Osnabrück Spruch über miese Stimmung: Warum läuft die Laus über die Leber?
Nicht gut drauf? Einfach mal ein Stimmungstief? Das kennt jeder. Aber warum ist einem dann oft eine Laus über die Leber gelaufen? Der alte Spruch hat interessante Hintergründe.
Nein, ich mag sie auch nicht, diese kleinen lästigen Tiere. Wer hat Lust auf Läuse? Richtig, niemand. Eine genügt schon, um Widerwillen auszulösen. Vor allem, wenn es die eine ist, die einem über die Leber läuft. Die Redewendung reicht und ich spüre leichtes Kribbeln.
Na, ist Dir eine Laus über die Leber gelaufen? Wer schlechte Laune hat, der sieht meistens genau danach aus. Die schlechte Stimmung lässt sich ablesen, an Miene und Verhalten, Blick und Sprache. Und das löst die besorgte Nachfrage aus. Manche Zeitgenossen bringen es fertig, dieser Nachfrage einen spöttischen Unterton zu geben. Nicht unbedingt ein Stimmungsaufheller.
Aber was kann ausgerechnet die Laus dafür, wenn es uns nicht gut geht? Und warum macht es uns etwas, wenn sie ausgerechnet die Leber berührt? Ich dachte immer, dass das Herz über Gefühle und Stimmungen regiert – wenn nicht gleich die Seele selbst.
So rätselhaft der Spruch, so aufschlussreich sein Hintergrund. In der Antike glaubten Ärzte noch an daran, dass die Leber Sitz der Gefühle und Stimmungen ist. In jener Zeit waren Wissenschaftler überzeugt, dass der Fluss der Säfte nicht nur den Körper, sondern auch die Seele des Menschen reguliert. Was die Leber berührte, veränderte auch Gefühle und Stimmungslagen.
Ich finde solche Hintergründe interessant. Die Redewendung von der Laus, die über die Leber läuft, ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass alte Wörter und Redeweisen Wissen vergangener Zeiten aufbewahren und weitertragen. Auch wenn Ärzte heute mehr wissen, als ihre Kollegen in der Antike – die Redewendung wird immer noch verstanden.
Der Spruch klingt zudem so einprägsam, weil die beiden Substantive mit dem gleichen Laut beginnen. Laus und Leber: Eine feine Alliteration, die viele Redewendungen aufweisen. Mann und Maus. Ein Beispiel. Oder: Haus und Hof.
Gleichviel. Wem die Laus über die Leber gelaufen, also meist eine Kleinigkeit die Stimmung verhagelt hat, dem nützt auch der schöne Sprachklang nichts. Was bleibt? Einfach mal sich etwas von der Seele reden, frei von der Leber weg – das hilft. Bestimmt.