Kolumne „Zugezogen“ Demo gegen rechts
In ihrer heutigen Folge befasst sich GA-Kolumnistin Clarissa Scherzer mit den Demonstrationen gegen den Rechtsextremismus. Sie hat eine besucht – nicht alleine.
Am vergangenen Sonntag war ich mit unseren Jungs demonstrieren. Das Offene Antifaschistische Treffen Nordwest rief zur Demo gegen Rechtsextremismus auf dem Denkmalplatz in Leer auf. Schon vor Start füllte sich der Platz mit Hunderten von Leuten. Unter den Demonstrierenden war auch Holocaust-Überlebender und Ehrenbürger der Stadt Leer Albrecht Weinberg mit seiner Begleiterin Gerda Dänekas.
Über den Köpfen der Demonstrierenden schwebten selbstgemachte Plakate mit sich reimenden, bunten, lauten, mahnenden, witzigen Sprüchen und Zeichnungen gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft. Die Vielfältigkeit war enorm. So fanden sich beispielsweise Ostfriesensprüche gegen Rechts auf Pappschildern wieder. Darunter „Kein Tee für Nazis“, „Anner Lü sünd ok Lü“ und „Ostfriesen mögen schwarzen Tee, keine braune Brühe“.
„Wir waren mittendrin“
Beeindruckend war, dass zahlreiche Kinder mit eigenen Plakaten an der Demo teilnahmen. Neben einer Zeichnung von Kinderhörspielhexe Bibi Blocksberg stand der Zauberspruch: „Ehne Mehne Meg. Die Rechten müssen weg. Hex, Hex!“ Ein anderes Kinderplakat zeigte einen Kothaufen und den Spruch in farbigen Buchstaben: „Bunt ist besser als braun.“ Auf weiteren Plakaten junger Menschen war zu lesen: „Alle Nazis sind doof.“ und „Für Antifaschismus ist niemand zu klein.“
Letzten Spruch bewies die Demo. Selbst Babys und Kleinkinder waren mit von der Partie. Wer noch nicht laufen konnte, fand Platz in Tragetüchern und Kinderwagen. Beim Skandieren von Sprüchen auf dem Zug durch Leer riefen auch die Kleinen: „Alle zusammen gegen den Faschismus! AFD Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!“ Und wir waren mittendrin. Meine Jungs hielten ein Schild mit dem Spruch hoch: „Halte deine Umwelt sauber!“ Dazu die Zeichnung einer Figur, die ein Hakenkreuz in den Müll wirft. Das mit dem Skandieren klappte bei mir anfangs nicht so gut. Schuld war ein mächtiger Kloß in meinem Hals. Ich war einfach von den positiven Gefühlen überwältigt, die die bunte und laute Demo in mir auslöste.