann aus Indien starb.

Der OVV führt die Untersuchung zur „Fremantle Highway“ auf seiner Webseite auch sechs Monate nach dem Unglück noch mit dem Status „laufend“. Wann es ein Ergebnis geben wird, ist unklar. Es dürfte aber auch von der Politik in Den Haag erwartet werden. Denn die Rettungsmission in der Nacht auf den 26. Juli 2023 beschäftigte auch bereits das Parlament. Der niederländische Infrastrukturminister Mark Harbers nahm in einer im September 2023 veröffentlichten Stellungnahme der Regierung vor allem den Kapitän des Autofrachters in die Verantwortung: Er sei dafür zuständig gewesen, die Lage an Bord einzuschätzen und zu entscheiden, ob das Feuer hätte gelöscht werden können oder ob die „Fremantle Highway“ evakuiert werden musste.

Ähnliche Artikel