Hamburg  Perfektionismus oder Zwangsstörung: Wann man von OCD spricht

Kirsten Stünkel
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Von Kirsten Stünkel
| 30.01.2024 21:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„OCD“ äußert sich sehr individuell: Zwischen Wasch- Kontroll- und Zählzwängen wird etwa unterschieden. Die Form des Zwangshandlung kann sich auch verändern. Foto: Unsplash / Nicholas Kwok
„OCD“ äußert sich sehr individuell: Zwischen Wasch- Kontroll- und Zählzwängen wird etwa unterschieden. Die Form des Zwangshandlung kann sich auch verändern. Foto: Unsplash / Nicholas Kwok
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In sozialen Medien und der Popkultur findet sich die Bezeichnung „OCD“ häufig in Verbindung mit Beiträgen zum Thema Ordnungsfimmel wieder. Wie sich „OCD“ dagegen bei Betroffenen äußern kann, und was die Zwangsstörung ausmacht, lesen Sie hier.

In der amerikanischen Serie „Friends“ gibt es mehrere Szenen, in denen die Protagonistin Monica Geller als besonders ordnungsliebend und putz fanatisch dargestellt wird. Auf Social-Media-Plattformen, oder auch auf YouTube, wird ihr Verhalten häufig als „OCD“ betitelt.

„OCD“, das steht für „Obsessive Compulsive Disorder“ und wird im Deutschen mit dem Wort Zwangsstörung übersetzt. Doch was bedeutet „OCD“ überhaupt und inwiefern grenzt es sich von perfektionistischem Verhalten ab?

Laut „spektrum.de“ ist Perfektionismus ein „übertriebenes Streben nach Vollkommenheit“. Doch was macht Perfektionisten eigentlich aus? Eigenschaften von Perfektionisten wurden in Studien erforscht - unter anderem von der kanadischen Psychologin Taryn Nepon und ihrem Team, wie „Psychologie heute“ beschreibt. Demnach streben Perfektionisten „ständig nach einem Ideal-Selbst. Ihre Gedanken kreisen unablässig darum, dieses zu erreichen. Zudem wollen sie auch in den Augen anderer als stets perfekt gelten.“

Bei einer der Studien wurde außerdem auch bestätigt, dass dieses Bestreben das Risiko erhöht, an Depressionen und Burnout zu erkranken. Ähnlich benennt es auch der Psychologe Nils Spitzer, der sich intensiv dem Thema Zwangsstörungen widmet: Perfektionismus zeige Zusammenhänge mit einer Vielzahl psychischer Probleme.  

Etwa 2-3 Prozent der Bevölkerung sind laut dem Max-Planck-Instistut für Psychiatrie von einer Zwangsstörung betroffen. Die Erkrankung des Gehirns zeigt ganz unterschiedliche Symptome und ist sehr individuell. Zwangsstörungen können etwa Kontrollzwänge sein. Die Betroffenen fürchten sich häufig vor den Folgen ihrer Handlungen. „OCD“ grenzt sich in seinen Symptomen von bloßem Perfektionismus ab: Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie beschreibt die Symptome wie folgt, als: „ungewollt wiederkehrende, als unsinnig oder quälend erlebte Gedanken und Handlungen“.

Die Betroffenen sind sich bewusst, dass diese Zwangshandlungen „belastend und unsinnig“ sind, wie auch die Uni Tübingen schreibt. Die Betroffenen können diese Handlungen jedoch nicht einfach unterdrücken.

Eine perfektionistische Person hat also eher zum Ziel, vor anderen zu glänzen und zum Beispiel eine herausragende Version von sich abzugeben. Menschen mit einer Zwangsstörung geht es jedoch nicht im Kern um die Außenwirkung von sich selbst. Sie haben eher den Fokus, mit ihren Zwängen katastrophale Folgen ihres Handelns verhindern zu können. So benennt auch der Psychologe Nils Spitzer auch in Bezug auf die Betroffenen: „die gravierenden Folgen von schon winzigen Fehlern stehen hier im Mittelpunkt.“

Ein oft gezeichnetes Bild von einem Waschzwang muss sich dabei nicht unbedingt zeigen, Betroffene können unterschiedlichste Ausprägungen von Zwangshandlungen mitbringen. Die Ursachen der Erkrankung sind bislang nicht bekannt. Diagnostiziert und therapiert werden kann eine Zwangsstörung professionell von erfahrenen Psychiatern.

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